Alarmfall kurz vor Weihnachten: Verdächtiger nach Bombenalarm am Stuttgarter Hauptbahnhof ermittelt Großeinsatz am 20. Dezember 2025: Der Hauptbahnhof war am Abend für Reisende vier Stunden tabu. Foto: dpa

Vier Stunden lang war der Stuttgarter Hauptbahnhof lahmgelegt, der Fernverkehr blockiert. Nun ist der Bombenalarm vom 20. Dezember 2025 offenbar aufgeklärt.

Eine Sackkarre mit einer Ladung in Mülltüten und Klarsichtfolie verpackt, ein Geruch nach Benzin: Das war der Auslöser eines Bombenalarms, der vor sechs Wochen den Stuttgarter Hauptbahnhof lahmgelegt hat – mit weitreichenden Folgen. Vier Stunden lang war der Bahnhof geräumt und der Fernverkehr in diesem Bereich eingestellt, mussten Tausende Bahnreisende umplanen und auf Alternativen hoffen. Was aber steckte hinter dem brisanten Fund, der wie eine Bombe wirkte?

Die Bundespolizeiinspektion Stuttgart hat ihre Erkenntnisse über den ungewöhnlichen Alarmfall am 20. Dezember 2025 nun an die Staatsanwaltschaft übergeben. Und die lässt auf Anfrage unserer Redaktion wissen, dass der Urheber ermittelt sei: „Der Mann ist mittlerweile identifiziert“, sagt Staatsanwaltssprecherin Stefanie Ruben. Nähere Angaben zu seiner Person macht sie nicht. Der Vorgang sorgt dennoch für ungläubiges Staunen.

Nach bisherigem Ermittlungsstand hatte sich der Mann an jenem Samstagabend nach 19 Uhr in den Bahnsteigbereich begeben – mit einer Sackkarre, auf der ganz offensichtlich kein Gepäck geladen war. Sondern mit etwas, dass in zwei zugeklebte Müllsäcke verpackt war und nach Benzin roch. Einem Sicherheitsmitarbeiter der Bahn sei dieser ungewöhnliche Bahnhofsbesucher aufgefallen, weil „von dieser Sackkarre Benzingeruch ausging“, so Sprecherin Ruben. Der Bahnmitarbeiter habe den Mann daher „angesprochen und aufgefordert, zu warten, bis weitere Kollegen hinzukommen“, sagt die Staatsanwältin.

Verdächtiger rennt davon – angeblich um einen Zug zu erreichen

Der aber reagierte noch verdächtiger – und wenig kooperativ. „Der Mann teilte mit, er müsse seinen Zug erreichen“, sagt Stefanie Ruben, „und ist daraufhin weggerannt.“ Die Sackkarre habe er einfach stehen lassen. Der Unbekannte tauchte unter und blieb verschwunden – zurück blieb die rätselhafte Sackkarre mit dem Geruch nach leicht entzündlichem Brennstoff. Und unter der zugeklebten Verpackung befanden sich offenbar metallische Gegenstände. Grund genug, den Hauptbahnhof sicherheitshalber zu sperren. Wegen einer, wie es damals in einer Mitteilung hieß, „besonderen Beschaffenheit eines aufgefundenen Gegenstands“.

Die Sperrung sollte von 19.30 bis 23.30 Uhr dauern – denn nach einer umfänglichen Evakuierung und Absperrung mussten die Sprengstoffexperten alle Gegenstände röntgen und deren Gefährlichkeit einordnen. Und was verbarg sich in der Verpackung? Die Staatsanwältin: „Zwei Notstromaggregate.“ Und zwar keine, die irgendeiner Baustelle im Bahnhofsbereich zuzuordnen gewesen wären. Und, nach Informationen unserer Zeitung, auch eher in die Kategorie „ausgemustert“ gepasst hätten.

Was fängt man mit alten Notstromaggregaten an?

Waren die Geräte gestohlen oder zum Ausschlachten günstig erworben? Warum wollte der Unbekannte damit noch „einen Zug erreichen“? Wie der Mann mit den Notstromaggregaten, die ihm dann offensichtlich doch nicht mehr wichtig waren, letztlich identifiziert wurde – darüber gibt es aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Auch nicht dazu, ob die Bundespolizei eine von ihr besonders häufige Ermittlungsmethode angewandt hat: die Auswertung von Videoaufzeichnungen in Zügen.

Da die Verpackung weder Aufkleber mit Adresse oder Herkunft erkennen ließ, dürfte somit ein Videobild aus Überwachungskameras im Zug die wahrscheinlichste Variante gewesen sein. Und das wiederum ließe vermuten, dass das Konterfei des Verdächtigen schon einmal in den Polizeisystemen gelandet sein muss. Ob und welche Straftat ihm letztlich zur Last gelegt werden kann, das wird nun von der Staatsanwaltschaft geprüft. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor.