Was haben Luxushäuser in der Londoner „Milliardärsstraße“ Bishops Avenue, eine Villa in Dubai, ein Golfhotel auf Mallorca, zwei Hilton-Hotels in Frankfurt und ein Einkaufszentrum in Oberhausen gemeinsam? Sie gehören dem iranischen Banker Ali Ansari, den die britische Regierung wegen Verbindungen zu den Islamischen Revolutionsgarden unter Sanktionen gestellt hat. Der Wert seines globalen Immobilienvermögens wird auf 400 Millionen Euro geschätzt.
Nun steht ein noch brisanterer Verdacht im Raum: Hinter Ansari könnte als letztlicher Eigentümer einer der mächtigsten Männer Irans stehen, Modschtaba Khamenei, der zweitälteste Sohn des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei, der als möglicher Nachfolger seines Vaters im höchsten Staatsamt gilt. Hinweise darauf hat die Nachrichtenagentur Bloomberg in einer monatelangen Recherche zusammengetragen. Mehrere Iran-Experten und ein westlicher Geheimdienst sind davon überzeugt, schreibt die Agentur Bloomberg, die den 57 Jahre alten Ansari als „Khameneis Geldmann“ bezeichnet und sogar Details zu Treffpunkten nennt. Sollten die Recherchen zutreffen, dann würden Gäste des deutschen Hilton-Hotel Frankfurt City Centre oder des Hilton Frankfurt Gravenbruch indirekt das iranische Regime mitfinanzieren.
Die Größe des Immobilienimperiums von Ali Ansari hat erst kürzlich ein Bericht der „Financial Times“ aufgedeckt. Der iranische Geschäftsmann hält den Besitz über ein kompliziertes Firmengeflecht von Offshore-Gesellschaften wie die Smart Global Ltd, registriert auf einer Karibikinsel, und zahlreichen Holdings. Finanztransaktionen fließen laut Bloomberg über Konten in Großbritannien, Schweiz, Liechtenstein und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Der Vater zeigt sich betont bescheiden
Wie Bloomberg betont, taucht in keiner der eingesehenen Unterlagen der Name Modschtaba Khamenei als Käufer auf. Dennoch gebe es klare Hinweise auf eine enge Verbindung mit dem 56 Jahre alten Kleriker, der seit 2019 unter US-Sanktionen steht. Während der Vater öffentlich einen betont bescheidenen Lebensstil zeigt, gibt es schon lange Hinweise darauf, dass die Familie in Iran und darüber hinaus ein Milliardenvermögen kontrolliert.
Das Hilton Hotel Frankfurt City Center nahe der Alten OperAnjou Vartmann
„Modschtaba hält bedeutende Anteile oder hat faktisch die Kontrolle über verschiedene Unternehmen im Iran und im Ausland“, sagte Farzin Nadimi, ein Senior Fellow am Washington Institute for Near East Policy, der das Finanzimperium der Familie Khamenei untersucht hat, gegenüber Bloomberg. „Wenn man sein Finanznetzwerk analysiert, stellt man fest, dass Ali Ansari der Hauptkontoinhaber für ihn ist. Damit ist Ansari heute einer der einflussreichsten Oligarchen des Landes.“
Beide sollen sich schon lange gut kennen. Ali Ansaris Familie zog nach der Revolution 1979 nach Teheran und hat sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet. In den 1980ern, als Ansari seinen Wehrdienst ableistete, soll er Modschtaba Khamenei kennengelernt haben. Durch gute politische Kontakte gelang es ihm, lukrative Staatsaufträge und Importlizenzen zu erwerben. Er machte ein Vermögen in der Bauindustrie, mit Reederei und Erdölverarbeitung. 2009 gründete er die TAT-Bank, die spätere Ayandeh-Bank mit sieben Millionen Kunden. Diese baute das große Einkaufszentrum Iran Mall bei Teheran.
