Der Beitrag erschien bereits in der Schwäbischen Zeitung. Aufgrund des großen Interesses veröffentlichen wir ihn erneut.

In der Welt der Kunst ist Reinhold Würth eine Legende, dessen Sammelleidenschaft und Einfluss weit über die Grenzen herkömmlicher Galerien und Ausstellungen hinausgehen. Seine Kollektion umfasst rund 500 Jahre Kunstgeschichte – vom späten Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert. Mehr als 20.000 Werke hat Reinhold Würth (90) mittlerweile zusammengetragen. Der Horizont der Sammlung ist also weit, ihr Reichtum bestechend, ihre Komplexität faszinierend.

Reinhold Würth, Gründer der weltweit tätigen Würth-Gruppe. Der Konzern ist in der Herstellung von Befestigungs- und Montagetechnik tätig.Bild vergrößern

Reinhold Würth, Gründer der weltweit tätigen Würth-Gruppe. Der Konzern ist in der Herstellung von Befestigungs- und Montagetechnik tätig. (Foto: Bernd Weißbrod/dpa)

Ausgangspunkt war und ist stets Würths subjektives Interesse. Zugleich hatte der Unternehmer und Kunstsammler schon früh den Wunsch, „seine Kunstschätze zu teilen, sie nicht im Depot zu verwahren, sondern in die Öffentlichkeit zurückzutragen“, wie Kuratorin und Kunsthistorikerin Sonja Klee im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. So ließ er als einer der ersten Fabrikanten bereits 1991 am Hauptsitz in Künzelsau-Gaisbach mitten im Industriegebiet das Museum Würth als Ausstellungsforum für moderne und zeitgenössische Kunst bauen. Die Räumlichkeiten sind bis heute in den Verwaltungsbau integriert.

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Bei allen späteren Würth-Museen im Südwesten handelt es sich um reine Ausstellungshäuser. Dazu gehören die Hirschwertscheuer in der Altstadt von Künzelsau (seit 1989), die Kunsthalle Würth (2001 eröffnet) und die Johanniterkirche (seit 2008) in Schwäbisch Hall sowie das Museum Würth 2 in Künzelsau (2020), das erstmals auch einen Konferenz- und Konzertsaal besitzt.

Stararchitekt David Chipperfield hat das Museum Würth 2 am Stammsitz in Künzelsau entworfen. Zum Ausstellungsgebäude gehört auch ein Skulpturenpark.Bild vergrößern

Stararchitekt David Chipperfield hat das Museum Würth 2 am Stammsitz in Künzelsau entworfen. Zum Ausstellungsgebäude gehört auch ein Skulpturenpark. (Foto: Julia Schambeck/PR)

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Doch damit nicht genug. Sukzessive sind Kunstdependancen im europäischen Ausland entstanden. Die erste Dependance war 1999 der Art Room Würth im österreichischen Böheimkirchen bei St. Pölten. Und gleich darauf im selben Jahr noch das Kulturforum Würth in der dänischen Hafenstadt Kolding. Inzwischen hat das Unternehmen Kunstforen in der Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden und Norwegen. „Das jüngste Haus in Rorschach am Bodensee stammt aus dem Jahr 2013“, sagt Sonja Klee.

Das Musée Würth France Erstein in Frankreich in der Nähe von Straßburg hat eine Ausstellungsfläche von 800 Quadratmetern.Bild vergrößern

Das Musée Würth France Erstein in Frankreich in der Nähe von Straßburg hat eine Ausstellungsfläche von 800 Quadratmetern. (Foto: Andi Schmid/PR)

Diese Kunstorte sind ihren Angaben zufolge immer im Zuge einer notwendigen Erweiterung der Gebäude entstanden; oft auch auf Wunsch der Mitarbeiter. Bis auf eine Ausnahme – das Musée Würth France Erstein bei Straßburg – sind sämtliche Ausstellungsräume in die jeweiligen Verwaltungsgebäude integriert. Und alle Art Rooms liegen in Industriegebieten.

