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London – Eine Kostümserie, die im 19. Jahrhundert spielt, in der es um Liebe und Sex und die feine Gesellschaft geht? Die Netflix-Produktion „Bridgerton“ zählt zu den erfolgreichsten Serien aller Zeiten. Wie entsteht sie? BILD zu Besuch in der märchenhaften Kostüm-Welt.
Am Eingangstor zu den Shepperton Studios südlich von London ist von der Bridgerton-Opulenz zunächst nichts zu spüren.

BILD-Reporter Tobias Render (40) in der Kulisse des Maskenballs. Dieser steigt in der ersten Folge von Staffel 4. Die Süßspeisen sind zum Teil echt, hergestellt aus Fondant, einer weichen Zuckermasse
Foto: Privat
„Bridgerton“-Set: Keine Kommunikation nach außen
Ich, der BILD-Reporter, muss mein Handy abgeben, werde belehrt, was ich alles nicht darf. Keine Kommunikation nach außen, Regeln, die ich nicht brechen darf. Ich bin plötzlich in einer Blase, wie Familie „Bridgerton“. Die lebt – freilich fiktiv – im England des 19. Jahrhunderts, hat Geld im Überfluss und eigentlich nur ein Ziel: die Kinder müssen verheiratet und der gute Ruf gewahrt werden.
Der Umsetzung können wir nun schon seit vier Staffeln bei Netflix zusehen, Staffel 5 und 6 sind längst in Arbeit. Ich laufe nun durch den Saal, in dem Lady Bridgerton den ersten Ball der neuen Saison veranstalt. Berge an Süßspeisen stehen hier, zum Teil echt! Hergestellt sind sie nach historischen Rezepten der Konditorin von Queen Anne Stuart (1665-1714).

Die Sommerstimmung täuscht: Für diese Szene musste Luke Thompson (37) ins eiskalte Wasser. Die Kamera – wasserfest verpackt – folgt ihm
Foto: LIAM DANIEL/NETFLIX

Yerin Ha (28) als Sophie Baek. Sie ist eine Dienstmagd – was Benedikt, der sich in sie verguckt, zunächst aber nicht weiß. Bei einem scheinbar stillen Moment in ihrer Stube sieht man hier: Die Kamera ist ganz nah dabei
Foto: LIAM DANIEL/NETFLIX
„Bridgerton“ mit 160 Perücken und 170 Outfits
Kurz darauf kommen die Schauspieler ans Set. Als erste begegnet mir Claudia Jessie. Sie spielt die Eloise, eine der Bridgerton-Schwestern und die, die mit Abstand die geringste Lust aufs Heiraten und gesellschaftliche Konventionen hat. „Das kann ich gut verstehen“, erklärt Claudia und grinst. Kein Wunder: Privat lebt die Schauspielerin auf einem Hausboot in Manchester – und will da auch nicht weg. Mit Luxus kann sie wenig anfangen. „Die Kostüme von Bridgerton gefallen mir aber sehr.“

Claudia Jessie (36) als Eloise Bridgerton und Nicola Coughlan (39) als Penelope
Foto: LIAM DANIEL/NETFLIX
Allein für die Ballszene, die sie jetzt proben, wurden 160 Perücken und 170 Outfits gefertigt. Die Kostüm-Abteilung bei „Bridgerton“ ist in einer eigenen Fabrikhalle untergebracht und beschäftigt die meisten Mitarbeiter. Geht auch nicht anders, schließlich zeigen sich die Bridgertons in der Serie schon morgens wie aus dem Ei gepellt. Außer Benedikt, nach einer seiner wilden Nächte.
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Penelope Featherington (Nicola Coughlan) und Ehemann Colin (Luke Newton, 32). Sie sind diesmal nicht im Mittelpunkt, schließlich sind sie schon verheiratet und haben ein Kind. Sex hat das Bridgerton-Paar aber immer noch
Foto: LIAM DANIEL/NETFLIX

Sophie (Yerin Ha) und Benedict (Luke Thompson) sind das neue Liebespaar in Staffel 4. Diese Szene sieht in der Serie romantisch aus, ist in Wahrheit aber emotionale Schwerstarbeit für die Schauspieler
Foto: LIAM DANIEL/NETFLIX
Er wird gespielt von Luke Thompson, der plötzlich verschwitzt neben mir steht. Den Erfolg von „Bridgerton“ erklärt er so: „Es geht um universelle Dinge. Liebe, Familie, inneren Konflikte. Die Serie zeigt, was es kostet, sich wirklich auf jemanden einzulassen.“
Und sie lädt ein, sich ein bisschen aus unserer Zeit weg zu träumen. Das ist ja auch nicht so verkehrt.