Bielefeld/Gütersloh. Fahrgäste des öffentlichen Nahverkehrs in Ostwestfalen-Lippe müssen sich am Montag auf Ausfälle und Verspätungen einrichten. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsbetriebe mit Beginn der Frühschicht aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Dies gelte bis auf wenige Ausnahmen flächendeckend, sagte eine Verdi-Sprecherin.
Gestreikt werde bei verschiedenen Nahverkehrsunternehmen in ganz Deutschland. Mit dabei sind auch Beschäftigte der Bielefelder Mobiel GmbH und der Stadtbus Gütersloh GmbH. Das teilte ein Verdi-Vertreter mit.
Der Streik betrifft Beschäftigte aus dem Fahrdienst, den Werkstätten, den Leitstellen und der Verwaltung. Der Warnstreik beginnt am Montag, 2. Februar, um 4 Uhr und endet voraussichtlich am Dienstag, 3. Februar, um 4 Uhr. In dieser Zeit kommt es zu Ausfällen im Bus- und Bahnverkehr. Regional- und S-Bahnen sind nicht von den Streikmaßnahmen betroffen.
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Keine Mobiel-Busse und Stadtbahnen in Bielefeld
In Bielefeld fällt der Nahverkehr an diesem Tag komplett aus. „Von 4 Uhr morgens bis 4 Uhr am Dienstag wird keine Stadtbahn unterwegs sein und auch kein Mobiel-Bus fahren“, teilt Mobiel mit.
„Wir müssen mit einer hohen Beteiligung der Beschäftigten rechnen und kommen deshalb aus betrieblichen Gründen an dieser Maßnahme nicht vorbei“, sagt Mobiel-Geschäftsführer Arne Petersen. Das Bielefelder Nahverkehrsunternehmen plane jedoch, auf Teilstrecken Ersatzbusse von Fremdunternehmen fahren zu lassen.
Eine Übersicht der Ersatzfahrten finden Sie hier. Außerdem erscheinen die stattfindenden Fahrten regulär in der Mobiel-App, heißt es in einer Pressemeldung des Unternehmens. Auch die Fahrten in die Nachbarstädte von Mobiel entfallen. Unter anderem sind hiervon die Linien 52, 53, 152 und 153 nach Herford betroffen.
In Gütersloh wird ebenfalls gestreikt. Nach Angaben des Verkehrsunternehmens Stadtbus Gütersloh fallen am Montag ganztägig Stadtbusse, Schulbusse sowie der Shuttlebus-Verkehr aus.
Die Mobiel-Busse werden bei dem Warnstreik am Montag stillstehen.
| © Barbara Franke
Verdi will mehr Ruhezeiten und Zuschläge
Mit den Warnstreiks soll der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden, die zweite Verhandlungsrunde der Tarifgespräche ist für den 2. März geplant. Auch in anderen Bundesländern soll der Nahverkehr weitgehend zum Stillstand kommen. Insgesamt betroffen seien fast 100.000 Beschäftigte in 150 städtischen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben.
Verdi NRW fordert, die wöchentliche Arbeitszeit von 39 Stunden bei vollem Lohnausgleich zu verkürzen. Auf welche Stundenzahl genau soll noch konkretisiert werden. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von zehn auf elf Stunden erhöht werden, und der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen.
AfD im Betrieb: Verdi-Chef gegen Rechtstendenzen in Betrieben
Außerdem pocht die Gewerkschaft auf deutlich mehr Investitionen in Infrastruktur und Personal. Beim vorangegangenen Tarifkonflikt um die Entgelte der Beschäftigten in den kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW legten Warnstreiks den Nahverkehr in vielen Großstädten lahm, teilweise über mehrere Tage.