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Im Gegensatz zu anderen Firmenniederlassungen sind es aber keine hässlichen quadratisch-praktischen Bauten, sondern sie wurden von namhaften Architekten entworfen. Der Kunstpavillon mit Landschaftsgarten in Frankreich zum Beispiel vom Duo René Gimbert und Jacques Vergély, der Glaspalast in Rorschach von den Zürcher Architekten Annette Gigon und Mike Guyer oder das harmonisch in einen Garten übergehende Gebäude im spanischen Rioja-Gebiet von Dom Arquitectura.

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Die Sammlung Würth wird zentral in Künzelsau verwaltet, und hier entsteht auch das Ausstellungsprogramm sowohl für die deutschen Häuser als auch für die Kunstdependancen im Ausland. Präsentiert werden vor allem Werke aus den eigenen Beständen. „Es ist schon etwas Besonderes, dass die Sammlung so viele Themen ermöglicht“, sagt Sonja Klee. Hin und wieder kommt es zu Kooperationen mit anderen Häusern, wie etwa jetzt bei der Emil-Nolde-Schau im Museum Würth 2 mit der Stiftung in Seebüll.

Blick in die Ausstellung „Frisbee! Sport & Freizeit“ bei Würth in Rorschach. Die Skulptur im Vordergrund stammt von der Australierin Jan Nelson.Bild vergrößern

Blick in die Ausstellung „Frisbee! Sport & Freizeit“ bei Würth in Rorschach. Die Skulptur im Vordergrund stammt von der Australierin Jan Nelson. (Foto: Ueli Steingruber/PR)

Meistens sind die Ausstellungen vorab in Deutschland zu sehen und gehen dann auf Wanderschaft. „Aber sie werden an die jeweiligen Standorte angepasst, allein schon aus räumlichen Gründen.“ Ein Beispiel: „Die Schau ‚Wasser, Wolken, Wind‛, die vor einigen Jahren in der Kunsthalle Würth die Elementar- und Wetterphänomene in den Blick nahm, wird in Spanien jetzt mit dem Fokus auf das Element Wasser präsentiert“, so Kuratorin Klee. Die Ausstellung „Sport, Spaß & Spiel“ wiederum wird jetzt unter dem Titel „Frisbee! Sport und Freizeit“ im Musée Würth in Frankreich in verkleinerter Form gezeigt. Wobei der Pavillon immerhin 800 Quadratmeter umfasst.

Die Laufzeit ist mit ein bis zwei Jahren ungewöhnlich lang. Sonja Klee: „Wir haben insgesamt 15 Spielstätten, da ist immer Bewegung, die koordiniert werden muss.“ Zudem habe man die Erfahrung gemacht, dass man dem Publikum etwas Zeit geben müsse, denn die Kunstforen seien ja nicht mitten in der Stadt, sondern draußen in den Industriegebieten.

Das Museum als demokratischer Ort

Die Ausstellungen und das Rahmenprogramm mit Führungen oder Lesungen finden von Seiten der Beschäftigten mal mehr, mal weniger Zuspruch. Sie locken aber auch viele Kunstfreunde von außen an. „Ein Publikumsmagnet, wie etwa bei David Hockney vor zwei Jahren, überträgt sich dann natürlich ebenso auf die Mitarbeiterschaft.“

Im Jahr 2024 zählten die Häuser der Würth-Gruppe nach Angaben von Pressesprecherin Franziska Seibel europaweit sagenhafte 495.000 Besucherinnen und Besucher. Das mag sicher auch daran liegen, dass der Eintritt in alle Kunstforen und Museen kostenfrei ist. „Das ist ein bewusstes Bekenntnis des Unternehmens zum Museum als demokratischer Ort. Also ein Ort, der für alle Menschen zugänglich ist“, erklärt Klee. Die Museen werden von der Würth-Gruppe als Begegnungsstätte verstanden und sollen dem unmittelbaren Dialog innerhalb der Gesellschaft dienen. Das spiegelt sich übrigens auch in den lichtdurchfluteten, lebendigen Architekturen wider.

Pläne für einen neuen Art Room im Ausland gibt es derzeit offenbar nicht. „Unser Fokus liegt im Moment verstärkt auf der Kunstvermittlung“, erzählt Sonja Klee. Und zwar personell, in Form von Führungen, sowie digital. Ein Beispiel ist die Würth Collection App, die in der Corona-Pandemie entwickelt wurde und regelmäßig aktualisiert wird.

Weitere Infos auf: www.kunstkultur.wuerth.com