Interview
Standdatum: 30. Januar 2026.
Autorinnen und Autoren:
Alec Gosewisch
Schauspieler Dario Redecker gibt sein Regie-Debüt mit „Ich zeige Euch meine Welt“.
Bild: Jennifer Pfeifer 2026
In seinem ersten eigenen Stück zeigt Schauspieler Dario Redecker, wie seine Welt aussieht. Dabei spielt neben Trisomie 21 vor allem seine Familie eine Rolle.
Ein Regiestuhl auf der Bühne. Das ist im Theater ein eher seltener Anblick. Dario Redecker nimmt Platz – und das zum ersten Mal. Für Produktionen wie „Morden im Norden“ stand der 29-Jährige bereits vor der Kamera.
Information zum Thema
Wer ist Dario Redecker?
Dario Redecker ist Schauspieler in einer Theater Gruppe in Hannover. In Bremen gibt er mit seinem Stück ein Gastspiel. Bei der Entwicklung des Stücks hat ihn seine Familie, vor allem seine Tante und Cousine unterstützt. Seine Cousine spielt auch in dem Stück mit. Beim Castingaufruf hatte Redecker Hilfe, das Casting selbst und die Auswahl hat er alleine durchgeführt.
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In seinem ersten eigenen Stück „Ich zeige Euch meine Welt“ ist er nicht nur Schauspieler, sondern auch Autor und Regisseur und zeigt, wie sein Leben mit Down-Symdrom aussieht. Bei der Premiere im Bremer Schlachthof gibt es nicht nur Applaus vom Publikum, sondern auch Tanz, Gesang und die ein oder andere Träne.
„Ich zeige Euch meine Welt“ erzählt Dario Redeckers persönliche Geschichte mit all ihren Einflüssen. Wünsche, Ängste und Träume reihen sich neben Alltagserfahrungen, die teils liebevoll, teils ausgrenzend sind. Wie geht man damit um, wenn man als anders wahrgenommen wird? Und was macht das mit der eigenen Familie? Im Interview erzählt Dario Redecker, wie er seine ganz eigene Welt für das Publikum inszeniert.
Dario Redecker stand schon früh auf der Bühne. Im Bremer Schlachthof wurde sein erstes eigenes Stück zum ersten Mal aufgeführt.
Bild: Jennifer Pfeifer 2026
Herr Redecker, war es schon immer Ihr Traum Schauspieler zu werden?
Das war tatsächlich immer schon mein Traum. Das hat schon mit zehn Jahren angefangen. Ich habe schon immer als Kind Theater gespielt. Dann dachte ich mir: Mach ich mal selber ein Theaterstück. Mein erstes Mal auf einer Theaterbühne war in Bremen. Da ist die Aufregung schon da gewesen. In Hamburg habe ich auch bei einer Produktion mitgespielt, „Morden im Norden“, die dann im Fernsehen ausgestrahlt wurde.
Wie haben Sie es geschafft, Ihre „eigene Welt“ auf die Bühne zu bringen und welche Schwierigkeiten gab es?
Es gab ziemlich viele Hürden. Die Proben waren sehr intensiv. Manchmal waren wir natürlich emotional – bis an dem Punkt wo wir dachten: Wir brechen das ab, hier können wir erstmal nicht weitermachen. Da gab es dann Funkstille, eine Pause. Irgendwann haben wir uns wieder gefunden und wieder gesammelt. Wir haben geschaut, was im Stück bleiben sollte und was man ändern kann.
Manche Sachen waren einfach zu kompliziert – da waren zu viele Emotionen drin.
Dario Redecker, Autor und Regisseur von „Ich zeige euch meine Welt“
Auf der Bühne gibt es nicht nur Schauspiel, sondern auch Tanz und Gesang.
Bild: Jennifer Pfeifer 2026
Auch bei mir sind die Emotionen da gewesen. In dem Moment war es für mich sehr schwer, damit klarzukommen. Mit diesen Hürden konnten wir nicht so richtig etwas anfangen. Aber wir haben sie dann überwunden. Wir haben einfach weitergemacht, bis wir gesagt haben: Das ist es! Die Zusammenarbeit war super, wir haben uns gut verstanden. Es gab natürlich viele offene Fragen, aber wir konnten sehr leicht und harmonisch arbeiten. Es hat bei uns gefunkt.
Das war Ihr erstes Mal als Autor und Regisseur. Wie war es für Sie, dieses Stück zu schreiben – und die Schauspieler für das Stück zu finden?
Sehr aufregend. Das erste Mal etwas schreiben – das habe ich noch nie gemacht. Ich habe mir zusammen mit anderen meine ersten Ideen angeschaut und mich gefragt: Wie kann man das machen? Wie kann man das schreiben? Ich habe es dann immer wieder Leuten gezeigt und das Ganze überarbeitet. Die Schauspieler zu finden war sehr schwierig. Ich musste erstmal einen Casting-Aufruf machen. Wir haben ein Video gedreht und es rumgeschickt. Irgendwann haben sich Leute beworben – und ich habe genau die gefunden, die ich für diese Rollen passend finde. Das habe ich sofort gemerkt.
Darios Mutter, gespielt von Roberto Guerra (r.) zeigt Darios Bühnen-Ich, gespielt von Marina Leyes (l.), wie wichtig Selbstliebe ist.
Bild: Jennifer Pfeifer 2026
Es geht in dem Stück auch um Ihre Familie. Welche Rolle spielt sie in Ihrem Leben?
Das ist eine gute Frage. Sie spielt eine Riesenrolle, das muss ich sagen. Sie sind immer für mich da gewesen – und sind immer noch da. Deswegen wollte ich meine Familie auch mit einbauen in das Stück. Meine Mama spielt da eine besonders große Rolle, genauso wie meine Cousine. Diese Menschen bedeuten mir viel und liegen mir sehr am Herzen. Das will ich zeigen.
„Ich zeige Euch meine Welt“ setzt sich damit auseinander, wie andere Personen mit Menschen mit Down-Syndrom umgehen. Was wünschen Sie sich in diesem Umgang?
Dass Menschen mit Down-Syndrom gesehen werden, wünsche ich mir auf jeden Fall. Und dass man sie wertschätzen kann. Ich wünsche mir, dass diese Menschen ihre Welt zeigen dürfen. Manche Leute sehen Menschen mit Trisomie 21 überhaupt gar nicht, finde ich.
Man sollte trotzdem sagen: Hier bin ich und ich möchte was machen!
Dario Redecker, Autor und Regisseur von „Ich zeige Euch meine Welt“
Deswegen heißt das Stück auch „Ich zeige Euch meine Welt“, weil es nie jemand mit Trisomie geschafft hat ein Stück zu schreiben, das es so zeigen kannst. Das war das erste Mal.
Warum sollte man sich „Ich zeige Euch meine Welt“ anschauen?
Weil das Stück sehr schön ist und voll mit Emotionen. Es macht Spaß zu zeigen, was sich in meiner Welt abspielt. Deswegen sollten sich die Leute das Stück anschauen.
Information zum Thema
Ich zeige Euch meine Welt
Bild: Jennifer Pfeifer 2026
Die Produktion von Lichtgrenze e.V. mit Roberto Guerra, Marina Leyes, Franziska Steinhaus, Dario Redecker wird als Gastspiel am Theater Bremen am 31. Januar 2026 aufgeführt.
Karten gibt es hier.
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Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
butenunbinnen.de, „Dario Redecker bringt sein Leben mit Down-Syndrom auf die Bühne“, 30. Januar 2026, 17 Uhr




