Kalifornische Vibes, gute Laune und Vintage-Klamotten – das ist die Stuttgarter Band Rikas. Ihr Jubiläumskonzert spielen sie an einem besonderen Ort.
Wenn die Rikas auf der Bühne stehen, geht die Sonne auf – auch wenn es draußen nasskalt ist. Der Indie-Pop der vier Musiker aus Korntal klingt nach Meer, nach offenen Straßen und nach einem Lebensgefühl, das man im Stuttgarter Kessel meist nur aus der Fantasie kennt. In diesem Jahr feiert die Band ihr zehnjähriges Bestehen.
Kennengelernt haben sich Ferdinand Hübner, Chris Ronge, Sascha Scherer und Sam Baisch in der Schule. Sie waren 13 Jahre alt, probten im Korntaler Proberaum von Ferdinands Vater, dem bekannten Jazz-Kontrabassisten Veit Hübner, und nannten sich zunächst „Too Young To Shave“. Pubertärpoppig, aber musikalisch erstaunlich reif. Als die Stimmen stärker wurden und der eigene Stil Gestalt annahm, musste ein neuer Name her. Die Lösung lief im Hause Hübner auf vier Pfoten durchs Wohnzimmer: Rika, der Hund der Familie, wurde Namensgeber der Band.
Straßenmusik und Support für Bilderbuch und Fil Bo Riva
Der Sound von Rikas ist geprägt von der Musik der Eltern – Beatles, Beach Boys. Mehrstimmiger Gesang, lässige Grooves und diese unerschütterliche Leichtigkeit, die ihre Songs wie dreiminütige Kurzurlaube erscheinen lässt, wurden schnell zum Markenzeichen. Dass es keinen klassischen Frontmann gibt, gehört zum Konzept: Alle vier singen, alle stehen gleichberechtigt im Rampenlicht. „Viererkette“ nennen sie das selbst.
Früh machte sich die Band einen Namen als Straßenmusiker, spielte auf der Stuttgarter Königstraße, reiste mit Interrail-Tickets durch Europa und brachte die Unbekümmertheit der Fußgängerzonen später in die Clubs. Erste Festivalauftritte, Supportshows für Bands wie Bilderbuch oder Fil Bo Riva und die EP „Swabian Samba“ folgten. Spätestens mit dem Debütalbum „Showtime“ (2019) wurde klar: Die Rikas sind gekommen, um zu bleiben.
Nach der Corona-Pandemie geht es in die USA
Dann kam die Pandemie – und bremste den Schwung. Konzerte fielen aus, Tourneen wurden abgesagt. Doch statt zu verstummen, blieben die vier kreativ: Sie stellten sich selbst bei Ebay zum Verkauf, hinterfragten im Video zu „Stereo“ ironisch den Boyband-Begriff und setzten ein Zeichen gegen gängige Mechanismen der Musikindustrie.
International öffneten sich erste Türen. Der US-Produzent Jonathan Rado lud die Band nach Los Angeles ein, wo Rikas im Studio den Song „Up All Night“ aufnahmen – ein Stück, das so sehr nach Westküste klingt, als sei es zwischen Palmen und Pazifik entstanden. Weitere Reisen führten nach Austin, Texas, zur SXSW, wo Branchenvertreter aufmerksam wurden und ein brasilianischer Musikjournalist euphorisch von den „neuen Beatles“ schrieb. Auch Japan entdeckte die Band: Das Label Arishima Records veröffentlichte ihre Musik und machte sie fernab Europas bekannt.
Trotz internationaler Ambitionen bleiben Rikas ihrer Heimat verbunden. Heimspiele im Wizemann, zuletzt vor rund 1000 Fans, erzeugen Wohnzimmeratmosphäre und kollektive Glücksgefühle. „Grundpositiv“ nennen sie das selbst, was sie auf der Bühne tun – und tatsächlich verlässt kaum jemand ein Rikas-Konzert ohne Lächeln.
Im Frühjahr 2026 feiern die vier ihr zehnjähriges Bestehen mit der Jubiläumstour „Dog Days 2026“. Die Tour geht durch Portugal, die Schweiz, die Niederlande, England, Österreich, Belgien, Frankreich und Deutschland – dabei kehren sie immer wieder an Orte zurück, die für ihre Entwicklung wichtig waren. Am 4. Juli kommen sie schließlich für ihr Homecoming-Konzert nach Stuttgart zurück und spielen im Opernhaus.