Russland hat zwar angekündigt, vorübergehend keine ukrainischen Energieanlagen mehr anzugreifen, aber laut dem russischen Verteidigungsministerium weiter andere Ziele beschossen. Getroffen wurden demnach Verkehrsanlagen und Munitionslager, die von der ukrainischen Armee genutzt werden.
Massive Stromausfälle
Ob die massiven Stromausfälle in der Ukraine wegen einer „technischen Störung“ zustande kamen oder Folgen eines russischen Angriffs sind, ist unklar. Die Störung sei am Samstagmorgen an den Hauptstromleitungen zwischen Rumänien, Moldau und der Ukraine aufgetreten, teilte Energieminister Denys Schmyhal am Mittag mit. Er versicherte, die Stromversorgung werde „innerhalb der nächsten Stunden“ wiederhergestellt sein. Eine Ursache der „Störung“ nannte Schmyhal zunächst nicht.
Die Störung habe zu einer „gleichzeitigen Abschaltung der 400-Kilovolt-Leitung zwischen den Stromnetzen Rumäniens und Moldaus und der 750-Kilovolt-Leitung zwischen West- und Zentralukraine“ geführt, erläuterte der Minister. Dabei seien „automatische Schutzmechanismen in mehreren Umspannwerken“ ausgelöst worden. In der Folge sei es in der Hauptstadtregion Kyjiw, der zentralen Region Schytomyr sowie in Charkiw im Nordosten des Landes zu Stromausfällen gekommen. In Moldaus Hauptstadt Chisinau fielen Ampeln und die Versorgung in den meisten Bezirken aus.
U-Bahn in Kyjiw steht still
Die Stromunterbrechung hat nicht nur die Wasserversorgung von Kyjiw zeitweise unterbrochen, sondern auch das U-Bahn-Netz der Hauptstadt vollständig lahmgelegt. Bis die Stromversorgung wiederhergestellt sei, würden die U-Bahn-Stationen als Schutzräume vor den russischen Angriffen dienen, so Bürgermeister Vitali Klitschko.
Die Menschen in Kyjiw – wie hier vor einer Woche – suchen weiter Schutz in den Räumen der U-BahnBild: VIACHESLAV RATYNSKYI/AA/picture
Das U-Bahn-Netz ist ein wichtiges Verkehrssystem der ukrainischen Hauptstadt. Selbst während intensiver russischer Bombardements stellte die U-Bahn nur selten den Betrieb ein.
Offiziellen Daten zufolge nutzten 2025 täglich rund 800.000 Fahrgäste die Züge des öffentlichen Verkehrssystems. Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner Kyjiws nutzen die 52 Stationen des Metro-Netzes zudem als Luftschutzbunker während russischer Angriffe.
Das Kernkraftwerk in Tschernobyl (Archivbild) war zeitweise ebenfalls ohne StromBild: Sergei Supinsky/AFP/Getty Images
Auch das vor 40 Jahren havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl war nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) kurzzeitig von der externen Stromversorgung abgeschnitten. Der Anschluss sei inzwischen wiederhergestellt, teilte IAEA-Chef Rafael Grossi mit. Die nukleare Sicherheit sei nicht gefährdet.
Drohnenbeschuss auf beiden Seiten
Die ukrainischen Luftstreitkräfte meldeten, dass Russland in der Nacht zum Samstag 85 Drohnen eingesetzt habe. Auch Russland berichtete von abgewehrten ukrainischen Angriffen. Es seien unter anderem 47 Drohnen und vier Gleitbomben abgeschossen worden. Zu Schäden machte das Ministerium wie immer keine Angaben.
Russen und Ukrainer wollen an diesem Sonntag in Abu Dhabi ihre am vergangenen Wochenende nach langer Zeit wieder aufgenommenen direkten Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges fortsetzen.
Die Friedensgespräche sollen ab Sonntag in Abu Dhabi fortgeführt werden – hier ein Bild der Verhandlungen vor einer WocheBild: UAE Government/REUTERS
Russland hatte sich zuvor nach einer Bitte von US-Präsident Donald Trump bereiterklärt, wegen der extremen Kälte und der ohnehin großen Schäden von neuen Angriffen auf die Energieinfrastruktur zeitweilig abzusehen. Allerdings gibt es widersprüchliche Aussagen darüber, wie lang diese Waffenruhe gelten soll.
Jeder sagt etwas anderes
Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte gesagt, dass diese begrenzte Feuerpause nur bis zu diesem Sonntag gelte, um für die Verhandlungen eine gute Grundlage zu schaffen. Trump selbst hatte von einer einwöchigen Pause gesprochen, die Kremlchef Wladimir Putin ihm zugesagt habe.
Kremls Pressesprecher Dmitri Peskow hatte zugesagt, die Feuerpause bis Sonntag einzuhaltenBild: Alexander Kazakov/TASS/ZUMA/picture alliance
Zwar erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass es keine Vereinbarung zwischen den Kriegsparteien über eine solche Feuerpause gebe. Er wolle sich aber auch daran halten und keine Objekte der russischen Ölindustrie angreifen, wenn Russland seine Ankündigung wahrmache. Russland hatte in den vergangenen Wochen verstärkt das ukrainische Energie eisigen Temperaturen immer wieder ohne Strom und ohne Heizung.
Die Ukraine wehrt sich seit bald vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Selenskyj hatte zuletzt wegen der russischen Angriffe auf Energieanlagen die westlichen Verbündeten aufgerufen, ihre zugesagten Luftabwehrraketen rasch zu liefern.
as/AR (dpa, rtr, afp)