Europa ist nach Einschätzung der Sicherheitsexpertin Jana Puglierin militärisch nicht in der Lage, sich ohne Unterstützung der USA selbst zu verteidigen. Eine echte strategische Unabhängigkeit vom amerikanischen Schutzschirm könne «mindestens fünf Jahre» dauern, in entscheidenden Bereichen wie Aufklärung, Überwachung und Satellitentechnologie sogar «ein Jahrzehnt oder länger», sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Besonders gravierend sei die Abhängigkeit in Bereichen wie integrierter Luftverteidigung, strategischem Lufttransport und Zielerfassung.
Gregori Licovski/Keystone
Besonders gravierend sei die Abhängigkeit in Bereichen wie integrierter Luftverteidigung, strategischem Lufttransport und Zielerfassung. Diese Fähigkeiten fehlten den europäischen Streitkräften bisher nahezu vollständig. «Es gibt nicht wirklich eine Alternative, ausser wir dienen uns einer Schutzmacht so an, dass wir eine Art Protektorat werden», warnte Puglierin, die das Berliner Büro des European Council on Foreign Relations leitet.
Das bisherige Modell der Nato, in dem die europäischen Partner freiwillig unter dem US-amerikanischen Schutzschirm agierten, sieht sie angesichts der politischen Entwicklungen in den USA unter Trump gefährdet. Dieser hatte wiederholt die Bedeutung transatlantischer Bündnisse infrage gestellt und gar mit der Annexion Grönlands gedroht.
Eine eigenständige europäische Atomwaffe lehnt Puglierin ab. Zwar sei der Schutz durch US-Nuklearwaffen zunehmend unsicher, doch sehe sie keine tragfähige Alternative in einer fragmentierten nuklearen Bewaffnung einzelner EU-Staaten. Vielmehr müssten Frankreich und Grossbritannien als europäische Atommächte stärker in eine gemeinsame Abschreckungsstrategie eingebunden werden.