Inhalt
Auf einer Seite lesen
Inhalt
-
Seite 1Elon versus Jeff – diesmal auf dem Mond
Seite 2Eigentlich ist SpaceX für die Mondlandung gebucht
„Jeder sollte das sehen“, sagt Captain Kirk in die Kamera, sichtlich überwältigt und noch etwas zittrig. Kirk, oder besser gesagt William Shatner, wie der kanadische Schauspieler eigentlich heißt, hat da gerade die erste Weltraumreise seines Lebens hinter sich, im stolzen Alter von 90 Jahren. Nicht an Bord des Raumschiffs Enterprise aus der Fernsehserie Star Trek, die Shatner berühmt gemacht hat. Sondern in einer Raumkapsel des Amazon-Gründers und US-Milliardärs Jeff Bezos.
Es ist der Oktober 2021 – und die Öffentlichkeit staunt, was plötzlich möglich ist. Ein paar Monate zuvor ist schon Bezos selbst in einer Rakete seiner Firma Blue Origin ins All geflogen. In 107 Kilometern Höhe, am Rand des Weltalls, hat er Saltos geschlagen und die blaue Erdkugel bestaunt. Bald sollen es etliche zahlungskräftige Kunden ihm und Captain Kirk gleichtun: Die zehnminütigen Kurztrips in die Schwerelosigkeit sollen ein florierendes Geschäftsmodell werden.
Nun steht fest, dass daraus nichts werden wird – fürs Erste zumindest. Blue Origin hat überraschend angekündigt, für mindestens zwei Jahre keine weiteren Weltraumtouristen ins All zu bringen. Die Gründe dafür haben allerdings weniger damit zu tun, dass Jeff Bezos sich verzockt hat und derlei Lustreisen doch ein Verlustgeschäft sind. Vielmehr geht es um Donald Trump, Elon Musk und die große Politik: Amerika will zurück zum Mond, und zwar vor China und noch in Trumps derzeitiger Amtszeit. Und dafür braucht es womöglich die Hilfe von Bezos‘ Ingenieuren bei Blue Origin.
98 Weltraumtouristen brachte Bezos ins All
Dafür spricht jedenfalls der Zeitpunkt der überraschenden Pause beim Weltraumtourismus. Denn das Programm von Blue Origin war eigentlich auf einem guten Weg. Anders als beim britischen Milliardär Richard Branson, dessen Firma Virgin Galactic ihre Touristenflüge 2023 bis auf Weiteres einstellte, laufen die Missionen von Blue Origin seit Jahren hochroutiniert ab. 39 Flüge hat die kleine New-Shepard-Rakete schon absolviert, 98 Menschen ins All gebracht für rund eine Million US-Dollar pro Ticket, wie US-Medien berichten. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hob sie zehnmal ab (wenn auch manchmal nur mit wissenschaftlichen Instrumenten an Bord).
„Star Trek“-Star William Shatner (Zweiter von links) läuft an jener wiederverwendbaren New-Shepard-Rakete vorbei, die ihn und seine Mitreisenden zuvor ins All gebracht hat. © Mike Blake/Getty Images
Immer wieder schaute auch die Öffentlichkeit zu. Etwa als im April 2025 die US-Sängerin Katy Perry mit fünf anderen Frauen ins All startete. Oder im Dezember, als mit dem Ex-SpaceX-Ingenieur Hans Königsmann und der querschnittgelähmten Michaela Benthaus zwei Deutsche an Bord Platz nahmen. Erst kürzlich kündigte Blue Origin an, noch häufiger fliegen zu wollen – auf dass bald alle (sehr reichen) Menschen für ein paar schwerelose Minuten die Erde von oben sehen können.
© Lea Dohle
Newsletter
Neu: Nur eine Frage
Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.
Prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie das Newsletter-Abonnement.
Aus PR-Sicht waren die Flüge wohl kein Gewinn für Bezos. Selbst in den raumfahrtbegeisterten USA sahen viele sie als Exzess der Superreichen. Auch wirtschaftlich sollen sie bis zuletzt ein Verlustgeschäft gewesen sein – wenn auch eines, das immerhin auf dem Weg in Richtung schwarzer Zahlen war, wie das US-Magazin Ars Technica von Insidern erfahren haben will.
Den Ausschlag für das Aus dürfte etwas anderes gegeben haben: Blue Origin braucht die 500 für die Flüge zuständigen Mitarbeiter dringend für etwas anderes. Dieses andere heißt Artemis und meint das Mondprogramm der Nasa. Mit ihm sollen 2028 ein US-Amerikaner und erstmals auch eine US-Amerikanerin Fußabdrücke auf dem Mond hinterlassen, wie Trump es erst im Dezember per Dekret festgelegt hat. Unbedingt will man dabei China zuvorkommen, das seine bemannte Mondmission für das Jahr 2029 oder 2030 anberaumt hat.