Vuskovic (r.) und Veiera (l.)

Stand: 31.01.2026 20:34 Uhr

Nach Ewigkeiten hat der Hamburger SV mal wieder gegen den FC Bayern getroffen – und dann auch noch gepunktet. So patzten die Münchner beim 2:2 (1:1) nach einer atemberaubenden Partie zum zweiten Mal in Folge in der Fußball-Bundesliga, weil Luka Vuskovic in der 53. Minute nach den Toren von Harry Kane (42.) und Luis Diaz (46.) ausgleichen konnte.


Sebastian Hochrainer

Fabio Vieira hatte den HSV-Fans zuvor einen Moment beschert, den sie ganz lange nicht erlebt hatten. Die durften nach genau zehn Jahren und neun Tagen wieder einen Treffer ihres Teams gegen den FC Bayern bejubeln, weil die Leihgabe des FC Arsenal einen Elfmeter unhaltbar genau im Eck platziert hatte (34.). Ob der berechtigt war, ist fraglich, denn der Kontakt von Joshua Kimmich gegen Nicolai Remberg war nur minimal – für den HSV spielte das aber keine Rolle.

Die Hamburger hatten sich dieses besondere Erlebnis mit einer guten Leistung zuvor verdient. Zu Beginn der Partie hatte Vuskovic nach einem Eckball schon die große Chance zur Führung, aus fünf Metern verfehlte sein Kopfball aber das Tor von Manuel Neuer (6.). Der ehemalige Nationaltorhüter rettete selbst auch in der 24. Minute, als Nicolas Capaldo nach einem Konter gefährlich vor ihm auftauchte.

HSV mehrfach im Glück, ehe Kane wieder zuschlägt

Es gab allerdings auch mehrere Momente, in denen die Gastgeber die bayrische Offensivgewalt überstehen mussten. Zweimal gelang dies dank der Paraden von Daniel Heuer Fernandes gegen Michael Olise (14.) und Lennart Karl (15.), einmal half dem HSV-Torhüter die Latte, die Kimmich mit einem Gewaltschuss aus 20 Metern traf (29.). Doch die Führung, die kurz danach fiel, hielt trotzdem nicht bis zur Pause.

Denn nach einem Traumpass von Alphonso Davies spielte Serge Gnabry den Ball überlegt in die Mitte, wo Kimmich die Riesenchance verstolperte, aber so unfreiwillig Kane direkt vor dem gegnerischen Tor bediente, der eiskalt zum 1:1 verwandelte (42.). Für den Engländer war es das 22. Saisontor, zwei davon hatte er beim 5:0 im Hinspiel erzielt.

Harry Kane behält im Kuddelmuddel den Überblick und verwandelt sicher zum 1:1-Ausgleich.

Diaz braucht nur wenige Sekunden für ein Tor

Dennoch roch der HSV nicht nur an seinem ersten Tor gegen München seit vielen Jahren, sondern auch an seinem ersten Punktgewinn. Den hatte es 2014 dank eines 0:0 gegeben, vor 16,5 Jahren hatte Mladen Petric die Hamburger zum bisher letzten Sieg gegen den deutschen Rekordmeister geschossen. Doch nur 42 Sekunden nach dem Wiederanpfiff schienen die Bayern die Hoffnungen der Gastgeber zunichte zu machen.

Kurz nach seiner Einwechslung bekam Diaz den Ball perfekt von Olise serviert und der Kolumbianer verwandelte die Vorlage zur Führung für die Gäste (46.). Danach hatte Diaz einen Blackout und lag Vieira die Großchance zum 2:2 auf, sein Direktschuss aus 18 Metern ging aber knapp vorbei (49.). Doch spätestens dieser Moment brachte den Hamburgern den Glauben zurück.

Vuskovic lässt die HSV-Arena beben

Die Mannschaft von Trainer Merlin Polzin stürmte mutig weiter – und zwar so mutig, dass Verteidiger Vuskovic aus dem Spiel heraus in Mittelstürmer-Position auftauchte und die Flanke von William Mikelbrencis per Kopf im Tor unterbrachte (53.). Kurz danach hatte der HSV sogar die Chance zur Führung, Capaldo verfehlte mit dem Knie aber das leere Tor, nachdem Neuers Faustabwehr verunglückt war (59.).

