
Der 1. FSV Mainz 05 hat am Samstagnachmittag dank eines starken Auswärtsauftritts bei RB Leipzig einen großen Schritt aus der Abstiegszone der Fußball-Bundesliga gemacht. Entscheidende Akteure beim 2:1 (1:1)-Auswärtssieg waren zwei Winter-Neuzugänge, die Leipzigs Defensive mehrfach schlecht aussehen ließen. Einziger Wermutstropfen bei den Gästen war die Verletzung von Benedict Hollerbach.
Gegen insgesamt zu harmlose Leipziger trafen Nadiem Amiri (Foulelfmeter, 45.+6 Minute) und Silas (49.) für die Gäste. Bestnoten verdiente sich aber vor allem Neuzugang Phillip Tietz, der den Mainzer Strafstoß herausholte und den Treffer von Sturmkollege Silas – ebenfalls im Winter neu dazugekommen – vorbereitete. Für Leipzig hatte Conrad Harder die schmeichelhafte Führung erzielt (40.).
Unions Fischer zufrieden, Frust bei Leipzigs Werner: „Zu schlecht“
Mainz sammelte durch den überraschenden Auswärtsdreier Big Points im Bundesliga-Tabellenkeller und steht zumindest vorübergehend auf Nicht-Abstiegsplatz 15. Der Trainerwechsel von Bo Henriksen zu Urs Fischer Anfang Dezember zahlt sich immer mehr aus. „Es war eine tolle Leistung meiner Mannschaft. Es hat mir sehr gefallen“, sagte Fischer nach der Partie am Sportschau-Mikrofon. „Wir stehen aber nach wie vor unten drin, müssen weiter an verschiedenen Dingen arbeiten.“
Leipzig hingegen patzte nach dem Remis gegen St. Pauli erneut und verliert Champions-League-Platz vier, wenn die Konkurrenz aus Stuttgart am Sonntag gegen Freiburg punktet (15.30 Uhr, live im Sportschau-Audiostream). Entsprechend enttäuscht zeigte sich Ole Werner nach dem Spiel. „Unsere Leistung war zu schlecht: zu behäbig, fehlerhaft im Aufbau, zu selten das getan, was wir uns vorgenommen haben. Insgesamt war das viel zu wenig von uns“, so Leipzigs Trainer.
Leipzig tut sich gegen gut eingestellte Mainzer schwer
Werner hatte auf seinen gelbgesperrten Top-Scorer Christoph Baumgartner (sechs Tore, acht Vorlagen) verzichten müssen. Harder durfte für den Österreicher in der Offensive auflaufen, etwas vor Romulo, der gegen Mainz in ungewohnt hängender Rolle agierte. Die Umstellung tat RB nicht gut: In Sachen Spielfluss sah es in den ersten 45 Minuten mau aus bei den Gastgebern, während es eher der Abstiegskandidat aus Mainz war, der zu Torchancen kam.
So gut die Gäste aber auch in die Partie kamen – einen erheblichen Stimmungsdämpfer gab es schon früh in der Partie: Ohne Fremdeinwirkung ging Benedict Hollerbach bei einer Ballannahme zu Boden, schrie lautstark auf und musste per Trage abtransportiert werden (14.). Der Offensivmann hielt sich die Achillessehne, den Mainzern droht wohl ein längerer Ausfall.
Unter starken Schmerzen ausgewechselt: Benedict Hollerbach von Mainz 05
Mainz trotz Hollerbach-Schock gut in der Partie
Die Gäste, unter Trainer Fischer seit Wochen deutlich stabiler als noch zu Saisonbeginn, schüttelten den Schock aber schnell ab. Auch mit dem für Hollerbach gekommenen Silas zeigten sich die 05er bestens organisiert und griffig in den Zweikämpfen. Und nach vorne setzte man Nadelstiche, der auffällige Tietz konnte seine beiden guten Gelegenheiten aber nicht nutzen (21. und 38.).
Bei den Leipzigern machte sich angesichts des schleppenden Offensivvortrags schnell negative Stimmung breit: Ole Werner rief mit finsterer Miene Anweisungen aufs Feld, Shootingstar Yan Diomandé pfefferte nach misslungener Ballannahme den Ball auf den Boden und David Raum bedachte seine Mitspieler nach einem Fehlpass mit vorwurfsvollen Blicken. Romulo in seiner zentralen Offensivposition war trotz ordentlicher kämpferischer Leistung überhaupt nicht im Spiel. Kurzum: Eigentlich lief es für Leipzig nicht.
