Am Rande der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Hertha-Fans und Einsatzkräften der Berliner Polizei am vorletzten Bundesliga-Spieltag soll sich ein Polizist rassistisch gegenüber einem Präsidiumsmitglied des Vereins mit dunkler Hautfarbe geäußert haben. Das sagte Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich am Freitag im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses. „Ich habe das schriftlich“, sagte Görlich, der sich explizit hinter die Fanszene stellte.

Vor der Zweitligapartie Hertha BSC gegen Schalke 04 im Berliner Olympiastadion am 17. Januar (0:0) war es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizeikräften gekommen. Vor Anpfiff gerieten beide Seiten am Zugang der Ostkurve aneinander. 31 Fans und 21 Polizisten wurden dabei verletzt. Die Fanhilfe von Hertha BSC forderte personelle Konsequenzen bei der Polizei. Görlich betonte, dass die Fanhilfe nicht für den Verein und die Geschäftsführung von Hertha spreche.

Polizei Berlin prüft Vorwürfe: zehn Beschwerden und zwei Anzeigen
Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel verspricht, alle Vorwürfe genau zu prüfen.
© Bernd von Jutrczenka/dpa | Bernd von Jutrczenka

Die Polizei bearbeitet laut Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel im Kontext der Auseinandersetzung zwei Anzeigen wegen Körperverletzung im Amt sowie zehn Beschwerden gegen Polizeibeamte. „Die Debatte suggeriert, es wären mehr“, sagte Hochgreben. Es werde „jedem Hinweis auf Fehlverhalten der Polizei nachgegangen“.

Der Rassismusvorwurf sei ihres Vermutens nach „eine der zehn Beschwerden“, sagte Polizeipräsidentin Slowik Meisel und stellte eine strafrechtliche Prüfung in Aussicht. Sie beharrte auf dem Standpunkt, dass die Gewalt in erster Linie von den Fans ausging. „Wenn es ein anderes Erleben gab, brauchen wir einen konkreten Hinweis.“ Aktuell sei man nur mit vielen Meinungen konfrontiert.

Grüne kritisieren Abwesenheit der Sportsenatorin im Ausschuss
Sitzung Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses

War am Freitag nicht im Sportausschuss: Berlins Innen- und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD).
© Sebastian Christoph Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow

Die Debatte im Ausschuss wurde dem Thema entsprechend emotional geführt. Gelegentlich war auch zu merken, dass in diesem Jahr in Berlin gewählt wird. Vor allem die oppositionellen Grünen scheinen das Thema für sich nutzen zu wollen. Die sportpolitische Sprecherin der Fraktion, Klara Schedlich, warf Innen- und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) bereits im Vorfeld des Ausschusses vor, dass sie nicht anwesend sein wird.

„Es ist eine Missachtung des Parlaments, dass die Sportsenatorin parallel zum Sportausschuss eine Pressekonferenz zur Olympiakampagne des Landes Berlin veranstaltet“, schrieb Schedlich in einer Mitteilung. Der Ausschuss begann um 10 Uhr, die Pressekonferenz allerdings erst um 11.30 Uhr. Davor nahm Spranger an der AG Resilienz der CDU- und SPD-Fraktionschefs teil. Dabei ging es laut ihrer Sprecherin unter anderem um „die Finanzierung des Katastrophenschutzes“ sowie andere zentrale Dinge aus diesem Bereich. „Diese Kernthemen betreffen das Haus der Innensenatorin, deshalb ist ihre persönliche Teilnahme notwendig.“

Pressebriefing zum Anschlag auf das Berliner Stromnetz

Hertha-Geschäftsführer betont Bedeutung der Fankultur für Berlin
Mitgliederversammlung Hertha BSC am 15. November 2025

Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich (Archivbild) wirft der Berliner Polizei Rassismus vor.
© IMAGO/Matthias Koch | IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Innensenatorin Spranger bezeichnete sich im Vorfeld als „Mittlerin“ zwischen Polizei und Hertha. Hier scheint jedoch weniger der Kern des Konflikts zu liegen. „Wir können Gewalt im Rahmen eines Fußballspiels in keinster Weise akzeptieren“, sagte Hertha-Geschäftsführer Görlich. Er stimmte der Polizei auch darin zu, dass Vorfälle am Rande der Zweitligapartie Hertha – Dynamo Dresden am 1. November 2025 eine Art „Wendepunkt“ gewesen seien.

Hertha-Fans sollen damals Barrieren überwunden und auf höhere Bereiche geklettert sein. „Dabei hätten Menschen ums Leben kommen können“, sagte Thomas Goldack, Leiter der zuständigen Polizeidirektion 2 (West). Das sei nur möglich gewesen, weil sich die Polizei über Jahrzehnte nur auf den Gastbereich und nicht auf die Heimfans fokussiert habe. Er habe daher umsteuern müssen. „Ich würde sonst meinen Job schlecht machen“, so Goldack weiter.

Hertha BSC und Fahne pur: Der Eingang zur Geschäftsstelle des Fußball-Zweitligisten in Westend.

Hertha-Chef: Kosten für Sicherheit seit Saison 2018/19 fast verdoppelt

Einige Fans, vor allem aus der aktiven Szene, empfanden die hohe Polizeipräsenz im Stadion als Provokation. „Die Fankultur geht uns gar nichts an, sondern die Überschreitung der Schwelle zur Gewalt“, so der Polizeidirektor weiter. Er habe Videos gesehen, auf denen eindeutig sei, dass die Polizei nur darauf reagiert habe. Diese Aufnahmen zur Beweissicherung sind nicht öffentlich, was Goldack ein wenig zu bedauern schien.

Ziel ist eine polizeifreie Ostkurve.

Peter Görlich, Geschäftsführer von Hertha BSC Berlin

Im Kern ist die Geschäftsführung von Hertha BSC als Veranstalter für die Sicherheit bei den Heimspielen verantwortlich. Die Kosten dafür haben sich laut Görlich seit der Saison 2018/19 von 1,4 auf 2,6 Millionen Euro erhöht. Man habe „massiv investiert“ in neue Technik und Ausrüstung. Bei jedem Spiel seien mehr als 1000 Ordner und insgesamt rund 3000 Menschen im Dienst. Er könne die Verunsicherung der Fans durch die Polizei verstehen. In der aktiven Szene wiederum gebe es ein Bewusstsein, dass Gewaltaktionen schaden.

Geschäftsführung strebt „polizeifreie Ostkurve“ an

Am Sonntag (1. Februar) empfängt Hertha den Tabellen-Zweiten Darmstadt 98. Auch wenn es sich dabei – anders als gegen Schalke – nicht um ein Risikospiel handelt, wird die Polizei voraussichtlich wieder mit einem Großaufgebot im Stadion sein.

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Newsletter Illustration

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der
Werbevereinbarung
zu.

Für Geschäftsführer Görlich keine dauerhafte Lösung: „Ziel ist eine polizeifreie Ostkurve.“ Er sprach sich auch für den Schutz der Fankultur aus. Das bedeute auch „Identität, Gemeinschaft, Support und Leidenschaft“. Kritik am Verein und an staatlichen Institutionen gelte es auszuhalten. Ohne die Fankultur werde es „für die Sportmetropole Berlin schwierig sein, solche Veranstaltungen im Olympiastadion oder Köpenick aufrechtzuerhalten.“