Würde Marvin Willoughby eine große Feier zu seinem 48. Geburtstag schmeißen, wären die Niners Chemnitz, deren Fans in der Vergangenheit schon mal den Feueralarm ausgelöst hatten, vermutlich nicht auf der Gästeliste. Die KI, die den Spielplan der Basketball-Bundesliga erstellt, schert sich allerdings herzlich wenig um den Ehrentag des Gründers der Veolia Towers Hamburg.

Doch selbst die Künstliche Intelligenz macht vereinzelt mal etwas richtig. Denn was ist schließlich süßer, als gemeinsam mit 2921 Gästen in der Inselpark Arena einen 86:69 (14:18, 26:19, 26:13, 20:19)-Sieg gegen den wohl ungeliebtesten Konkurrenten in der Liga zu feiern? Vieles fiel einem für den Sonnabendabend jedenfalls nicht ein. Zumal sich die Truppe von Cheftrainer Benka Barloschky durch den fünften Saisonerfolg weiter Luft im Abstiegskampf verschafft.

Veolia Towers Hamburg besiegen Niners Chemnitz

Bis dahin brauchte es jedoch einen halbwegs langen Atem. Denn dummerweise begannen die Gastgeber, als hätten sie nachts zuvor in Willoughbys Geburtstag hineingefeiert. Nur zwei der ersten 16 Würfe aus dem Feld fanden ihr Ziel, beim Stand von 4:13 (8.) nahm Barloschky die erste Auszeit. Da zumindest die Defensive der erstmals in dieser Saison vollzähligen Towers stand, hielt sich der Rückstand zur Viertelpause mit vier Punkten moderat.

Zsombor Maronka von den Veolia Towers Hamburg klatscht ab.

Die Rückkehr von Zsombor Maronka (23) verlief erfolgreich.
© Witters | Leonie Horky

Wie wichtig die Rückkehr aller angeschlagenen Akteure ist, zeigte sich zu Beginn von Abschnitt zwei. Der Ungar Zsombor Maronka, der mehr als einen Monat fehlte, ließ erstmal zwei Dreier zum 20:18 (11.) fliegen. Mittlerweile warf auch Chemnitz, als hätten die Spieler ein bisschen zu viel Zeit mit dem Niners-Fanclub „Die Austrinker“ verbracht.

Schönes Geburtstagsgeschenk für Marvin Willoughby

Aber vielleicht ist es auch ein Zaubertrank, den die reisefreudigen Sachsen sich einverleiben. Nach dem Zwischentief drehten die Gäste um den Ex-Hamburger Kevin Yebo nämlich so richtig auf. Die Wilhelmsburger dagegen hatten große Schwierigkeiten, in Korbnähe zu punkten. Vor allem der sonst so verlässliche Spielmacher Ross Williams war ziemlich von der Rolle.

Einen Plot-Twist später hatten die Türme wieder alles gedreht. Willoughby bekam zum Geburtstag vielleicht kein ästhetisch immer schönes, dafür ein spannendes Spiel geschenkt. Eines, das nach der Halbzeit den erwarteten Verlauf nahm, da sich die Hausherren nun absetzten.

Benka Barloschky bringt Team auf Kurs

Hoppla, richtig gelesen. Noch bis Mitte Dezember wäre es kaum zu glauben gewesen, aber die wettbewerbsübergreifend viermal in Folge siegreichen Towers sind daheim mittlerweile leichter Favorit gegen den auf nationaler Ebene zuletzt viermal unterlegenen Erzrivalen.

Martin Breunig von den Veolia Towers Hamburg dribbelt.

Routine, die sich nicht in Zahlen bemessen lässt: Martin Breunig (33) hilft den Towers ungemein.
© Witters | Leonie Horky

Barloschky ist es – auch dank der Nachverpflichtungen Williams, Devon Daniels und Martin Breunig – abermals gelungen, sein Team nach Startschwierigkeiten auf Kurs zu bringen. Eine Handschrift ist inzwischen erkennbar. Ob es Anspruch eines Vereins aus Deutschlands zweitgrößter Stadt sein sollte, jährlich den Saisonbeginn in den Sand zu setzen, um später groß aufzukommen, steht auf einem anderen Blatt.

Niners-Comeback verläuft im Sande

Aber fürs Erste gebührt dem Trainerteam, der sportlichen Leitung um Willoughby und nicht zuletzt den Spielern selbst Respekt für die massive Steigerung. Diese manifestierte sich in einem reifen Schlussviertel, in dem die Hamburger halbherzigen Chemnitzer Bemühungen souverän widerstanden.

Der Erfolg stand zu keinem Zeitpunkt mehr infrage. Dafür blieb eine andere Frage offen: Wo war eigentlich Willoughby? Der Sportchef verbrachte seinen Geburtstag nämlich nicht in der Inselpark Arena. Wahrscheinlich feierte er mit seinen beiden Söhnen zu Hause – glücklich und garantiert ohne Chemnitzer.

Veolia Towers Hamburg: Daniels (25 Punkte), Thorpe (13), Breunig (10), Williams (9), Turudić (7), Maronka (6), Perrin (5), Ogbe (5), Wimberg (4), Rich (2), Grey.