Starker Nusa-Antritt verhilft Leipzig zur Führung
Dass RB dennoch in Führung ging, lag an einem beherzten Auftritt des starken Antonio Nusa, der immer wieder seine Dynamik zur Schau stellte. Spielend leicht ließ er Gegenspieler Danny da Costa stehen und schlug eine präzise Flanke ins Zentrum. Dort köpfte Baumgartner-Ersatzmann Harder sehenswert ins lange Eck ein.
Vorlagengeber und Torschütze: Nusa (l.) jubelt mit Harder
Die Mainzer belohnten sich aber noch im ersten Durchgang für eine gute Auswärtspartie. Bei einem freien Ball im Strafraum stellte Tietz den Fuß etwas vor den heranrauschenden Raum und zog so den Kontakt. Schiedsrichter Daniel Schlager zeigte auf den Punkt, eine harte, aber für das Schiedsrichterteam offenbar keine klar falsche Entscheidung. „Es haben jetzt alle zu mir gesagt: Es ist kein Foul. Davon kann ich mir jetzt aber nichts kaufen“, sagte der auch aufgrund der schwachen Leipziger Leistung bediente Raum nach dem Spiel.
Amiri trat an, traf und bejubelte wie zuletzt so häufig mit Kumpel Tietz euphorisch den Ausgleichstreffer. „Es kommt mir so vor, als würde ich schon jahrelang für Mainz 05 spielen“, stahlte Tietz ob seiner starken Leistung im Anschluss an die Partie. „Es macht wahnsinnig Spaß, ich habe richtig Bock auf die Fans und den Verein.“
Harmonieren auf dem Rasen bestens: Amiri und Tietz (r.)
Silas wie zu besten Zeiten: 2:1 für Mainz
Die Euphorie des Ausgleichstreffers nahmen die Gäste gleich mit in Durchgang zwei. Nur wenige Minuten waren gespielt, da schickte Tietz Nebenmann Silas auf die Reise. Der Kongolese nahm sich wie zu besten Stuttgarter Zeiten ein Herz und dribbelte mit Tempo auf die Leipziger Abwehrreihe zu. Silas ließ RB-Kapitän Willi Orban ganz schlecht aussehen, gegen Ridle Baku hatte er etwas Glück – und blieb dann im Abschluss cool. Mainz hatte die Partie gedreht.
Schon im ersten Durchgang hatte Leipzig über 60 Prozent des Ballbesitzes für sich beansprucht, durch den Rückstand wuchs die Zahl noch höher. Die ambitionierten Gastgeber wollten sich einen erneuten Ausrutscher im Kampf um die Königsklasse nicht leisten und steigerten jetzt endlich die Intensität. Die spielerischen Mängel blieben aber: Romulo und Diomandé bekam man nach wie vor überhaupt nicht ins Spiel. Den enttäuschenden Brasilianer nahm Werner schließlich vom Feld.
Orban vergibt Leipzigs größte Ausgleichschance
Während es weiterhin zäh blieb, ergaben sich aufgrund der immer drückenderen Überlegenheit der Gastgeber einige Chancen für RB. Wirklich zwingend wurde es in der zweiten Halbzeit aber nicht. Zu unpräzise waren einige Pässe im Offensivdrittel, zu selten waren Nusas Vorstöße von Erfolg gekrönt.
Orban per Kopf (80.) hätte mit einem präziseren Kopfball ausgleichen können. In den letzten Minuten segelten etliche Bälle in den Mainzer Strafraum, aber die Gäste-Defensive hielt der Belagerung stand.
Leipzig in Köln, Mainz gegen Augsburg
Leipzig ist am Sonntagnachmittag beim 1. FC Köln zu Gast (15.30 Uhr) und wird auf Wiedergutmachung aus sein – gerade im Offensivspiel muss sich die Werner-Elf stark verbessern. Mainz empfängt mit dem Rückenwind von zehn Punkten aus den jüngsten fünf Spielen am Samstagnachmittag den FC Augsburg (15.30 Uhr).
