Eine Welt voller Fantasie
Diese Brille macht den Aufenthalt in Münchner Kinderklinik angstfreier
31.01.2026 – 06:30 UhrLesedauer: 3 Min.
Der kleine Alex trägt auf dem Weg in den OP eine Brille, die ihn in eine andere Welt entführt und die Klinik kindgerechter macht: Oberarzt Jan Gödeke testet die Brille gemeinsam mit ihm. (Quelle: Sarah Koschinski)
Im Haunerschen Kinderspital setzt man seit Kurzem auf eine neue Technik: Eine Brille versetzt die Kinder auf dem Weg in den OP in eine Fantasiewelt. Und beruhigt sie dabei.
Eintönige Wände, ein endlos wirkender Korridor und ein rollendes Krankenhausbett: Der Weg in den Operationssaal (OP) macht Kindern besonders viel Angst. Auch Blutabnahmen oder eine anstehende Operation können Panik auslösen. Um die kleinen Patienten zu beruhigen, setzt die Haunersche Kinderklinik in der Lindwurmstraße seit Kurzem eine Brille ein, die die Kinder in eine Welt voller Fantasie entführt.
Alex, sechs Jahre alt, ist seit zehn Tagen in der Klinik. Auf dem Weg zum OP darf er die App „Frederico Ride“ benutzen. Nachdem er die Brille aufgesetzt hat, kann er zwischen sechs Themenwelten wählen. Er entscheidet sich für den Dschungel. Als plötzlich ein Affe in seinem Blickfeld auftaucht, fängt er an zu lachen.
Ein Moment, der seine Mutter zu Tränen rührt. „Er hat, seit er in der Klinik ist, nicht mehr gelacht“, sagt sie. Während sich der Affe von Liane zu Liane schwingt, erzählt der kleine Alex seiner Mama von den Geschehnissen. Er kann sie weiterhin sehen und hören. Und während sich der Sechsjährige über die Tiere und Geräusche um ihn herum freut, bringt ihn das Klinikpersonal in den OP.
Jan Gödeke, geschäftsführender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor des Haunerschen Kinderspitals, hat die Hightech-Brille ins Klinikum geholt. „Wir sehen als Erwachsene vielfach nicht mit Kinderaugen. Und Krankenhäuser sind funktional gestaltet. Sie sollen Menschen in erster Linie gesund machen“, sagt er. Viele Erwachsene würden deshalb die Umgebung eines Krankenhauses einfach akzeptieren. „Kinder, die aber ohnehin schon Angst haben, ins Krankenhaus zu gehen, sehen das mit ganz anderen Augen.“
Statt Funktionalität würden die kleinen Patienten graue Wände und eine triste Umgebung wahrnehmen. Und genau an dieser Wahrnehmung habe der stellvertretende Klinikdirektor etwas ändern wollen. Er erinnert sich an einen Tag, als er in die Klinik kam und dachte: Das sieht wenig kinderfreundlich aus. Also überlegte Gödeke, wie er das ändern könnte. Zunächst dachte er an eine bauliche Veränderung, die erwies sich jedoch als schwierig. Also entschied er, „die Welt digital bunter zu machen“.
So kam der stellvertretende Klinikdirektor dann mit Markus Strobl in Kontakt. Denn das Münchner Start-up „So geht wow“, das Strobl gegründet hat, hat mit seinem „Fredarico Ride“ eine besondere Form der Ablenkung geschaffen. Die Kinder bekommen eine Brille auf, die sie dank Mixed Reality (eine Technologie, die die reale und die digitale Welt verschmelzen lässt) in eine andere Welt versetzt. Sie können unter anderem zwischen einem Dschungel, einer Märchenwelt oder dem Ozean wählen. Und während um sie herum Fische schwimmen, ein Affe schreit oder ein Einhorn herumfliegt, sehen und hören sie trotzdem weiterhin ihre Eltern oder das Krankenhauspersonal.
