DruckenTeilen
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 24-Jährigen versuchten Mord vor. Er soll das Opfer 70 Meter auf der Motorhaube transportiert haben.
Frankfurt – Der tödliche Unfall der 23-jährigen Zwillinge Duy Quang und Quang Minh Nguyen erschütterte Frankfurt: Am 6. Juli verunglückten die beiden in der Mainzer Landstraße auf einem E-Scooter. Ihr Freund Hieu Hoang Trung (27) liegt auf der Kühlerhaube des Autos, erleidet ein offenes Schädel-Hirn-Trauma und verliert einen Unterschenkel.
Der Todesfahrer, ein inzwischen 24-Jähriger aus Bad Kreuznach, soll Lachgas konsumiert haben und mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein. Er verlor die Kontrolle über sein Auto und erfasste die beiden E-Scooter, die auf dem Radstreifen unterwegs waren. Seit dem Unfall befindet er sich in Untersuchungshaft.
Ein Bild der beiden Unfallopfer erinnert an die Zwillingsbrüder Duy Quang und Quang Minh Nguyen an der Unfallstelle in der Mainzer Landstraße. © Rolf Oeser/Rolf Oeser
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat jetzt Anklage gegen ihn erhoben. Sie wirft im fahrlässige Tötung in zwei Fällen und versuchten Mord in einem Fall vor. Damit droht dem Mann lebenslange Haft.
Versuchte Verdeckung einer Straftat
Der Grund für den harten Vorwurf: Obwohl der Angeschuldigte die Zusammenstöße mit beiden E-Scootern bemerkt und erkannt haben soll, dass der 27-Jährige auf seiner Motohaube liegt, soll er sich dazu entschlossen haben, keine Bremsung einzuleiten und mit gleichbleibender Geschwindigkeit weiterzufahren. Durch die Fahrtgeschwindigkeit soll der Geschädigte in die Windschutzscheibe hineingedrückt worden sein, wobei sein Kopf die Scheibe durchgeschlagen haben soll. Er soll anschließend über eine Strecke von etwa 70 Meter auf der Motorhaube transportiert worden sein, bis er schließlich auf die Fahrbahn gefallen und auf den Straßenbahnschienen liegen geblieben sein soll. „Dieses Verhalten deuten wir als Verdeckung einer Straftat“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Dominik Mies. Es war also, im Fall des 27-Jährigen, nicht nur versuchter Totschlag, sondern ein versuchter Mord, der erfolgte, um unerkannt zu entkommen. Mithin sei eines der Tatmerkmale erfüllt, die einen Mordversuch machen.
Als der 27-jährige Hieu Hoang Trung von der Motorhaube fiel, hat der Beschuldigte ebenfalls nicht angehalten, um Rettungsmaßnahmen einzuleiten, wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor. Sein einziges Bestreben war, seine Täterschaft zu verdecken: Er habe das stark beschädigte Tatfahrzeug an einem abgelegenen Ort abgestellt und das Kennzeichen entfernt.
Gefasst wurde er schließlich, weil er sich einige Stunden später der Polizei gestellt hat. Zunächst wurde das Verfahren wegen des Verdachts des versuchten Totschlags geführt, so die Staatsanwaltschaft. Die weiteren Ermittlungen ergaben jedoch einen Tatverdacht bezüglich der Verwirklichung des Mordmerkmals der Verdeckungsabsicht im Zusammenhang mit der zweiten Kollision. Über den Prozessbeginn muss nun das Landgericht entscheiden.
Der 27-Jährige musste sich mehreren Operationen unterziehen und muss damit leben, einen Unterschenkel verloren zu haben. Er arbeitete in Stuttgart als Krankenpfleger, seine beiden verstorbenen Freunde, ebenfalls wie er aus Vietnam eingewandert, befanden sich in Hamburg in Ausbildung in einer kieferorthopädischen Praxis. Sie hatten in Frankfurt ein Konzert besucht – Kendrick Lamar im Waldstadion – und waren auf dem Weg ins Hotel.