Ansari weist die Vorwürfe zurück, dass er als Strohmann für Khamenei agiere. „Herr Ansari bestreitet entschieden, jemals finanzielle oder persönliche Beziehungen zu Modschtaba Khamenei unterhalten zu haben“, teilt sein Anwalt Roger Gherson gegenüber der F.A.Z. mit. Gherson ist auf eine spezielle Klientel spezialisiert. Zu den Mandanten seiner früheren Kanzlei Discreet Law gehörte Jewgenij Prigoschin, der Gründer der russischen Wagner-Miliz. Er teilte mit, Ansari wolle sich nicht weiter äußern, da er vorhabe, gerichtliche Schritte gegen die von der britischen Regierung gegen ihn verhängten Sanktionen einzuleiten.
„Korrupter Banker und Geschäftsmann“
London hatte Ansari Ende Oktober, kurz nachdem die Ayandeh-Bank unterging, mit Sanktionen belegt. Die Starmer-Regierung nennt ihn „einen korrupten Banker und Geschäftsmann“. Er werde sanktioniert, weil er die Aktivitäten der Islamischen Revolutionsgarde (Islamic Revolutionary Guard Corps, IRGC) in Iran finanziell gefördert habe. Nachdem die EU die Revolutionsgarde als Terrororganisation eingestuft hat, plant London dies auch. Die IRGC waren führend bei der brutalen Niederschlagung der jüngsten Massenproteste in Iran, die laut Menschenrechtsorganisationen und Berichten von Ärzten mehr als 20.000 bis 30.000 Todesopfer gekostet haben könnten.
Ali Ansari hält sein Immobilienvermögen über verschiedene Zwischengesellschaften. Damit ist er mittelbarer Besitzer der Hilton-Hotels in Frankfurt, die jeweils etwa 80 Millionen Euro wert sein sollen. Eine Übernachtung in der Presidential Suite des Hilton Frankfurt City Centre kostet mehr als 1000 Euro. Zudem gehören Ansaris Firmen die Immobilie des Steigenberger-Golfhotels Camp de Mar auf Mallorca sowie das Bero Einkaufszentrum in Oberhausen.
Der Hilton-Konzern hat sich auf mehrfache Anfragen der F.A.Z. und von Bloomberg nicht zu seiner Geschäftsbeziehung mit Ansaris Firmen äußern wollen. Auch die Frage, ob dies ein Reputationsrisiko darstelle, ließ Hilton Worldwide unbeantwortet. Steigenberger verwies auf den Hotelbetreiber auf Mallorca, der auf Anfrage nicht reagierte.
Andere Hotels sind indessen aktiv geworden. Das Schlosshotel Kitzbühel teilte mit, der Iraner sei kein Anteilseigner oder Miteigentümer der Hotelimmobilie mehr. „Seit Ende 2022 kämpfen wir hart darum, Ali Ansari aus unserer Gesellschaft zu entfernen und fernzuhalten, da er der Korruption und Geldwäsche verdächtigt wird“, schreibt die Eigentümergesellschaft. Der Hilton-Konzern hingegen schweigt zu der Iran-Verbindung seiner Hotelbetriebe.
Die Frankfurter Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) ärgert das. „Der Bloomberg-Bericht zeigt auf, was ich schon seit Jahren sage, dass es wichtig ist, keine Geschäfte mit dem verbrecherischen Regime im Iran zu tätigen“, sagte sie der F.A.Z. Sie habe die für wirtschaftliche Sanktionen zuständige Bundesministerin Katherina Reiche (CDU) und den hessischen Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) brieflich aufgefordert, „dass sie aufdecken, wer hinter den Hotelkäufen steckt“.
Hessens Vize-Ministerpräsident Mansoori, dessen Eltern aus Iran stammen, äußerte sich am Freitag, ohne Ansari oder Khamenei namentlich zu erwähnen. Die Entscheidung der EU, Mitglieder der Islamischen Revolutionsgarde auf die Terrorliste zu setzen, sei überfällig gewesen. „Wer im Iran foltert, auf Demonstrierende schießen lässt und mordet, darf in Europa keine sicheren Häfen haben: nicht für sein Geld, nicht für seine Reisen und nicht für seine Netzwerke.“ Ermittlungsbehörden müssten Geldströme systematisch verfolgen, sagte Mansoori. Die Terrorlistung eröffne die Möglichkeit, die milliardenschweren Vermögen von Regimeangehörigen in Europa aufzuspüren und einzufrieren.