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Kinderpflegerin Prisca Dokou wurde am Handy abgezockt. © Markus Götzfried
Prisca Dokou bekam an Weihnachten einen Anruf – angeblich vom Online-Bezahldienst. Minuten später waren 1600 Euro von ihrem Konto abgebucht. Ein Experte erklärt, wie Sie sich schützen.
Prisca Dokou (39) kochte gerade das Weihnachtsessen – da schlugen die Betrüger zu!
Am 24. Dezember bekam die Münchner Kinderpflegerin einen Anruf auf ihrem Handy. „Es meldete sich ein Mann mit indischem Akzent.“ Laut Dokou sagte der Mann, er sei vom Online-Bezahldienst Paypal – ein Service, den Millionen Menschen nutzen. „Er meinte, dass es einen verdächtigen Kauf über 500 Euro gab – und ich solle nachprüfen, ob das Geld schon weg ist.“
Der Online-Bezahldienst Paypal zieht viele Betrüger an. © fknMünchnerin verliert große Summe: „Sie sagten, ich soll vorsichtig sein“
Dokou stellte den Mann auf laut, loggte sich am Handy in ihr Online-Konto ein. Eine 500-Euro-Überweisung konnte sie aber nicht finden: „Das Geld war noch da.“
Dann erhöhte der Betrüger am Telefon den Druck. „Er sagte, ich soll vorsichtig sein, es gebe viele Betrüger.“ Und der Mann riet Dokou, eine App herunterzuladen, „damit ich mehr Kontrolle über mein Konto habe“. Sie tat es im guten Glauben. „Ich habe geglaubt, er ist wirklich von Paypal.“
Nach der App-Installation sei alles ganz schnell gegangen, sagt Dokou. „Ich hatte keine Kontrolle mehr über das Handy. Dann habe ich gesehen, dass sie sich 1600 Euro überwiesen hatten.“ Und da war das Gespräch beendet. „Ich rief noch: Hallo! Hallo? Aber sie hatten schon aufgelegt.“ Ein Rückruf schlug fehl. „Die Leitung war tot.“
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Eine Masche, von der Cem Karakaya fast täglich hört. Der Experte für digitale Sicherheit, Berater und Buchautor (Titel „Klicken Sie hier“) aus München sagt: „Wir haben derzeit viele solcher Anrufe, die angeblich von Microsoft kommen, von Europol oder Interpol, von Amazon oder Paypal“, sagt Karakaya. „Die Geschichten sind immer andere, die Masche aber bleibt immer gleich: Es geht um Phishing, um das Ausspähen Ihrer Daten.“
Paypal-Betrug: Ein Experte erklärt, wie Sie sich schützen können
Die Betrüger seien bestens organsiert und gehen hochprofessionell vor, so Karakaya. Handy- und E-Mail-Daten von Prisca Dokou stammten aus dem Darknet. „Die gibt es dort in Datenbanken zu kaufen. Für 800 Euro bekomme ich aktuell eine Million gültiger deutscher E-Mails.“ Sogar der Zeitpunkt 24. Dezember sei sicher nicht zufällig gewählt: „Da sind die Leute beschäftigt und abgelenkt.“
Doch wie kann man sich gegen solche Banden schützen? Karakaya rät: Niemandem vertrauen, den man nicht kennt. „Wenn Sie einen solchen Anruf bekommen, legen Sie auf! Sehen Sie selbst auf ihrem Konto nach – und rufen Sie bei Bedarf die offizielle Hotline oder die Behörde zurück. Meist kommt raus: Das war ein Betrugsversuch.“
Polizist und Digital-Experte Cem Karakaya hört zurzeit ständig von Betrügereien mit Paypal & Co. © SIGI JANTZ
Auch sollte man nie Geld auf irgendwelche Konten überweisen, warnt Karakaya. „Laden Sie auch niemals Apps runter – schon gar nicht welche, die nicht in einem offiziellen App-Store zu finden sind. Selbst dort gibt es manchmal Apps mit Schadsoftware. Die Betreiber löschen sie zwar nach und nach, doch es kommen einfach zu viele zu schnell dort an.“
Auch ein Hinweis auf Betrug: Wenn etwas ganz schnell oder sofort passieren soll. „Lassen Sie sich auch nicht unter Druck setzen – die Betrüger sind genau dafür trainiert.“ Sollten Sie aus irgendeinem Grund doch überweisen, hat Karakaya noch einen Rat: „Überweisen Sie über Paypal nicht als ,Freund‘, wenn Sie die Person nicht kennen.“ Besser: Die Bezahl-Option „Für Waren und Dienstleistungen“ wählen. Da bietet Paypal einen Käuferschutz an. „Denn wenn was passieren sollte und ich als Freund überwiesen habe, gibt es von Paypal keinen Schutz oder keine Verantwortung mehr.“
Nach dem Betrug ging Prisca Dokou zur Polizei, erstattete Anzeige. Ihr Online-Konto ließ sie sperren. Das Geld ist aber wohl weg – und sie glaubt auch nicht an ein Wiedersehen: „Das Geld ist wahrscheinlich längst in Indien oder anderswo.“ Trotzdem hat sie richtig gehandelt, sagt Experte Cem Karakaya: „Es ist absolut wichtig, die Anzeige zu erstatten. Auch wenn nichts rauskommen würde. Somit haben wir den Beweis in der Hand, wie oft solche Fälle passieren – und die Politik kann etwas dagegen tun. Wenn nur ganz wenige Fälle bekannt sind, passiert leider kaum etwas. Die Polizei hat trotzdem sehr viele positive Erfolge bei den Ermittlungen.“