Für viele Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte war die Internationale Praxis der erste Kontakt mit dem deutschen Gesundheitssystem. Neben hausärztlicher Versorgung gab es kinderärztliche und gynäkologische Sprechstunden. Ein zentrales Element waren Sprachmittler, die unter anderem auf Arabisch, Persisch und Russisch übersetzten. Zudem war das Personal im sprach- und kultursensiblen Umgang geschult.
Kassenärztliche Vereinigung: Sinkende Patientenzahlen und steigende Personalkosten
Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KV) sind die Patientenzahlen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen: von rund 16.000 im Jahr 2016 auf etwas mehr als 5.000 in den vergangenen zwei Jahren. Gleichzeitig seien Personal- und Sachkosten gestiegen. Finanziert wurde die Praxis aus Honoraren und ergänzenden Landesmitteln. Angesichts der angespannten Haushaltslage in Sachsen sei der Standort dauerhaft nicht mehr tragbar gewesen, teilte die KV auf Anfrage mit. Ähnliche Einrichtungen in Leipzig und Chemnitz bleiben vorerst aber geöffnet.
Die ehemaligen Patienten in Dresden müssen sich nun neue Ärzte suchen – was angesichts überlaufener Praxen schwierig ist. Hinzu kommt die Sprachbarriere. „Viele Praxen haben schlicht nicht die Kapazitäten, Menschen aufzunehmen, die vielleicht noch nicht so gut Deutsch sprechen“, sagt Ärztin Leah Wissing von der Initiative zum Erhalt der Internationalen Praxis.
Ehemalige Patientin: „Konnte über alle Probleme sprechen“
Davon berichtet auch die frühere Patientin Helma Fam. Die Iranerin war fast vier Jahre lang in der Internationalen Praxis in Behandlung. Zwar habe sie inzwischen eine Hausärztin gefunden, die Verständigung bleibe jedoch schwierig. „In der Internationalen Praxis gab es einen persischen Dolmetscher und ich konnte über alle Probleme sprechen“, sagt Fam. Für einen Facharzttermin fährt sie nach Berlin zu einem persischsprachigen Arzt.
Ähnlich ergeht es der Syrerin Akhlas Kalel. Wenn sie heute ihren Hausarzt besucht, versteht sie oft nicht alles. Manchmal bezahlt sie aus eigener Tasche eine Dolmetscherin, die sie begleitet. Für eine gynäkologische Untersuchung fährt sie nach Leipzig zu einem Arzt, der arabisch spricht.