DruckenTeilen
Die Kita Paula und Max in München-Aubing musste wegen geballten Kündigungen schließen. Rund 50 Kinder sind betroffen. Jetzt gibt es erste Hoffnung.
München – Am Anfang sah alles gut aus. Seit Sommer 2025 besuchte ihre Tochter die Kita Paula und Max in München-Aubing. „Es gab erst keine Probleme mit dem Personal, und die Erzieher hatten stets ein offenes Ohr“, berichtet ein Elternpaar. Im Dezember aber zeigten sich erste Anzeichen: Fast alle Mitarbeiter waren krank. Mitte Januar kam dann der Schock: Der Elternbeirat gab plötzlich bekannt, dass sämtliche Erzieher gekündigt haben. „Die betroffenen Familien sind nun sehr verunsichert und wissen nicht, wie es weitergehen soll.“
Alle Erzieher kündigten: Kita in München muss schließen
Es ist der Horror aller berufstätigen Eltern: Die private Kita Paula und Max in der Wiesentfelser Straße, in der rund 50 Kinder betreut wurden, musste vorübergehend schließen. Aktuell gibt es neun Paula-und- Max-Kitas in München. Sie sind Teil der internationalen Partou Gruppe, zu der allein in Deutschland 69 Einrichtungen gehören. Die Münchner Standorte werden im Rahmen der Münchner Kitaförderung bezuschusst.
Vorübergehnd geschlossen: Die Kita an der Wiesentfelser Straße. © Michaela StacheAlarmierende Personal-Studie
In Bayern erfüllen nur rund zwölf Prozent aller Kitas die empfohlene Personalquote. Am anderen Ende der Skala wird jede zehnte Kita mit weniger als 60 Prozent des Personals betrieben, das für eine qualitativ hochwertige Bildung, Betreuung und Erziehung der Kinder empfohlen wird. Dies geht aus einer bundesweiten Studie der Bertelsmann-Stiftung mit Sitz in Gütersloh hervor. Demnach arbeiten in knapp der Hälfte der bayerischen Einrichtungen (48 Prozent) nur zwischen 60 und 80 Prozent des Personals, das aus wissenschaftlicher Sicht empfohlen wird.
Eine Sprecherin des Kita-Trägers bestätigt, dass vier pädagogische Fachkräfte sowie die Einrichtungsleitung an der Wiesentfelser Straße gekündigt haben. Hinzu kämen krankheitsbedingte Ausfälle. Zu den Hintergründen der Kündigungen möchte sich der Träger nicht äußern, „aus Datenschutzgründen“. Mit dem verbleibenden Team sei es aktuell leider nicht möglich, die Betreuung wie gewohnt zu gewährleisten. Deshalb musste man die Einrichtung vorübergehend schließen.
Träger möchte sich zum Hintergrund der Kündigungen nicht äußern
Inzwischen aber könne die Betreuung in eingeschränktem Umfang wieder stattfinden. Möglich werde dies durch eine Kombination aus Zeitarbeitskräften, einer verbleibenden Kraft sowie zusätzlicher personeller Unterstützung aus einer anderen Münchner Einrichtung. Zudem fänden Bewerbungsgespräche statt. „Wir erwarten, die offenen Stellen zeitnah nachbesetzen zu können.“ Und: „Uns ist bewusst, dass die Situation für viele Familien mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist“, sagt die Sprecherin. „Wir stehen dazu im engen Austausch mit Elternbeirat, Familien und der örtlichen Fachbehörde der Stadt München.“ Der Elternbeirat möchte sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern.
Immer gut informiert: Unsere neuen tz-Stadtteil-Newsletter
tz.de ist jetzt noch lokaler: Neben unserer ausführlichen München-Berichterstattung haben wir nun auch neue Stadtteil-Newsletter gestartet. Sie wollen aktuelle Themen aus dem Südosten oder dem Norden Münchens direkt per E-Mail bekommen? Das ist jetzt möglich.
Die beiden neuen Newsletter umfassen folgende Stadtbezirke: „München Nord“ informiert über Schwabing-West, Milbertshofen-Am Hart, Schwabing-Freimann und Feldmoching-Hasenbergl. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung. „München-Südost“ berichtet über Themen aus Au-Haidhausen, Obergiesing-Fasangarten und Untergiesing-Harlaching. Dafür können Sie sich hier anmelden.
Ihr Stadtviertel ist (noch) nicht dabei? Keine Sorge! Auch für die anderen Bezirke in München bereiten wir weitere eigene Newsletter vor.
Personelle Situation in Kitas verschärft sich
Generell verschärfe sich die personelle Situation in Kitas. Ursachen seien Fachkräftemangel sowie Personalausfälle. „Der Bedarf an qualifiziertem Personal kann vielerorts nicht mehr gedeckt werden.“ Um dem entgegenzuwirken, arbeite ihr Träger an Personalgewinnungsstrategien, Ausbildungskooperationen sowie Mitarbeiterbindung und Gesundheitsförderung. „Trotz dieser Bemühungen bleibt die Personalsituation wie in vielen sozialen Einrichtungen bundesweit angespannt.“
Eine gute Nachricht für Eltern: Eine dauerhafte Schließung der Kita an der Wiesentfelser Straße sowie Kündigungen der Betreuungsverträge könnten ausgeschlossen werden, betont die Sprecherin. Bereits ab Februar könnten Familien womöglich wieder mit einer vollumfänglichen Betreuung rechnen.