Silent Hill von 2006 hat einen besonderen Platz in meinem Horrorherzen. Die 2006 veröffentlichte Adaption der gleichnamigen Konami-Videospielreihe war einer der ersten Horrorfilme, die ich mit 16 Jahren endlich „offiziell“ im Kino schauen durfte. Über das Sequel Silent Hill: Revelation schweigen wir besser. Als aber bekannt wurde, dass Filmemacher Christophe Gans für einen neuen Trip in die neblige Kleinstadthölle auf den Regiestuhl zurückkehrt, war meine Vorfreude groß.

Am 5. Februar startet mit Return to Silent Hill nicht nur ein neuer Teil der Horrorreihe, sondern gleichzeitig auch die Adaption von Silent Hill 2, das in der Gaming-Community als eines der besten Videospiele überhaupt gefeiert wird. Doch die ersten Kritiken deuteten auf eine gewaltige Katastrophe hin: Bei Rotten Tomatoes  hält der Film nur einen mageren Kritiken-Score von 19 Prozent. Ganz so schlimm ist er eigentlich nicht.

Horror-Albtraum Return to Silent Hill macht einen kaputten Verstand erlebbar

Im Zentrum von Return to Silent Hill steht der Maler James Sunderland (Jeremy Irvine), der vor einiger Zeit die Liebe seines Lebens verlor und nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Als ihn überraschend ein Brief seiner verflossenen Mary (Hannah Emily Anderson) erreicht, die in Silent Hill auf ihn warten soll, begibt sich James unverzüglich in die Kleinstadt in den Bergen. Was ihn dort erwartet, ist jedoch ein höllischer Ort voller tödlicher Kreaturen.

Hier könnt ihr euch den Trailer zu Return to Silent Hill anschauen:

Return to Silent Hill – Trailer (Deutsch) HD

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Sobald James das graue Höllenörtchen betritt und Asche vom Himmel herabfällt, entfesselt Regisseur Christophe Gans erneut eine wohlig unbequeme Atmosphäre, die mit den musikalischen Kompositionen Akira Yamaokas in ihren Bann zieht, der schon den Soundtrack für das Spiel beisteuerte. So dissonant wie der Score wird auch Return to Silent Hill mit jeder voranschreitenden Szene. Genau, wie es sein muss.

Während James durch die schaurige Szenerie Silent Hills wandert, Bekanntschaft mit seltsam agierenden Charakteren und albtraumhaften Kreaturen macht, wird die Geschichte immer wieder von Rückblenden zu seinen aufblühenden und zerfallenden Beziehungen zu Mary unterbrochen. Der Film wird dabei zunehmend konfuser und befremdlicher – und das ist seine große Stärke.

Anstatt einer stringenten Handlung zu folgen, verwandelt sich Return to Silent Hill in eine Art Mindfuck-Puzzle zerschmetterter Erinnerungen. Die Geschichte von Schuld, Bedauern und der Unfähigkeit, loszulassen macht mit ihrer wirren und traumartigen Inszenierung James‘ psychischen Zerfall geradezu erlebbar. Egal, ob hölzerne Dialoge, unlogische Ereignisse oder plötzliche Szenenwechsel: Das Publikum darf sich genauso orientierungslos und verwirrt fühlen wie der Protagonist.

Das klingt jetzt eigentlich alles ziemlich vielversprechend, oder? Eigentlich steckt in Return to Silent Hill irgendwo ein richtig guter Horrorfilm. Nur leider werden alle Ambitionen, eine Art Shutter Island im Silent Hill-Gewand erzählen zu wollen, von ein paar unverzeihlichen, inhaltlichen wie inszenatorischen Problemen begraben.

Return to Silent Hill begeht unverzeihliche Fehler

Wer die Videospielvorlage Silent Hill 2 für ihre tragische Story und kryptische Ambivalenz feiert, wird mit der Adaption wenig Freude haben. Obwohl der Kern der Story erhalten bleibt und Christophe Gans zahlreiche ikonische Momente mit liebevoller Detailtreue verfilmt, nimmt das Drehbuch einige fragwürdige Änderungen vor.

Die Flashback-Sequenzen verweben Marys Schicksal mit einer Silent Hill-Sekte, bleiben dabei allerdings erschreckend redundant und halbgar. Schlimmer noch: Sie schwächen im Gesamtkontext James‘ Charakterentwicklung aus der Vorlage dramatisch ab und führen sämtliche Erlebnisse im Höllenalbtraum ad absurdum. Diese Änderung, gepaart mit der mangelhaften Chemie der beiden Hauptdarstellenden, arbeitet aktiv gegen den emotionalen Kern des Films. Die Tragik der Figuren und ihrer Entscheidungen verpufft in behaupteten Gefühlen, denen das Fundament fehlt.

Eines der größten Probleme des Films ist zudem: Er sieht stellenweise sehr billig aus. Auf jedes detailliert erbaute Set kommen zwei grausige Greenscreen-Hintergründe und auf jedes grotesk-schönes und mit praktischen Effekten kreiertes Monster folgen leblose CGI-Kreaturen. Und dann wären da noch die albtraumhaften Perücken, deren unschöne Ansätze nicht mal der Nebel von Silent Hill kaschieren kann.

Natürlich kann auch ein Horrorfilm mit Low-Budget-Optik (der Film soll 23 Millionen Dollar gekostet haben, weniger als die Hälfte der 2006er-Verfilmung) effektiv sein. In diesem Fall wurde aber an den falschen Enden gespart, was sich besonders auf die eigentlich emotionalste Szene des gesamten Films negativ auswirkt. Diese sollte berührend und tragisch sein, wird jedoch von einem dilettantisch angeklebten Vollbart zu einer unfreiwllig komischen Lachnummer.

Ist Return to Silent Hill deshalb eine Vollkatastrophe? Den überbordenden Hass hat der Film sicher nicht verdient. Die Rückkehr ins Schauerstädchen liefert atmosphärischen Horror mit einer eigenwilligen Traumlogik, die zum Analysieren und Deuten einlädt. Das Endergebnis wird der eigenen mutigen, herausfordernden Vision aber leider nie gerecht. Ob ich in 20 Jahren genauso nostalgisch auf diese Silent Hill-Erfahrung zurückblicken werde wie auf Rose Da Silvas Streifzug durch Asche und Rost? Das wage ich zu bezweifeln.

Return to Silent Hill läuft ab dem 5. Februar 2026 in den deutschen Kinos.