Weltweiter Kinostart, überschaubares Interesse: „Melania“ läuft nun auch in Hamburg. Handwerklich miserabel und ohne Spannungsbogen oder große Sensation – die Hamburger nehmen den Film unterschiedlich auf.
Etwa zwanzig Menschen sitzen in einem riesigen Kinosaal in der Mundsburg und lassen sich zwei Stunden lang von Melania Trumps eisigem Blick in die Seele starren. Seit Freitagnachmittag läuft „Melania – 20 Tage, um Geschichte zu schreiben“ weltweit. Dass das in den USA relevant sein könnte, ist einleuchtend. Aber warum in Hamburg?
Morbide Neugier am Desaster „US-Politik“
Unter den Ersten, die den Saal betreten, sind Connie und Veronika. Der Barmbeker und die Eppendorferin gucken den Film aus „akademischem Interesse“, wie sie sagen. „Ich habe gehört, dass den alle boykottieren“, so Connie. Dadurch wurde sein Interesse geweckt. Sie hätten aber keine Bedenken gehabt, Tickets zu kaufen, da sie nicht glauben, dass sie einen wirklichen Einfluss auf die Verkaufszahlen hätten.
Ein Barmbeker fragt sich, was man denn nun von Washington zu sehen bekommt: „Mal schauen, wie sie sich so präsentiert als Präsidentengattin.“ Er ist sehr interessiert an der Politik in den USA und denkt, genau wie Connie, dass sein einzelnes Ticket keinen finanziellen Unterschied machen wird. Den Vorverkaufsflop in Großbritannien findet er lustig.
Auch Hamburgerin Maike ist gespannt auf die als Dokumentation vermarktete Hochglanzproduktion: „Ich denke, es könnte unterhaltsam sein. Spielt sie jetzt diese Rolle weiter? Das ist einfach spannend.“ Maike kommt aus Hoheluft und ist Industrieangestellte. Sie hat gerade Urlaub und praktischerweise eine Unlimited Card des Kinos, daher war sie einfach, wie sie sag auf morbide Art, neugierig.
Eher Musik-Video als Polit-Doku
Der Film selbst ist schwer zu beschreiben. Als Dokumentation kann man ihn eigentlich nicht bezeichnen, die ersten fünfzehn Minuten wirken viel eher wie der Trailer zu „Der Teufel trägt Prada 2“: Melanias Heels in Großaufnahme, der vergoldete Trump Tower und Mar-a-Lago. Regisseur Brett Ratner vergreift sich konstant in der Auswahl, Lautstärke und Platzierung der Musik, sodass am Ende der Eindruck entsteht, man habe statt einer Doku das Video zu einer schlechten Spotify-Playlist geschaut.
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Auch wer einen Spannungsbogen sucht, ist hier falsch: Langatmige Anproben, Privatflüge und Tischdeko dominieren. Melania wirkt durchweg eher wie ein Filmstar als wie eine First Lady. Irgendwann in der letzten Hälfte wird es politisch: eine ehemalige israelische Geisel, dann ein Besuch auf einem Soldatenfriedhof. Was zunächst nur wie das Zurschaustellen von exessivem Reichtum aussah, weicht nun ausgewachsener Propaganda. Aussagen wie „Mitgefühl durch die Einigkeit aller Amerikaner“ wirken besonders im Kontext der tödlichen ICE-Exzesse in Minneapolis scheinheilig.
Von „Propaganda“ bis „Rettung der Welt“
Dementsprechend verhalten fallen auch die Reaktionen der Zuschauer aus. Die meisten von ihnen wollen anonym bleiben.
Ein Paar ringt um Worte: Der Film sei einfach „simpel“ gewesen, sagt sie. Man müsse ihn nicht gesehen haben, sagt er. Besonders begeistert wirken beide nicht.
Andreas und Hjalte, zwei dänische Azubis, sind regelrecht schockiert. Hjalte wird deutlich: Es sei schlicht und einfach „amerikanische, republikanische Propaganda“. Auch sie sind nur aus Neugier ins Kino gegangen.
Anderer Meinung ist zum Schluss ein älteres Paar. Er arbeitet als Historiker, sagt er. „Ich mag die tiefen Werte, die vermittelt werden“, meint er. Auch politisch unterstützt er die Trumps: „Trumps Wahl war die Rettung der freien westlichen Welt“. Seine Frau stimmt ihm zu. Sie empfand den Film als sehr inspirierend. „Er spornt die Leute zu Gutem an.“
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Grob zusammengefasst: „Melania“ ist ein Film, den man auch mal ausfallen lassen kann. Vielleicht sehen wir die „Doku“ ja in 20 Jahren wieder, wenn deutsche Schulen sie als Beispiel US-amerikanischer Propaganda untersuchen.
