Zum Riederwaldtunnel sind in der F.A.Z. 884 Artikel erschienen, bis dann am Freitag im 885. zu lesen war, dass mit den eigentlichen Bauarbeiten für diesen Lückenschluss im Autobahnnetz begonnen worden sei. Es stand auch gleich noch drin, dass die Arbeiten wohl länger dauern würden als geplant und mithin über 2033 hinaus. Aber das Aufatmen über den Baubeginn nach Jahrzehnten der Diskussion und Planung ist größer als die Enttäuschung über die neuerliche Verzögerung. Endlich geht es los.
Die in kleinen, aber lautstarken Kreisen verbreitete Ablehnung des Autos (die oft Menschen vor sich hertragen, die dann doch auch gerne hin und wieder mit einem fahren) darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nach wie vor das wichtigste Verkehrsmittel ist, auf zahlreichen Routen dem Fahrrad wie auch jeder Art von öffentlichem Nahverkehr überlegen. Es wäre deshalb fahrlässig, in einer zukunftsorientierten Verkehrspolitik das Auto auszuschließen oder ihm auch nur eine randständige Position zuzuweisen, wie es seit geraumer Zeit in verhängnisvoller Weise in Frankfurt geschieht.
S-Bahn und Autobahn: Beides ist notwendig
Das heißt nicht, auf den Ausbau von Bahntrassen und Radwegen zu verzichten, denn natürlich ist weniger Autoverkehr wegen dessen Emissionen und der großzügigen Inanspruchnahme von Verkehrsräumen besser. Deshalb ist es kein Widerspruch zum Bau des Riederwaldtunnels, wenn zugleich die in etwa parallel verlaufende nordmainische S-Bahn gebaut wird, auch solch ein Langzeitprojekt, das nun endlich verwirklicht wird. Es wird Bewohner des Main-Kinzig-Kreises geben, die von den besseren Zugverbindungen profitieren und das Auto stehen lassen, und es wird solche geben, die sich freuen, dass es künftig auf der Autobahn schneller geht, weil sie weit weg von der S-Bahn wohnen. So haben beide Vorhaben ihre Berechtigung.
Das Wichtigste aber: Mit beiden Verbindungen wird im Ballungsraum etwas zurechtgerückt – die bisher besonders ausgeprägte Orientierung der Verkehrsachsen nach Westen und Nordwesten hin. Sowohl das Autobahn- wie auch das S-Bahn-Netz ist von Frankfurt zum Taunus und nach Mainz und Wiesbaden deutlich besser ausgebaut als Richtung Osten. In den nächsten Jahren rücken viele Orte im Main-Kinzig-Kreis und darüber hinaus näher an die Mainmetropole, was die Lebensqualität erhöht und Wachstumsperspektiven eröffnet.
Der Lückenschluss der Autobahn 66 und der Bau der Schienenstrecke über Maintal – eigentlich unvorstellbar, dass dieser Ort mit seinen 39.000 Einwohnern bisher nicht an das S-Bahn-Netz angeschlossen ist – lassen sich mithin als eine Art historischer Wiedergutmachung verstehen. Wie gut, dass es nun vorangeht.