In der Reutlinger Oberamteistraße ist ein außergewöhnliches Bauprojekt eröffnet worden: das Glashaus. Nach jahrelanger Planung und Bauzeit dient der umstrittene Neubau nun als architektonisches Highlight Reutlingens. Das Besondere: Das Glashaus steht auch für den Erhalt historischer Bausubstanz. Denn es stützt die benachbarten Fachwerkhäuser. Diese gelten laut Stadt als eine der ältesten zusammenhängenden Fachwerkhäuserzeilen Süddeutschlands. Die ältesten Bauteile stammen aus dem 13. Jahrhundert.
Glashaus in Reutlingen soll Geschichte und Moderne verbinden
Das Glashaus besteht aus einem hölzernen Tragwerk, das mit über 28.000 speziell beschichteten Glasziegeln verkleidet wurde. „Die Glasfassade ist nicht nur optisch beeindruckend, sondern auch funktional“, so Baubürgermeisterin Angela Weiskopf. Die Ziegel seien besonders robust, graffitiresistent und könnten bei Bedarf einzeln ausgetauscht werden, erklärt sie bei der Eröffnung. Im Inneren des Hauses wird die Struktur des Holzbaus sichtbar, das die umliegenden Gebäude stabilisiert. Architekt Tobias Wulf erklärt: „Das Glas hält nichts, es ist die innere Holzstruktur, die als Stützbock dient.“

Sowohl das Dach als auch die Wände des Reutlinger Glashauses bestehen aus gläsernen Biberschwanzziegeln. Für das Bauwerk gab es Fördermittel des Bundes in Höhe von insgesamt 3,3 Millionen Euro.
Glashaus als Veranstaltungsort und Museum
Das Glashaus soll nicht nur die benachbarten Gebäude abstützen, sondern dient auch als Veranstaltungs- und Begegnungsort. Hier sollen künftig Konzerte, Lesungen und Ausstellungen stattfinden. Gleichzeitig wird das Gebäude ein Museumsforum beherbergen, in dem die Geschichte der Fachwerkhäuserzeile und ihrer Bewohner erzählt wird. Die barrierefreie Gestaltung und beheizbaren Treppen laden Besucher schon jetzt zum Verweilen ein.
Das Gebäude ist einzigartig. Es ist ein architektonisches Highlight.
Das Projekt war im Vorfeld sehr umstritten. Gemeinderäte kritisierten das millionenschwere Projekt in Zeiten knapper Kassen. Gekostet hat es mehr als sieben Millionen Euro. Als man es begonnen hat, war laut Oberbürgermeister Thomas Keck noch nicht abzusehen, dass es solche Ausmaße annehmen wird. Aber wie bei jedem Projekt habe es auch hier einen Kipppunkt gegeben, ab dem man es nicht mehr stoppen konnte – selbst wenn man gewollt hätte, so Keck. „Die Stadt hätte bis zu sieben Millionen Euro an Fördergelder ans Land, an den Bund und ans Denkmalamt zurückzahlen müssen – das muss man sich mal vorstellen“, so Keck.

Der Reutlinger Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD) kam zur Eröffnung des besonderen Gebäudes. Das Glashaus in der Oberamteistrasse soll die Nachbargebäude abstützen und soll ein Haus für alle sein.
Das Glashaus ist Teil eines größeren Sanierungsprojekts, das die Restaurierung der gesamten Häuserzeile bis 2029 vorsieht. Die Gesamtkosten dafür belaufen sich auf über 25 Millionen Euro. Allein der Neubau des Glashauses hat mehr als sieben Millionen gekostet- im Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ wurden 3,3 Millionen Euro an Fördergeld bewilligt. Für Oberbürgermeister Thomas Keck ist das Gebäude eine Investition in die Zukunft. Er hofft, dass das Haus mit den Glasziegeln zur neuen Attraktion Reutlingens wird.