Das Stadtmuseum Halle widmet sich in einer neuen Sonderausstellung dem Thema Wohnungslosigkeit. Am 29. Januar wurde die Schau mit dem Titel „Tagsüber bin ich woanders, hier bin ich nur nachts“ eröffnet. Zu sehen sind Fotografien, Zeichnungen, Recherchen, Zitate und Texte, die im Rahmen eines Projektes der Kunsthochschule Burg Giebichenstein entstanden sind.
Fotos und Texte aus Wärmestube und Co.
Studierende der Kunsthochschule hatten zwischen Oktober vergangenen Jahres und Januar Gespräche mit Betroffenen und Beschäftigten verschiedener sozialer Einrichtungen geführt. Dabei besuchten sie unter anderem das Haus der Wohnhilfe, den Elisabeth-Tisch des Krankenhauses St. Elisabeth und die Wärmestube.
Ehrliche und ungeschönte Texte über Obdachlosigkeit
„Wenn ich noch einmal höre, in Deutschland müsse niemand obdachlos sein, springe ich an die Decke und flippe aus. Ciao.“ Das ist ein Zitat, welches dem Besucher sofort ins Auge fällt. Entstanden sind 30 Tafeln aus Fotografien, Texten, Interviews und Gesprächsprotokollen. Sie erinnern auf den ersten Blick an ein liebevoll gestaltetes Tagebuch. Auf den zweiten erkennt der Betrachter die menschliche Dramatik dahinter. Die Bilder und Texte wirken ehrlich, ungeschönt und berührend.
Wenn ich noch einmal höre, in Deutschland müsse niemand obdachlos sein, springe ich an die Decke und flippe aus. Ciao.
Aus der Ausstellung „Tagsüber bin ich woanders, hier bin ich nur nachts“
Heiko Wünsch hatte als Leiter der halleschen Wärmestube die Idee für diese Ausstellung. Ursprünglich wollte er dokumentieren, wie in Halle der bundesweite Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit bis 2030 umgesetzt wird. „Und da habe ich mich an die Burg gewandt“, erzählt er. Für ihn überraschend: „Die Burg hatte ihre eigenen Vorstellungen und eine ganz andere Herangehensweise, was für mich auch vollkommen neu war.“
Begegnungen zwischen Studierenden und wohnungslosen Menschen
Auch für die Burgstudentin Luzi Reuleaux war das Kunstprojekt eine wichtige Erfahrung. „Man kommt aus seinem Uni-Alltag, geht an so einen Ort und man hat das Gefühl, man dringt da jetzt so ein bisschen ein“, erinnert sie sich. Olaf wiederum nimmt die andere Perspektive ein – seine Geschichte ist Teil der Ausstellung. Er findet lobende Worte für die Studierenden: „Die waren ganz lieb und nett und haben die Sache mal an die Öffentlichkeit gebracht. Ich denke, das wird die Menschen berühren, wie es einem so geht.“
Ich denke, das wird die Menschen berühren, wie es einem so geht.
Olaf, wohnungsloser Hallenser
Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Studiengang Kommunikationsdesign/ Schwerpunkt Fotografie der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, der Evangelischen Stadtmission Halle e.V. und dem Stadtmuseum Halle. Ziel der Schau ist, die Sichtbarkeit für das Thema Wohnungslosigkeit und Wohnungssuche zu erhöhen. Außerdem erhoffen sich die Macherinnen und Macher, mit der Ausstellung die Akzeptanz und Solidarität in der Stadtgesellschaft zu stärken. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 31. Mai.