Hamburgs Fan-Liebling Luka Vuskovic jubelt vor der Nordkurve.

Ansonsten drückten die Bayern, um nach dem 1:2 gegen den FC Augsburg den zweiten Patzer in Folge in der Bundesliga zu vermeiden. Ganz nah war der Rekordmeister der erneuten Führung nach einer Ecke in der 65. Minute, als Dayot Upamecano aus kurzer Distanz für den zweiten Aluminiumtreffer des Teams von Trainer Vincent Kompany sorgte.

Davies bewahrt den FC Bayern vorm Rückstand

Der Punktgewinn für den HSV nahm immer mehr Formen an – doch beinahe hätte sich die Ausbeute sogar verdreifacht. Nach einem langen Ball verschätzte sich Neuer, worauf Rayan Philippe den Ball an ihm vorbei auf Vieira legte, der Richtung leeres Tor schoss – doch Davies rettete mit einem unglaublichen Sprint noch für den FC Bayern (74.).

Der rannte weiter an, doch scheiterte an der aufopferungsvoll kämpfenden HSV-Defensive, deren Spieler immer wieder mit Krämpfen geplagt am Boden lagen. Und dieser Einsatz lohnte sich, Hamburg konnte dem Druck standhalten, Heuer Fernandes musste in der 90. Minute nur noch einmal gegen Jamal Musiala retten. So nahm der HSV dem FC Bayern einen Punkt ab und zelebrierte ausgiebig, dass es zum ersten Mal nach über elf Jahren keine Niederlage gegen den Angstgegner der letzten Dekade (neun Spiele, null Punkte, 2:39 Tore) gab.

„Wir sind extrem glücklich und dankbar, dass wir diesen Moment gemeinsam mit dem Stadion erleben durften. Wir wussten, dass wir Glück brauchten, aber auch mutig sein mussten im eigenen Ballbesitz. Es war ganz entscheiden, dass wir uns in unangenehmen Räumen für den Gegner gezeigt hat. Großes Kompliment an mein Trainerteam für die Vorbereitung und an meine Mannschaft für die Umsetzung“, sagte Polzin im Sportschau-Interview.

Eberl und der FC Bayern beschweren sich über den Schiedsrichter

Zuvor hatte München ein weiteres Mal mit Schiedsrichter Harm Osmers gehadert, weil Daniel Elfadli einen Schuss von Kimmich mit dem angelegten Arm blockte – in diesem Fall war die Entscheidung, keinen Strafstoß zu geben, aber vollkommen richtig (90.+1).

Kane (r.) hätte gerne einen Elfmeter gesehen – aber Schiedsrichter Harm Osmers bleibt bei seiner ersten Einschätzung.

„Es war ein sehr emotionales Spiel, der HSV hat alles in die Waagschale geworfen, was man als Underdog gegen den FC Bayern braucht. Ich finde aber schon, dass der Schiedsrichter mit vielen Entscheidungen nicht richtig lag“, schimpfte Sportvorstand Max Eberl nach der Partie im Sportschau-Interview. „Das fühlt sich nicht gut an, er ist oft in die Fallen des HSV gelaufen, wenn die Spieler sich hingeschmissen haben. Das hat uns sehr geärgert und aufgewühlt, damit müssen wir aber auch besser umgehen.“

HSV-Punkt beschert Sprung in der Tabelle

Der Zähler hatte für den HSV aber nicht nur einen ungeheuren emotionalen Wert, sondern war auch sportlich extrem wichtig. Durch den verließ der Aufsteiger nämlich Relegationsplatz 16 und rückte auf Rang 13 vor, holte sich auch zusätzliches Selbstvertrauen für die nächste Partie gegen Schlusslicht 1. FC Heidenheim am nächsten Samstag (15.30 Uhr).

Dagegen könnte der Vorsprung der Bayern am Sonntag bei einem Sieg von Borussia Dortmund gegen Heidenheim seit langem wieder auf sechs Punkte schrumpfen. Bekommt die Bundesliga etwa doch noch einen Kampf um den Meistertitel? München will das natürlich verhindern und mit einem Sieg im Spitzenspiel am nächsten Sonntag gegen die TSG Hoffenheim (17.30 Uhr) wieder Stärke demonstrieren.