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Zwischen Eule und Schlange stehen Eleonora Gutjahr und Juliane Werner (v.l.). Sie sind zwei der drei Künstlerinnen, die im Rathaus Moosinning ihre Werke ausstellen. Jeanette Fischer, von der die obigen Bilder stammen, war bei der Midissage krank. © Samantha Ernst
Drei Künstlerinnen des Kunstvereins „Junge Kunst“ stellen ihre Werke aus. Neben hyperrealistischen Bildern, gibt es auch abstrakte.
Moosinning – Eine giftgrüne Schlange schaut jeden Besucher an, der sich die Treppe des Rathauses in Moosinning nach oben wagt. Ihr schwarzes Auge mit der braunen Iris scheint einen direkt anzusehen. Ihre Schuppen glänzen, während sie sich auf die Seite schlängelt. Die Eule mit dem grau-braunen Gefieder neben ihr beobachtet sie argwöhnisch von der Seite. Ihre orangen Augen blitzen vor dem schwarzen Hintergrund. Die naturgetreuen Bilder beider Tiere sind Teil der Kunstausstellung der Gruppe „Junge Kunst“, die zum Kunstverein Erding gehört.
„Wenn keine Bilder da sind, denken wir, dass etwas fehlt“, sagt Bürgermeister Georg Nagler am Donnerstagabend bei der Midissage zur Ausstellung. Die Akustik, die Atmosphäre. Das merke selbst er als „Banause“, gibt er zu und spricht den drei Künstlerinnen Jeanette Fischer, Eleonara Gutjahr und Juliane Werner seinen Dank und Respekt aus. „Es braucht Mut, seine Kunst in die Öffentlichkeit zu stellen“, sagt er.
„Mich reizt es, wenn man das Gefühl hat, man möchte drüber streichen“
„Ich male hyperrealistisch“, erzählt Fischer unserer Zeitung am Telefon. Sie konnte krankheitsbedingt nicht an der Midissage teilnehmen. Die 37-Jährige malt seit zwei Jahren, hatte bereits Ausstellungen in Freising, Erding und bald in Trudering. Fokussiert hat sie sich auf Tiere. „Mich reizt es, wenn man das Gefühl hat, man möchte drüber streichen“, sagt die dreifache Mutter. Das echte Gefühl, über Fell zu streichen, kennt sie von ihren Hunden Charlie und Flora. Fischer beobachtet gerne die Reaktionen der Kunstinteressierten auf ihre Bilder. Wie Leute stehen bleiben, näher treten, wieder zurückgehen.
Im Rathaus Moosinning hängen ihre kleinen Bilder. Am liebsten malt sie jedoch auf zwei Meter große Leinwände, braucht etwa vier Wochen für ein Bild. „Ich wähle Bilder, um eine Stimmung zu transportieren“, sagt die Berglernerin, die Teilzeit als Kinderpflegerin arbeitet. Dennoch lasse sie dem Betrachter Interpretationsspielraum und benenne ihre Bilder nur mit einem Werktitel. Sie will die Tiere authentisch aussehen lassen, malt gerne „tausend Haare“ für ein echt wirkendes Fell.
„Sonst bin ich etwas verkopft, doch wenn ich male, ist alles gut“
Werner hatte für ihre Aquarellbilder verschiedene Farbphasen. Lange benutzte sie Blautöne, entschied sich vor der Ausstellung im Rathaus aber für Rot. „Rot steht für Mut“, sagt die 30-Jährige. Für sie begann ihre Kunstreise bereits in jungen Jahren, und zwar mit dem Werkenzweig in der Realschule. Seither begleitet sie die Kunst, durch gute und schlechte Momente. In ihren abstrakten Bildern äußert die Notzingerin ihre Gefühle. „Sonst bin ich etwas verkopft, doch wenn ich male, ist alles gut.“
Ihre Kunst benutzt die 30-Jährige als Ausgleich vom Alltag. Hauptberuflich ist sie SEO-Managerin, nebenbei freischaffende Künstlerin. Sie weiß, dass viele ihre abstrakte Kunst nicht auf Anhieb verstehen. Doch darüber zu sprechen hilft. So erinnert sie sich, habe ihre Kunst „Leute richtig berührt“. Sie will zeigen, dass in jeder Krise auch schöne Momente stecken. „Das Leben macht mit uns, was es will.“
„Ich habe schon immer davon geträumt“
Gutjahr malt schon ihr ganzes Leben lang. Während ihrer Mutterschaft hatte sie Zeit, konnte sich so noch mehr auf ihre Kunst konzentrieren. Die 43-Jährige malt mit Epoxidharz, einem Kunstharz, auf glanzvollem Stoff und gießt Uhren selbst. „Meine Lieblingsfarben sind Grün und Gold“, sagt die zweifache Mutter.
Sie liebt die Natur, lässt sich von ihr inspirieren. Die Notzingerin benutzt ruhige Farben. Grüntöne, Gelb, Lila. Die Kunst hat sie zu ihrem Beruf gemacht, verkauft sie unter anderem über Social Media. „Ich mache auch viel Dekoration selbst.“ Sogar Räucherstäbchenhalter. Seit Kurzem malt sie auch mit Acryl und Ink-Farben. Die Ausstellung in Moosinning ist ihre erste. „Ich habe schon immer davon geträumt“, sagt sie mit Blick durch den Raum und lächelt.