Halle. Die Stadt darf in den kommenden Monaten viele Umzugskartons packen. Was nach einem stressigen Zeitfresser klingt, ist in diesem Fall aber eine besondere und seltene Chance. Durch Käufe, Verkäufe und glückliche Fügungen hat die Stadt die Möglichkeit, vielen in ihrem Besitz befindlichen Gebäuden anderen Nutzungsmöglichkeiten zuzuführen. Es entstehen Synergieeffekte, mehr Fläche für Aktivitäten und neuer Raum für kreative Ideen.
„Wir hatten noch nie so viel Fläche für bürgerschaftliches Miteinander“, sagt Bürgermeister Thomas Tappe zu den Ergebnissen des erarbeiteten Nutzungskonzepts des städtischen Gebäudebestands. „Wir haben untersucht, welche Gebäude wir auf den Markt bringen können und welche abgängig sind“, sagt Tappe im Pressegespräch im Vorfeld der Haupt- und Finanzausschusssitzung am 28. Januar, in der die Pläne im Detail vorgestellt wurden.
Dem nun vorliegenden Konzept ging ein mehrjähriger Entwicklungsprozess voraus. Als Ziele waren im Vorfeld festgelegt worden, die vorhandenen Gebäude nachhaltig zu nutzen, den Raumbedarf jetzt und zukünftig zu sichern und externe Anmietungen und die Verbesserung von Angeboten für Bürgerinnen und Bürger.
Rettungswache in Halle als Schlüssel
Die Rettungswache an der Oldendorfer Straße.
| © Uwe Pollmeier
Die derzeitige Rettungswache an der Oldendorfer Straße ist in Verbindung mit dem Neubau am Stadtrand ein Dreh- und Angelpunkt der Raumrotationen. Die neue Rettungswache an der Osnabrücker Straße soll Anfang 2027 bezogen werden. Somit kann das bisherige Hauptgebäude, auch auf Empfehlung des LWL, zukünftig für das Städtische Archiv (aktuell im Obergeschoss der Stadtbücherei, die sich in der Destille auf dem Gelände des Bürgerzentrums Remise befindet) und durch die Haller Zeiträume (aktuell im Kellergeschoss der Destille) genutzt werden. Die Fahrzeughallen werden weiterhin von der Freiwilligen Feuerwehr Halle genutzt.
Möglich geworden ist dieser Schachzug auch durch die Hartnäckigkeit der DLRG Halle. Diese sollte eigentlich laut politischem Beschluss ihr notdürftiges Vereinsheim neben dem Lindenbad verlassen und an die Oldendorfer Straße ziehen. Es regte sich jedoch Widerstand und die Verantwortlichen im Verein fanden einen Weg, für den Neubau eines Vereinsheims Fördergelder aus dem Leader-Programm zu erhalten. Somit wird man am alten Standort bleiben.
Die Remise: Hier befindet sich derzeit noch das Jugendzentrum. Mit dem Bezug des Neubaus in wenigen Wochen wird hier viel Platz frei.
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Neue Mieter in der Haller Remise
In und auf dem Gelände an der Remise passiert auch einiges. Das Jugendzentrum geht raus, schließlich soll der Neubau an der Alleestraße im ersten Quartal 2026 eröffnet werden. Ebenso schließt das benachbarte JUZ 57 an der Langen Straße, die Stadt hat die angemieteten Räume bereits gekündigt.
Impuls, das Kreisfamilienzentrum und Mehrgenerationenhaus der Stadt Halle, zieht in das bisherige Jugendzentrum in der Remise um. Im Obergeschoss sollen die vorhandenen Räumlichkeiten zu einem Kreativraum, zwei Mitarbeiterbüros, einem Besprechungsraum sowie einem multifunktionalen Raum umgenutzt werden.
In der Destille neben der Remise sind Stadtbücherei und Stadtarchiv untergebracht.
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Durch den Umzug des städtischen Archivs und der Haller Zeiträume in die jetzige Rettungswache werden das Kellergeschoss und das Obergeschoss der Destille frei. Im Erdgeschoss bleibt die Stadtbibliothek. Das Kellergeschoss kann wieder für Veranstaltungen genutzt werden. Eine Nachnutzung für das Obergeschoss ist derzeit noch nicht geplant.
