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Oliver Gründel hat das Stadtteilzentrum Kult9 mit aufgebaut. Jetzt leitet er auch die Offene Behindertenarbeit insgesamt. © ul
Oliver Gründel hat von Tom Rausch die Gesamtleitung der Offenen Behindertenarbeit München übernommen: Über Pläne und Rückschritte für seine Arbeit.
Neuhausen – „Kultur“, sagt Oliver Gründel (55), „ist ebenso ein Grundbedürfnis des Menschen wie das Essen, Trinken, Wohnen und Arbeiten.“ Damit das auch für Menschen mit Beeinträchtigungen in allen Gesellschaftsbereichen Realität wird, wurde vor 55 Jahren die „Offene Behindertenarbeit evangelisch in der Region München“ (OBA) gegründet. Seit Jahresbeginn leitet Gründel diese Institution mit Sitz an der Blutenburgstraße 71. Er hat die Nachfolge von Tom Rausch angetreten, der neue Aufgaben übernommen hat. Die OBA ist nicht zuletzt durch das Stadtteilzentrum Kult9 in den vergangenen Jahren weit über Neuhausen hinaus bekannt geworden.
Vom Freizeit- und Begegnungszentrum für Menschen mit Behinderung zum bekannten Club für alle
Der Diakon ist daran maßgeblich beteiligt. 2011 hat Gründel die Aufgabe übernommen, das frühere Freizeit- und Begegnungszentrum im Löhehaus zum offenen Stadtteiltreff weiterzuentwickeln. Sein Ziel: „das Zentrum als Begegnungsort so zu etablieren, dass Inklusion gar kein Thema mehr ist, sondern eine Selbstverständlichkeit“. Heute werde das Kult9 besonders in der Musikszene als qualitativ hochwertiger Club wahrgenommen. „Wir haben mehr Anfragen von Bands als freie Slots.“
Auch das Kursprogramm biete immer wieder neue Impulse. Aktuelle Beispiele reichen von „Rücken fit“ bis zu Entspannen mit Ausmalbildern. Dabei müssten – wie bei allen anderen Bildungs-, Kultur- oder Begegnungsorten – Wünsche, Fähigkeiten und Angebote zusammenpassen. Und wenn erforderlich und möglich, organisiere das Kult9 Hilfestellungen. „Damit eine echte Wahlmöglichkeit besteht“, betont Gründel.
OBA-Chef Oliver Gründel: „Wir müssen die ganze Stadt auf Inklusion trimmen“
Diesen Grundsatz und dessen Dynamik will die OBA auch in die gesamte Stadt samt Umland transportieren. In Theater und Clubs ebenso wie in Sportvereine oder in die Politik. „Wir müssen immer mehr dahin kommen, das nicht nur hier im Kleinen zu leben, sondern die ganze Stadt auf Inklusion zu trimmen“, betont der neue Leiter. Und das unter sich erschwerenden Bedingungen.
Rückschritt durch Corona: Schutzbedürfnis führte zu neuer Abkapselung
„Die Entwicklung hat zuletzt teils stagniert, wenn nicht sogar einen Rückschritt gemacht.“ Dies sei vor allem der Corona-Pandemie geschuldet. Der Schutz der Menschen mit Behinderung habe vielfach zu deren Abkapselung geführt. „Man kam wieder zurück zu überholten Mustern“, bedauert Gründel.
Beim Blick in die Zukunft sorgt er sich ums Geld für neue Ideen und Projekte. „Wir merken bereits die Auswirkungen rückläufiger Fördermittel.“ Konkretes Beispiel: Seit er bei der OBA in Neuhausen tätig ist, sei erstmals die Finanzierung der Hauswirtschaftsstelle nicht mehr gesichert – voraussichtlich ab 2028.
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