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Die Germeringer Harfe wurde in den 90er-Jahren erbaut und grenzt an die Stadthalle.Die Germeringer Harfe wurde in den 90er-Jahren erbaut und grenzt an die Stadthalle. © Walter Weiss

Die Fenster sind verrammelt, die Räume dahinter stehen weitgehend leer. Das Neubauprojekt der „Germeringer Harfe“ im Zentrum der Stadt stockt. Was ist da los?

Germering – Ein Zaun umgibt einen Teil des Gebäudes, die Fenster sind mit Brettern verdeckt. Schutz vor Vandalismus! Denn ein Großteil der Räume dahinter steht seit einiger Zeit leer, das Areal verwaist. Die Folge: Sachbeschädigungen, sogar Polizei und Feuerwehr mussten schon ausrücken, etwa weil ein Feueralarm ausgelöst wurde. Kein schöner Anblick: Da sind sich viele Germeringer einig. „Zuträglich für das Stadtleben und das Erscheinungsbild ist das nicht“, sagt Stadtbaumeister Jürgen Thum. Zumal sich das Gebäude im Ortskern befindet.

Die meisten Mieter sind ausgezogen, nun stockt das Projekt

Der Komplex, bekannt als „Germeringer Harfe“, wurde in den 1990er-Jahren erbaut und grenzt direkt an die Stadthalle. Er soll abgerissen werden und einem Neubau mit Geschäfts- und Gastronomieflächen sowie Wohnungen (rund 40 davon preisgedämpft) weichen – so der Plan der Investoren. Die meisten Mieter sind bereits ausgezogen. Doch das Projekt ist ins Stocken geraten: Stillstand statt Baustart. Was ist da los?

Germeringer Harfe So könnte die Germeringer Harfe einmal aussehen. © Auer Weber

Bereits 2016 übernahm die Rock Capital Group den Komplex, die Neubaupläne reichen fast ebenso lange zurück. Laut Investoren eignet sich der Bestand wegen seiner Raumaufteilung nicht, um dort einen attraktiven Handels-, Gastro- und Wohnstandort zu errichten. Grundsätzlich sehe auch die Stadt den Neubau positiv, betont Thum. Vor knapp drei Jahren sei man einer Einigung nahe gewesen, ein Entwurf für einen städtebaulichen Vertrag lag vor. Letztlich scheiterte die Vereinbarung jedoch an einigen „Bedenken“ des Stadtrats, so Thum.

Diese betreffen vor allem den Umfang des Neubaus sowie den Anteil der Wohnungen. Beim Thema Gebäudehöhe sei man dem Stadtrat bereits entgegengekommen, heißt es von Investorenseite – etwa durch eine Staffelung der Höhe.

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Weiterhin uneinig ist man sich beim Nutzungsmix, insbesondere beim Wohnanteil. Der Stadtrat befürchtet Nutzungskonflikte, falls zu viele Wohnungen auf der Seite der Stadthalle entstehen. Künftige Bewohner könnten sich durch Veranstaltungen gestört fühlen. „Wir können nichts genehmigen – und danach haben wir die Klagen wegen Lärmbelästigung“, sagt Stadtrat und OB-Kandidat Hannes Kirmair (CSU), obwohl er den Neubau grundsätzlich befürwortet. Auch die Dritte Bürgermeisterin und Grünen-OB-Kandidatin Sophie Schuhmacher teilt diese Sorge: „Wir müssen sicherstellen, dass der Kulturbetrieb – etwa Weihnachtsmärkte – und das Stadtleben auf dem Platz weiterhin möglich sind.“ Hier bestehe noch Klärungsbedarf.

Verrammelte Fenster und Graffiti bestimmen das Bild.Verrammelte Fenster und Graffiti bestimmen das Bild. © Walter Weiss

Die Investoren sind bereit, Lärmschutzmaßnahmen umzusetzen – das sei mit modernen Techniken möglich. Zudem könnten Wohnungen selbst zur Belebung des Areals beitragen, argumentieren sie: Bewohner würden einkaufen und ausgehen. Büros statt Wohnungen anzusiedeln, wie teils erwünscht, sei hingegen kaum realistisch – dafür sei der Markt in Germering zu schwach.

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Vor der Kommunalwahl ist wohl kein Kompromiss mehr zu erwarten. „Danach wollen wir die Gespräche wieder aufnehmen“, sagt Stadtbaurat Thum. Bleiben der Zaun und die Holzvertäfelung, die weiter als Probleme gesehen werden: „Das hat einen leichten Ghetto-Charakter“, kritisiert Kirmair und sieht die Investoren in der Pflicht. Diese entgegnen: Das Gebäude müsse vor Vandalismus geschützt werden – und pochen auf einen möglichst schnellen Neubau.

Neue Mitte in UnterschleißheimVision des Büros Steidle-Architekten mit dem Ziel, das Zentrum mit Wohnen, Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Grünflächen zukunftsfähig zu gestalten. © Stadt USHVision des Büros Steidle-Architekten mit dem Ziel, das Zentrum mit Wohnen, Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Grünflächen zukunftsfähig zu gestalten. © Stadt USH © Stadt USH

Unterschleißheim soll eine neue Mitte bekommen – mit dringend benötigtem Wohnraum und Gastronomie, Büros, und Arztpraxen. Laut der Rock Capital Group soll es noch in dieser Legislaturperiode (1. Quartal) dazu einen Satzungsbeschluss geben. Der Investor arbeitet bereits an einem Konzept für den Rückbau der Bestandsgebäude. Läuft alles nach Plan, könnte der Neubau dann Ende 2027/ Anfang 2028 beginnen.