Gebäude zum Verkauf
Haus Brune Halle 2025
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Das wohl prägnanteste Gebäude der Innenstadt, das frühere Gasthaus Brune, ist kürzlich an den Verein Odilia verkauft worden. Dort sollen zwölf Wohnungen für behinderte Menschen sowie ein integratives Gastronomie-Angebot entstehen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Ebenfalls verkauft werden soll das Gebäude Bahnhofstraße 17, welches direkt am Ronchinplatz liegt. Dort befinden sich derzeit Räume der HIW, die Haller Zeiträume und Selbsthilfegruppen.
Gebäude ohne Zukunft
Abgerissen werden die Kita Bokel und das Gemeindehaus. Beide werden an selber Stelle neu gebaut. Ebenso erwischen wird es das Wohnhaus an der Hauptstraße 33 ins Künsebeck. Die Fläche ist schon lange für den zukünftigen Tante-Enso-Markt vorgesehen, schließlich ist die Filiale im ehemaligen Sparkassengebäude immer schon nur als eine zwischenzeitliche Notlösung gedacht gewesen.
Das frühere Möbelhaus Wolff (Lange Straße 27) mit dem Anbau (Lange Straße 29) soll abgerissen werden. Ebenso die Immobilie Wertherstraße 1 (rechts), in der sich die Regionalstelle des Jugendamts befindet.
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Richtig viel Platz wird es an der Ecke Lange Straße/Wertherstraße geben. Das im Frühjahr 2015 geschlossene Möbelhaus Wolff, welches sich die Stadt frühzeitig sicherte, wird ebenso abgerissen wie der kleine Anbau (Lange Straße 29), in dem sich Jobdialog (zieht in eine neu zu bauende Halle neben der Flüchtlingsunterkunft an der Gutenbergstraße), eine Mietwohnung und ein Büro des RC Teuto (zieht an den Bahnhof) befinden. Das Gebäude daneben (Wertherstraße 1), in dem sich die Regionalstelle des Jugendamtes befindet, wird ebenfalls abgerissen. Die Regionalstelle zieht in einen Neubau neben der Lederfabrik.
Schinkenhaus als Tourismus-Hotspot
Das Schinkenhaus direkt neben der Destille, in der sich die Haller Stadtbücherei befindet.
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Aufgrund der innerstädtischen Lage neben Remise und Bibliothek sowie der Nähe zu den Wanderrouten ist das fast schon vergessene Schinkenhaus prädestiniert für die Abteilung Kultur, Tourismus und Stadtmarketing, die sich seit 2024 im Obergeschoss des Bürgerbüros befindet. Der untere Bereich des Schinkenhauses soll durch kleinere Maßnahmen so gestaltet werden, dass dort sowohl Arbeitsplätze als auch ein Informationspunkt für Gäste der Stadt entstehen kann. Der Umfang der Kosten für die Renovierung des Schinkenhauses liegt vermutlich bei 22.500 Euro.
Immobilie Bahnhofstraße 17 ist zu teuer
Das Haus Bahnhofstraße 17 ist im städtischen Besitz und soll mittelfristig verkauft werden.
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Alternativ ist geprüft worden, mit welchem Aufwand das Gebäude Bahnhofstraße 17 am Ronchinplatz als Tourismuspunkt umgebaut werden kann. Im Ergebnis werden die Kosten auf 270.000 Euro geschätzt. Eine Summe, die somit deutlich über dem liegt, was beim Schinkenhaus fällig wäre. Somit fällt die Wahl ganz klar auf das Schinkenhaus. Das Gebäude Bahnhofstraße 17 soll mittelfristig verkauft werden.
Neuer Platz im Haller Rathaus
Durch den Umzug der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Bereich Kultur und Touristik werden zusätzliche Büroarbeitsplätze in der Verwaltung frei. Nutzen sollen diese das technische Gebäudemanagement. Der Kommunale Ordnungs- und Ermittlungsdienstes soll dann wiederum die freien Räume im 1. Obergeschoss des Rathauses nutzen.
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