Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni als Engel, sogar mit Flügeln – und das in einer Kirche mitten in Rom: Nach der Restaurierung eines Freskos in der Basilika San Lorenzo in Lucina sind im Antlitz eines Engels klar die Gesichtszüge der Regierungschefin zu erkennen. Dahinter steckt nach einem Bericht der Tageszeitung „La Repubblica“ ein künstlerisch begabter ehrenamtlicher Kirchenhelfer, der Sympathien für das rechte Lager hat.

Die Basilika im historischen Zentrum von Rom ist auch bekannt, weil sich dort eine Marmorbüste des letzten italienischen Königs Umberto II. befindet, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1946 ins Exil ging. Darüber sind zwei Engel gemalt, an denen vor der Restaurierung nichts besonders auffällig war. Jetzt ähnelt einer davon allerdings ungewöhnlich deutlich der Ministerpräsidentin von der Rechtspartei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens), die das Land seit mehr als drei Jahren ununterbrochen regiert und damit länger als fast alle anderen Regierungschefs nach dem Zweiten Weltkrieg.

Urheber gibt sich überrascht

Der mit Flügeln versehene „Meloni-Engel“ hält eine Schriftrolle mit der Zeichnung des italienischen Stiefels in der Hand. Der andere Engel – immer noch gewöhnlich – reicht dem in Ungnade gefallenen Herrscher die Krone. Als Urheber gab sich ein Mann namens Bruno Valentinetti zu erkennen. Auf Fragen von Reportern antwortete er allerdings: „Wer sagt, dass es sich um Ministerpräsidentin Meloni handelt?“ Er habe nur „wiederhergestellt, was schon vor 25 Jahren da war“.

Die italienische Opposition forderte Kulturminister Alessandro Giuli auf, die für Archäologie und Geschichte zuständige römische Behörde mit einer Prüfung zu beauftragen. Meloni selbst, die in allen Umfragen das Feld von Italiens Politikern klar anführt, postete ein Foto des Engels auf ihrer Instagram-Seite. Dazu schrieb sie, versehen mit einem lachenden Smiley: „Nein, ich sehe sicherlich nicht wie ein Engel aus.“

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Nach Informationen von „Repubblica“ wirkte Valentinetti früher schon bei Innenarbeiten in San Lorenzo mit. Politisch sei er im rechten Lager verortet. Er soll auch schon vom inzwischen verstorbenen rechtspopulistischen Regierungschef Silvio Berlusconi für Renovierungsarbeiten in einer Villa beschäftigt worden sein.

Pfarrer spricht von „gewisser Ähnlichkeit“

Der Pfarrer der Basilika, Daniele Micheletti, zeigte sich überrascht. „Tatsächlich gibt es eine gewisse Ähnlichkeit“, sagte der Geistliche der Nachrichtenagentur Ansa. „Aber man müsste den Restaurator fragen, warum er es so ausgeführt hat. Ich weiß es nicht.“ Angeblich hatte bis zu der Berichterstattung der Tageszeitung „La Repubblica“ niemand eine Ähnlichkeit bemerkt.

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Das zuständige Bistum Rom kündigte eine Überprüfung der Malerei an. Der Bischof von Rom ist kein geringerer als Papst Leo XIV. persönlich. Die Arbeiten in der Kirche sollten „ohne Änderungen oder Ergänzungen“ vollzogen werden, heißt es in einer Pressemitteilung vom Samstag. Die Veränderung des Gesichts des Engels sei daher eine Initiative des Dekorateurs gewesen, die den zuständigen Stellen nicht mitgeteilt wurde. Zudem sollen Maßnahmen geprüft werden.

Die Basilika in der Nähe der bekannten Einkaufsstraße Via del Corso zählt zu den ältesten christlichen Kirchen Roms. Ihre Wurzeln reichen bis ins fünfte Jahrhundert zurück. (dpa/KNA/AFP)