Arbeitgeber lehnen Forderungen ab
„Die Belastung im ÖPNV ist in NRW seit Jahren extrem hoch“, sagte Verdi-NRW-Verhandlungsführer Heinz Rech. „Schichtdienste, Zeitdruck und Personalmangel treiben viele an ihre Grenzen.“ Er warf den Arbeitgebern vor, keine Verbesserungen zuzulassen. Die Beschäftigten seien aber bereit, für bessere Bedingungen zu kämpfen. „Der Streik ist ein klares Signal an die Arbeitgeber, endlich Bewegung zu zeigen.“
Die Arbeitgeber werfen Verdi unrealistische Forderungen vor. Die Gewerkschaft ignoriere dabei die schlechte Finanzlage der kommunalen Nahverkehrsunternehmen. Würde man den Forderungen nachkommen, müsste voraussichtlich an vielen Stellen verstärkt etwa über die Einstellung von Linien, über längere Takte und über die Vergabe von Beförderungsleistungen an das private Busgewerbe nachgedacht werden, argumentiert der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen.
Warnstreik im Nahverkehr: Das müssen Arbeitnehmer wissen
Was bedeutet der Warnstreik für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die auf dem Weg zum Job auf den ÖPNV angewiesen sind? Die wichtigsten Punkte im Überblick.
Arbeitnehmer sind für ihren Arbeitsweg verantwortlich
Grundsätzlich gilt, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selbst dafür verantwortlich sind, pünktlich im Betrieb anzukommen, sie tragen das sogenannte „Wegerisiko“. Das gilt bei Streik genauso wie etwa bei Schnee und Glätte. Heißt: Auch wenn Busse und Bahnen nicht fahren, dürfen Angestellte nicht einfach zu spät kommen. Darauf macht Volker Görzel vom Verband deutscher Arbeitsrechtsanwälte (VDAA) aufmerksam.
Wenn das Homeoffice keine Lösung ist, müssen Angestellte also nach zumutbaren Alternativen suchen. Gibt die Möglichkeit, Angebote von Unternehmen zu nutzen, die nicht bestreikt werden – etwa die Deutsche Bahn oder andere private Unternehmen? Ist das eigene Auto eine Option oder sind Fahrgemeinschaften mit Kolleginnen denkbar? Auch das Taxi kann eine Alternative sein.
Viel zu spät dran: Diese Konsequenzen sind möglich
Wichtig: Wer keine der zumutbaren Alternativen nutzt und dann zu spät oder gar nicht zur Arbeit kommt, muss im Zweifelsfall mit Konsequenzen rechnen, heißt es vom VDAA. Wenn es hart auf hart kommt, gilt laut VDAA der Grundsatz „ohne Arbeit kein Lohn“. Wer also wegen eines Streiks zu spät oder im schlimmsten Fall gar nicht arbeitet, hat auch keinen Anspruch auf Bezahlung – das Gehalt kann entsprechend gekürzt werden. Auch eine Abmahnung ist denkbar.
Stillstand im Nahverkehr: Flexible Lösungen wie Homeoffice, Gleitzeit oder Urlaub können eine Alternative sein – ein Gespräch mit den Vorgesetzten kann helfen.
| © Fabian Strauch/dpa/dpa-tmn
Schon vor dem Streik mit den Vorgesetzten sprechen
Je nach Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag könnte auch eine Nacharbeit für die verpasste Zeit eine Option sein. Hier komme es in der Praxis darauf an, eine annehmbare Lösung für beide Seiten zu finden.
Doch soweit muss es nicht kommen. Angestellte sollten schon bei der Ankündigung eines Streiks mit ihren Vorgesetzten ins Gespräch gehen und die eigene Situation schildern. Oft gebe es für solche Fälle betriebliche Regelungen, so der VDAA. Neben dem Homeoffice in einigen Berufen könnten auch Gleitzeit oder kurzfristiger Urlaub Lösungen sein.
Übrigens: Wer erst auf dem Arbeitsweg merkt, dass er oder sie sich verspätet, sollte Vorgesetzte umgehend informieren – auch das kann Ärger ersparen, ganz unabhängig von Streik und Schnee.
mit dpa-Material

