Russland hat nach Angaben des Kremls der Bitte von US-Präsident Donald Trump um eine begrenzte Waffenruhe in der Ukraine bis Sonntag zugestimmt. Ziel sei es, eine günstige Atmosphäre für Verhandlungen zu schaffen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut des russischen Staatsfernsehens. Zuvor hatte auch Trump erklärt, Präsident Wladimir Putin habe seiner Bitte entsprochen.
Andere russische Medien berichteten zunächst zurückhaltender und zitierten Peskow lediglich mit der Bestätigung einer Anfrage aus Washington. „Tatsächlich hat sich Präsident Trump mit einer persönlichen Bitte an Präsident Putin gewandt, für eine Woche bis zum 1. Februar auf Angriffe auf Kyjiw zu verzichten, um günstige Bedingungen für Gespräche zu schaffen“, sagte Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.
Auf Bitten von US-Präsident Trump stimmt Putin zum ersten Mal einer begrenzten Waffenruhe in der Ukraine zuBild: Alexander Zemlianichenko/AFP Evan Vucci/AP/picture alliance
Feuerpause bei eisigen Temperaturen
Trump hatte seine Bitte an Putin mit der aktuellen Kältewelle in Kyjiw begründet. „Ich habe Präsident Putin persönlich gebeten, eine Woche lang nicht auf Kyjiw und die anderen Städte zu schießen“, sagte der US-Präsident am Donnerstag.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßte Trumps Initiative und schlug einen gegenseitigen Verzicht auf Angriffe auf die Energieinfrastruktur vor. „Wenn Russland unsere Energieinfrastruktur – Kraftwerke oder andere Energieanlagen – nicht angreift, werden wir ihre auch nicht angreifen“, sagte er vor Journalisten.
Weder Moskau noch Washington machten Angaben dazu, wann Trump den Kreml-Chef um die Feuerpause gebeten hat. Russland hatte in den vergangenen Wochen verstärkt das ukrainische Energienetz bombardiert. Durch die Angriffe waren bei eisigen Temperaturen wiederholt tausende Haushalte ohne Strom und Heizung.
Den Bewohnerinnen und Bewohnern Kyjiws steht die härteste Kälte allerdings noch bevor. Ab dem 1. Februar könnten die Temperaturen nach Angaben des ukrainischen Wetterdienstes auf bis zu minus 30 Grad sinken.
Ein Teeausschank im Heiz- und Anlaufpunkt bei Stromausfall in Kyjiw – in der kommenden Woche könnten die Temperaturen auf minus 30 Grad sinkenBild: Valentyn Ogirenko/REUTERS
Russland setzt Angriffe andernorts fort
Ungeachtet der angekündigten Zurückhaltung griff Russland in der Nacht zum Freitag erneut andere Landesteile an. Die russischen Streitkräfte feuerten eine Rakete des Typs Iskander-M ab und setzten 111 Angriffsdrohnen ein, wie die ukrainische Luftwaffe mitteilte.
80 Drohnen seien abgefangen worden. Nach Behördenangaben wurden ein Wohngebäude in der Region Saporischschja sowie zivile Infrastruktur in der nördlichen Region Tschernihiw beschädigt.
Neue Verhandlungen am Sonntag
Am Sonntag wollen Vertreter Kyjiws und Moskaus in Abu Dhabi ihre von den USA vermittelten Gespräche über den Ukraine-Krieg fortsetzen. Bereits am vergangenen Wochenende hatten sie erstmals direkt über den US-Plan zur Beendigung der Kämpfe gesprochen.
Eiseskälte und die nahende Front zwingen Ukrainer zur Flucht
To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video
Hauptstreitpunkt bleibt die Forderung Moskaus nach einem Rückzug der Ukraine aus der Region Donezk, die Kyjiw entschieden zurückweist. „Bislang konnten wir keinen Kompromiss in der Territorialfrage finden, insbesondere was einen Teil der Ostukraine betrifft“, sagte Selenskyj.
Seine Regierung habe wiederholt betont, dass sie zu Kompromissen bereit sei, „die zu einem echten Ende des Krieges führen, aber in keiner Weise mit Änderungen der territorialen Integrität der Ukraine zusammenhängen“.
pgr/apo (dpa, afp, rtr)
Redaktionsschluss: 18:00 Uhr (MEZ) – dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.