Etwa 200 Teilnehmer waren in Stuttgart. Kirche+Leben hat einige von ihnen nach ihrer Bilanz gefragt.
Die sechste und letzte Synodalversammlung ist beendet. Drei Tage lang zogen etwa 200 Teilnehmer in der „Alten Reithalle“ des Stuttgarter Maritim-Hotels Bilanz über sechs Jahre Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland. Bereits in den Diskussionen im Plenum wurde deutlich, wie weit die Einschätzungen des mehrjährigen Gesprächsprozesses auseinandergehen. Kirche+Leben hat mit Vertretern der Jugend, der Frauen sowie des Bistums Münster darüber gesprochen, wie sie auf den Synodalen Weg zurückblicken.
„Nicht genug geschafft“
Daniela Ordowski, frühere Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung, fällt ein durchwachsenes Urteil. Angesichts vieler offener Aufgaben sei der Synodale Weg im Grunde nicht beendet: „Weil eigentlich noch nicht genug geschafft wurde.“ Konkret nennt Ordowski die Frauenweihe, eine Änderung der kirchlichen Sexuallehre sowie eine stärkere Machtteilung.
Zugleich habe der Prozess etwas in ihr ausgelöst, sagt die heutige Journalistenschülerin: „Ich wusste noch nie so gut, woran ich glaube, wie während des Synodalen Weges.“ Die Synodalen seien gezwungen gewesen, für sich selbst auszuloten, wofür sie eintreten.
Fokus verlagern
Ernüchtert zeigt sich hingegen Marie-Simone Scholz, Gemeindereferentin aus dem Erzbistum Paderborn. Angesichts der vorgestellten Ergebnisse sehe sie nicht, dass tatsächlich viel umgesetzt worden sei. Zentrale Fragen wie die Gleichberechtigung der Geschlechter oder mehr Mitbestimmung, die viele Menschen in der Kirche bewegten, seien zu kurz gekommen.

„Ich würde gern weniger reden und mehr schauen, wie man ins Handeln kommen kann“, sagt Scholz. Letztlich dürfe es nicht immer nur um innerkirchliche Debatten gehen. Sie denke deshalb darüber nach, ihren Fokus zu verlagern. Künftig wolle die Gemeindereferentin stärker die Bedürfnisse der Frauen in den Blick nehmen, die sie pastoral begleite. Darunter versteht sie vor allem geistliche Angebote und den gemeinsamen Austausch über den Glauben: „Da habe ich das Gefühl, wirksamer zu sein, als wenn ich mich weiter mit den Themen des Synodalen Weges befasse.“
„Deutliches Gefühl, geführt zu sein“
Schwester Katharina Kluitmann von den Lüdinghauser Franziskanerinnen sieht im Synodalen Weg einen Beweis für die Wirkkraft des Heiligen Geistes: „Nie habe ich in Gremienarbeit so deutlich das Gefühl gehabt, geführt zu sein.“ Trotz mancher Schwierigkeiten und Misserfolge sei sie dankbar, Teil „dieses Abschnitts der Kirchengeschichte“ gewesen zu sein. Kluitmann übernahm im Dezember 2024 die geistliche Begleitung des Synodalen Ausschusses und wirkte an der Formulierung der Abschlusserklärung des Synodalen Weges mit.
Brigitte Lehmann, Vorsitzende des Diözesankomitees im Bistum Münster, bezeichnet die letzte Synodalversammlung als ein „sehr gutes Erlebnis und ein sehr gutes Vorankommen miteinander“. Zugleich sagt sie, dass an vielen Fragen weitergearbeitet werden müsse. Die erarbeiteten Ergebnisse dürften nicht in der Schublade verschwinden. Eine Kirche, die 2000 Jahre in festen Strukturen gelebt habe, lasse sich nicht innerhalb von sechs Jahren grundlegend verändern. Bedauerlich findet Lehmann, dass skeptische Bischöfe wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki nicht an der Versammlung teilnahmen: „Zuhören hätten sie ja können.“
Schüller: Wenig Sinn für Glaubenssinn
Ein gemischtes Fazit zieht der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Zwar ermögliche die geplante Synodalkonferenz künftig, dass Gläubige und Bischöfe mit einer katholischen Stimme in Gesellschaft und Politik sprechen. Die anfänglich gehegten Hoffnungen auf gleichberechtigte Beratung und Entscheidung hätten sich jedoch nicht erfüllt. Nach römischer Vorgabe entscheide letztlich immer noch das bischöfliche Amt: „Zukunftsweisend ist diese Vorgabe nicht, an ihr wird weiterzuarbeiten sein.“
Der Glaubenssinn aller Getauften habe bislang keinen gesicherten Platz im synodalen Gefüge, so Schüller. Auch daran müsse theologisch und kirchenrechtlich weitergedacht werden. Eine Aufgabe, die nicht allein die Kirche in Deutschland betreffe.
Zudem habe ihn die „unversöhnte Stimmung“ der letzten Synodalversammlung überrascht. Die Beratungen im Synodalen Ausschuss seien von mehr Vertrauen und Wohlwollen geprägt gewesen. Der Apostolische Nuntius Nikola Eterović und der Passauer Bischof Stefan Oster hätten durch ihre „faktische Gesprächsverweigerung“ eine Chance zur Vertrauensbildung verpasst, sagte Schüller. Ähnliches gelte für Zentralkomitee-Präsidentin Irme Stetter-Karp, die eine Debatte mit ihrem Schlussantrag abrupt beendet habe.
Winterkamp: Viele Fragen, teilweise beantwortet
Klaus Winterkamp, Ständiger Vertreter des Diözesan-Administrators im Bistum Münster, bezeichnet den Synodalen Weg insgesamt als Erfolg: „Es war gut, sich in dieser Form auf den Weg gemacht zu haben, um gemeinsam auf die systemischen Ursachen von Missbrauch in der Kirche zu schauen.“ Die Synodalversammlung habe viele Fragen gestellt und teilweise beantwortet. Andere seien neu aufgeworfen worden und müssten künftig weiterbearbeitet werden. Eine synodale Kirche müsse in den kommenden Jahren „zeitgemäße Antworten auf der Grundlage der frohen Botschaft Jesu Christi finden“.
Zugleich habe die letzte Synodalversammlung noch einmal Chancen und Grenzen dieser seit 2020 in Deutschland eingeübten Form von Synodalität aufgezeigt, so Winterkamp. Sein besonderes Lob gilt neu erprobten Dialogformaten wie der „Conversatio in spiritu“, der Unterredung im Geist: „Insofern setzt die Versammlung in Stuttgart einen Doppelpunkt und markiert keinen Schlusspunkt.“
Zekorn: Vielfalt besser abbilden
Der Münsteraner Weihbischof Stefan Zekorn schaut bereits vorsichtig in die Zukunft: „Entscheidend ist, weiterhin Antworten auf die vielen Fragen in Kirche und Gesellschaft zu suchen.“ Zugleich müsse die Kirche stärker neue Themen in den Blick nehmen, etwa die Weitergabe des Glaubens. „Stets geht es darum, die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums zu deuten.“
Zudem müsse die künftige Synodalkonferenz die „tatsächliche Vielfalt der Kirche“ besser abbilden, so Zekorn. Er spricht sich daher jenseits der beschlossenen Wahlordnung für eine allgemeine demokratische Wahl der synodalen Gremien aus – sowohl mit Blick auf eine zukünftige Besetzung der Synodalkonferenz als auch etwa des Diözesanrats.