Halle. In dieser Woche haben sie zum letzten Mittel gegriffen. Die Mitglieder der Zirkusfamilie Wagner machten sich im Schnee zu Fuß auf den Weg, klingelten an den Haustüren der Hallerinnen und Haller – und baten um Hilfe. Essen, warme Kleidung, Geld für Tierfutter, Strom und Wasser – es mangelt an allen Ecken und Enden und das massiv.
In zu dünnen Jacken fragen sie, wer etwas entbehren kann. Während Zirkus-Chef Toni Wagner verzweifelt ist. „Wir schämen uns so. Wir schämen uns, dass wir in dieser Lage sind und unsere Zusage nicht einhalten konnten, für die Kosten hier in Halle aufzukommen.“ Aber das Wichtigste sei gewesen, die Tiere zu impfen. Dafür habe man richtig Geld in die Hand genommen. Am Ende seien über Weihnachten und Silvester jedoch kaum Zuschauer gekommen, die ihre Vorstellungen hätten sehen wollen. Und jetzt sei das Dilemma groß.
„Das Zirkusleben ist ein ständiger Überlebenskampf“, erklärte Toni Wagner bereits kurz vor Weihnachten im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Seniorchef vom Zirkus Ideal ist in der Zirkusluft aufgewachsen und habe, wie er berichtete, in fast sechs Jahrzehnten schon alles erlebt. Gute Zeiten, schlechte Zeiten und die Krönung der Talphase durch Corona. „Wir haben damals keine Hilfen bekommen, viele Zirkusse haben das nicht überlebt“, so der 59-Jährige. Die Hoffnung, mit einem frisch renovierten Zelt in Halle neuen Aufschwung zu erleben, um dann weiterreisen zu können, hat sich nicht erfüllt. Stattdessen erschwert das Winterwetter die Lage.
Wer kann Sach- oder Geldspenden für Tiere und Zirkusfamilie bringen?
Für den Augenblick bitten sie daher die Menschen aus Halle und Umgebung, ihnen unter die Arme zu greifen. Wer Sach- oder Geldspenden geben möchte, kann sie einfach vor Ort vorbeibringen. Damit Pferde, Lamas und der Hund versorgt werden können – und Familie Wagner selbst.
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