Vier Tage hat sich Teheran Zeit gelassen, um eine Retourkutsche in Richtung Brüssel zu senden. Dort hatte EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas am Donnerstag nach Beratungen der EU-Außenminister verkündet, dass die Europäische Union die iranischen Revolutionsgarde auf eine Terrorliste gesetzt habe. Iran will nun seinerseits die Armeen der EU-Staaten als „terroristische Gruppen“ einstufen. Betroffen seien alle EU-Länder, die die Aufnahme der Revolutionsgarde in die Terrorliste befürwortet hätten, kündigte Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf an. „Indem sie versuchen, die Revolutionsgarde zu treffen, haben sich die Europäer eigentlich selbst ins Knie geschossen“, sagte Ghalibaf vor Abgeordneten, die aus Solidarität mit der Eliteeinheit Uniformen der Revolutionsgarde angezogen hatten. Die EU habe erneut gegen die Interessen ihrer eigenen Bevölkerung gehandelt, indem sie „blind den Amerikanern gehorcht“ habe.

Zudem werde der parlamentarische Ausschuss für nationale Sicherheit über die Ausweisung von Militärattachés der EU-Staaten beraten, sagte Ghalibaf.

Die EU hatte die Revolutionsgarde – auch Pasdaran oder Revolutionswächter genannt – als Terrororganisation eingestuft, weil die Führung in Teheran Proteste in den vergangenen Wochen brutal niedergeschlagen hat. Es gab Tausende Tote. Die mächtige Revolutionsgarde steht damit auf einer Stufe mit Organisationen wie al-Qaida, der Hamas und dem sogenannten Islamischen Staat. Dies markiert eine symbolische Wende in der Haltung der Europäer gegenüber Teheran.

Die Revolutionsgarde wurde nach der Islamischen Revolution 1979 gegründet, um das schiitische Herrschaftssystem zu schützen. Sie verfügen über großen Einfluss im Land und kontrollieren weite Teile der Wirtschaft und der Streitkräfte.