
AUDIO: Französisches Flair im Kunstmuseum Schwaan (3 Min)
Stand: 30.01.2026 15:12 Uhr
Das Kunstmuseum in Schwaan bei Rostock zeigt in seiner neuen Ausstellung Werke aus der französischen Künstlerkolonie Barbizon sowie der Künstlervereinigung Apelles, die 1895 in der Weimarer Schule gegründet wurde.
In Barbizon, einem Dorf in der Nähe von Paris, hat sich Ende des 19. Jahrhunderts eine Künstlerkolonie gegründet – ein Ort der Inspiration, ähnlich wie Schwaan. Die Künstler beider Orte malten am liebsten in der Natur: Die sogenannte Plein-air-Malerei, die Malerei unter freiem Himmel.
Die Wiege des Impressionismus in Deutschland war die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule in Weimar: Dort gründeten Professoren 1895 den Künstlerbund Apelles, benannt nach dem gleichnamigen antiken griechischen Maler und Zeitgenossen von Alexander dem Großen. Der Bund entstand in einer Zeit des Umbruchs, als Reaktion auf ein zunehmend konservatives Kunstverständnis am Weimarer Hof. Richtig Fahrt nahm die Arbeit von Apelles aber erst auf, als Studenten drei Jahre später frischen Wind hinein brachten.
Neuentdeckung: Neuberts „Mühlrad Schwaan“
Einer dieser Studenten war Reinhold Neubert, dessen Gemälde „Schloßpark Belvedere“ und „Mühlrad Schwaan“ von 1908 erstmals in Schwaan zu sehen sind. Die Chefin des Kunstmuseums, Annette Winter-Süss, hat in der Vorbereitung zur Ausstellung zufällig eine Neuentdeckung gemacht: „Wir wussten, dass er als Gastmaler in Schwaan war und haben jetzt aber festgestellt, dass er die Gruppe, die wir als Schwaaner Vertreter bezeichnen, schon im Weimar kannte und eben auch Mitglied der Künstlervereinigung Apelles war.“
Brendel-Fotografien als „Making of“ der Naturmalerei
Im zweiten Teil der Ausstellung sind die frühen Fotografien von Albert Brendel zu sehen. Diese zeigen bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine Art „Making of“ der Naturmalerei. „Wir widmen einen Teil der Ausstellung Albert Brendel, der selbst in Barbizon war und dort Fotografien gemacht hat“, erklärt die Museumsleiterin. „Dann ist er mit diesen Fotografien nach Weimar gegangen und hat dort den Geist von Barbizon bekannt gemacht. Alle unsere Künstlervertreter haben in Weimar studiert.“
Auch handwerklich waren die Apelles-Künstler jung und wild unterwegs. So kam es, dass sie ihre Werke konsequent überstrichen – für markanten Glanz, aber auch für deren Schutz. So erfanden sie quasi nebenbei die Firnis-Malerei. Das können Besucher besonders gut an Bartels‘ „Laternenkindern“ sehen.

Das Gemälde aus der berühmten Bilderserie der „Laternenkinder“ konnte dank mehrerer Unterstützer erworben werden.
Schwaan plant Künstleraustausch mit Barbizon
Noch mehr französisches Flair kann sich die Chefin des Kunstmuseums künftig gut vorstellen: „Da sind wir dran. Gerade im Oktober waren ja die Stipendiaten aus Barbizon da und wir sind dabei, das auch zur Gewohnheit werden zu lassen – also einen Künstleraustausch.“ Und wer weiß, vielleicht wird Schwaan als kleine Künstlerkolonie ein Ort für eine neue deutsch-französische Freundschaft?

Alle Werke stammen von Vertretern der Schwaaner Künstlerkolonie. Es handelt sich um Käufe, eine Schenkung und eine Leihgabe.

Sein Gemälde „Aufziehendes Wetter“ ist ein Geschenk an die Stadt. Franz Bunke ist Gründer der Schwaaner Künstlerkolonie.

Mehr als 3.000 Gäste haben das Museum seit der Ausstellungseröffnung besucht, um die Bilder aus Frankreich zu sehen.

In Ahrenshoop sind knapp 180 Bilder versteigert worden. Den höchsten Preis erzielte das Gemälde „Selbstbildnis als Halbakt“ der Rostocker Malerin Kate Diehn-Bitt.