Die Europäische Union beschließt ein umfassendes Gas-Importverbot ab 2027 und schließt Schlupflöcher für Öl. Zugleich dämpft Berlin die Erwartungen an einen schnellen EU-Beitritt der Ukraine.
Die Europäische Union tritt in eine entscheidende Phase ihrer Sanktionspolitik gegen Russland ein. Während Brüssel die letzten Energie-Importlücken schließt, dämpft Berlin die Hoffnungen Kiews auf einen schnellen EU-Beitritt.
Historischer Beschluss: Aus für russisches Gas ab 2027
Der EU-Rat hat eine historische Verordnung verabschiedet: Der Import von russischem Erdgas wird schrittweise bis 2027 komplett verboten. Ab Anfang 2027 gilt ein vollständiges LNG-Importverbot. Pipeline-Gas folgt spätestens am 30. September 2027 – mit einer möglichen Verlängerung bis 1. November für Mitgliedstaaten mit akuten Versorgungsengpässen.
Die Strafen bei Verstößen sind massiv. Unternehmen drohen Bußgelder von mindestens 40 Millionen Euro oder 3,5 Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes. Die Botschaft ist klar: Nach anfänglichen Lücken soll das Sanktionsregime jetzt wasserdicht werden.
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Doch der Beschluss war nicht einstimmig. Ungarn und die Slowakei stimmten dagegen – ihre Opposition reichte bei der erforderlichen qualifizierten Mehrheit jedoch nicht aus. Ungarn kündigte bereits eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof an.
Die „Hintertür“ für Öl wird zugeschlagen
Parallel schließt die EU eine weitere Schlupflücke. Seit dem 21. Januar 2026 gilt ein striktes Verbot für den Import von Ölprodukten, die in Drittländern aus russischem Rohöl raffiniert wurden.
Konkret betrifft dies etwa Diesel oder Kerosin aus Indien oder China. Importeure müssen nun lückenlos nachweisen, dass ihre Ware nicht russischen Ursprungs ist. Können sie das nicht, werden die Lieferungen an der Grenze abgewiesen.
Für europäische Unternehmen bedeutet das einen massiven bürokratischen Aufwand. Die Lieferkette muss nun vollständig transparent sein. Zollbehörden in der gesamten EU sind angewiesen, rigorose Kontrollen durchzuführen.
Schattenflotte und Iran-Sanktionen im Fokus
Die Verschärfung geht über den Energiesektor hinaus. Vierzehn europäische Anrainerstaaten von Nord- und Ostsee warnten gemeinsam vor der gefährlichen „Schattenflotte“ Russlands. Diese oft seeuntüchtigen Schiffe manipulieren ihre Ortungssignale, um Ölpreisobergrenzen zu umgehen – eine Gefahr für die maritime Sicherheit.
Zudem weitete der EU-Rat am 30. Januar die Sanktionen gegen den Iran aus. Vier Personen und sechs Organisationen, die am iranischen Drohnenprogramm beteiligt sind, wurden mit Einreiseverboten und Kontensperren belegt. Ziel ist es, den Technologietransfer für Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur zu unterbinden.
Merz bremst Ukraine-Beitrittshoffnungen
Während die wirtschaftliche Abkopplung von Russland Fahrt aufnimmt, erteilt Berlin Kiew eine deutliche Absage in der Beitrittsfrage. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete einen EU-Beitritt der Ukraine bis 2027 als „unmöglich“ und „ausgeschlossen“.
In Berlin betonte Merz, der Beitritt sei ein langfristiger Prozess, der an die strikten Kopenhagener Kriterien gebunden sei. Dazu zählen stabile demokratische Institutionen, eine funktionierende Marktwirtschaft und die Fähigkeit, EU-Recht umzusetzen.
Die Aussage dämpft gezielt die Erwartungen der ukrainischen Führung, die 2027 als Zielmarke ausgegeben hatte. Die Botschaft aus Berlin lautet: Politische Integration folgt eigenen, langwierigen Regeln – selbst im Krieg.
Was bedeutet das für Europa?
Die Entwicklungen markieren eine neue Phase der EU-Sanktionspolitik. Der Fokus liegt nicht mehr auf neuen Paketen, sondern auf der lückenlosen Durchsetzung bestehender Verbote.
Für die europäische Wirtschaft entsteht ein komplexes Umfeld. Energiehändler und Logistikunternehmen müssen sich auf strenge Audits einstellen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Sanktionsschraube wirklich hält – oder ob sich neue Umgehungswege finden.
Die Strategie der EU ist klar: Die wirtschaftliche Entkopplung von Russland wird vorangetrieben, während die politische Erweiterung im Osten im gemächlichen Tempo der Bürokratie bleibt.
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