
AUDIO: „Plakat – Kunst“ in Oldenburg: Plakate und ihre Geschichte(n) (4 Min)
Stand: 31.01.2026 14:21 Uhr
Plakate von namhaften Künstlern mit einer besonderen Geschichte gibt es im Landesmuseum für Kunst und Kultur im Oldenburger Schloss zu sehen. Jahrzehntelang lagen sie in Schränken im Museum – jetzt wurde dieser Schatz gehoben.
Blaue und schwarze Rechtecke auf rotem Grund ziehen sich diagonal über das Ausstellungsplakat. In der Mitte wirkt das Muster durch eine unsichtbare Linie wie durchgeschnitten. Das sieht ähnlich aus wie die alte, blau-weiße Plastiktüte von Aldi. Kein Wunder, beides hat Günter Fruhtrunk entworfen. Das Plakat im Oldenburger Schloss bewirbt eine Ausstellung von Fruhtrunk im Jahr 1965 in Köln.
Das Plakat ist eines von 3.000 aus der Zeit nach 1945 aus dem Bestand des Landesmuseums, sagt Kuratorin Runa König: „Die Plakate sind dem Landesmuseum zugeschickt worden in der Zeit ihrer Entstehung, um eben ausgehängt zu werden und für die jeweiligen Ausstellungen zu werben. Jemand hat beschlossen, diese Plakate aufzuheben, weil er den hohen Wert der Grafik, des Grafik-Designs oder eben den künstlerischen Wert dieser Plakate erkannt hat – wir wissen nur noch nicht wer.“
Hinter jedem Plakat steckt eine Geschichte
Zwei Jahre lang hat sie die Blätter katalogisiert und historisch eingeordnet – ein Forschungsprojekt. An manchen sind noch Spuren von Klebestreifen oder Reißzwecken zu sehen. Schließlich waren alle einmal aufgehängt. Viele bewerben Ausstellungen aus den 50er- und 60er-Jahren. Die ausstellenden Künstler habe einige selbst gestaltet, darunter Oskar Kokoschka, Erich Heckel oder Künstler von Gruppen wie Informel oder Zero.
Die Museumsdirektorin Anna Heinze freut sich, dass dafür Fördermittel der Stiftung Niedersachsen bewilligt wurden: „Da sind zum Teil richtig frühe Plakate dabei. Wir sprechen auch von den ersten Nachkriegsjahren. Dann haben Recherchen ergeben, dass manche Plakate gar nicht mehr in großer Zahl vorhanden sind.“ Hinter jedem Blatt steckt eine Geschichte, erzählt die Kuratorin König. Eines zeigt eine Schwarzweiß-Zeichnung: ein Gesicht mit blutunterlaufenen Augen, dick mit Schwarz übermalt. Arnulf Rainer malte nach exzessiven Experimenten mit Drogen und Alkohol, erzählt die Kuratorin.

Im prachtvollen Oldenburger Schloss zeigt das Landesmuseum Schätze aus mehreren Jahrhunderten, darunter viele Prunksäle.
Abstrakte Kunst voller Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit
Alle Plakate präsentiert Runa König zusammen mit anderen Werken der jeweiligen Künstler aus dem Archiv oder der Dauerausstellung des Museums. Bilder, Skulpturen und sogar Vasen – eine wahre Fundgrube. „Was mich überrascht hat, das sind zum Beispiel diese Arbeiten von Alfonso Hüppi, das ist ein Schweizer Künstler, der in den 60er-Jahren für die staatliche Kunsthalle Baden-Baden gearbeitet hat, nicht nur als Grafiker, sondern auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter“, erklärt sie. „Als ich dann gesehen habe, dass es in der Sammlung des Landesmuseums dazu zwei Siebdrucke gibt, die auch von diesem Künstler sind, da mussten diese Werke einfach in die Ausstellung, weil sie so leuchten.“
Mit leuchtenden Farben arbeiteten auch Rupprecht Geiger und Ernst Wilhelm Nay aus der Künstlergruppe Zen 49 – abstrakte Kunst voller Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit. „Man wollte ja einen Neuanfang“, so die Kuratorin. „Alle wollten einen Neuanfang und die Künstler wollten auch, dass man sich wieder mehr der abstrakten Kunst zuwendet.“ Die Schau gibt einen beeindruckenden Überblick über die Vielfalt der Kunstströmungen in den Nachkriegsjahren – ohne den Anspruch auf Vollständigkeit.

Damit wollen die sechs Museen in Braunschweig, Oldenburg und Hannover der Öffentlichkeit Wissen leichter zugänglich machen.