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Naumburg – Zu seinem 12. Geburtstag erhielt Michael Triegel ein Buch über Albrecht Dürer (1471 bis 1528). Der Junge aus Thüringen war schock-fasziniert von Dürers gezeichnetem Selbstporträt im Alter von 13 Jahren. 

Triegel: „Ich dachte mir: Was der kann, kann ich auch. Die Künstler der Renaissance wurden meine Lehrmeister. Michelangelo, Leonardo, Raffael, Dürer.“

Mit seinen 57 Jahren hat es der Maler und Grafiker (lebt heute in Leipzig) längst geschafft. Triegel ist der Dürer unserer Zeit.

Michael Triegel im Selbstporträt als Hiob (80 x 60 cm): Die biblische Figur zweifelte trotz Schicksalsschlägen nicht an Gott. Triegel ließ sich 2014 als Katholik taufen

Michael Triegel im Selbstporträt als Hiob (80 x 60 cm): Die biblische Figur zweifelte trotz Schicksalsschlägen nicht an Gott. Triegel ließ sich 2014 als Katholik taufen

Foto: reproduction Carsten Humme

Seine Kunst ist nicht abstrakt, wie die vieler moderner Kollegen. Sie ist altmeisterlich perfekt ausgeführt, oft mystisch und schön.

Triegel zu BILD: „Schönheit ist eine Utopie und eine Hoffnung.“

Wer seine neuesten Werke genießen und erwerben will: Die Berliner Galerie Schwind eröffnete gestern eine Triegel-Ausstellung (bis 21.3.).

Albrecht Dürer malte sich 1500 im Pelzmantel und in Jesus-Pose

Albrecht Dürer malte sich 1500 im Pelzmantel und in Jesus-Pose

Foto: picture-alliance / akg-images

Dort erkennt man, wie eng Triegel bei Dürer ist: Das Bild „Der Traum des Doktors“ lehnt sich an einen gleichnamigen Dürer-Kupferstich an, der bis heute nicht entschlüsselt ist.

  • Bei Dürer steht eine nackte Frau neben einem schlafenden Mann. Bei Triegel hockt ein Unbekleideter vor dem Torso einer Frau und einem verstümmelten Jesus.
  • Was will Triegel, Ehrendoktor der Theologie, ausdrücken? „Ich habe christliche mit antiken Symbolen kombiniert. Es darf rätselhaft bleiben. Kunst gibt keine einfachen Antworten.“
  • Was kostet ein echter Triegel? Vom unteren fünfstelligen Bereich an aufwärts.

Michael Triegel vor seinem Meisterwerk: Die Mitteltafel des Naumburger Altars ergänzt die Außenflügel, die noch von Lucas Cranach stammen. Dessen zentrale Tafel wurde 1542 von Bilderstürmern zerstört

Michael Triegel vor seinem Meisterwerk: Die Mitteltafel des Naumburger Altars ergänzt die Außenflügel, die noch von Lucas Cranach stammen. Dessen zentrale Tafel wurde 1542 von Bilderstürmern zerstört

Foto: picture alliance/dpa

2022 lieferte er sein Meisterwerk ab. Für den Naumburger Dom malte er das Mittelstück des Altars. Lucas Cranach hatte das Original geschaffen, das 1542 von protestantischen Bilderstürmern zerstört wurde. Zwischen den erhaltenen Cranach-Flügeln wirkt die Triegel-Tafel atemberaubend. Seine Tochter Elisabeth wurde zur Jungfrau Maria.

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Die arrogant-ignorante Unesco warf den Cranach/Triegel aus dem Weltkulturerbe Dom, weil er angeblich die Stifterfiguren wie die berühmte „Uta von Naumburg“ verdecke. 

Der Altar steht nun für zwei Jahre in einer römischen Kirche nahe des Petersdoms im Exil. Triegel: „Ich habe damit abgeschlossen.“ Wirklich? Der Kinofilm „Triegel trifft Cranach“ zeigt ab Donnerstag die Entstehung des Meisterwerks.