TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
Chemnitz – Chemnitz verliert ein Wahrzeichen. Im legendären Congress-Hotel ist endgültig das Licht aus. Das höchste Gebäude der Stadt, einst Prestigeprojekt der DDR, hat dichtgemacht. Mit dem Aus verschwindet nicht nur ein Hotel, sondern ein Stück Stadtgeschichte.
Das Hochhaus gehört zu einem architektonisch durchdachten Ensemble aus Stadthalle und Wasserspiel. Jahrzehntelang prägte es das Zentrum. Jetzt steht fest: Der Hotelbetrieb in dem ikonischen Hochhaus ist Geschichte.
Das Hotel bot mehr als 700 Gästen Platz, verteilt auf 371 Zimmer und 28 Etagen. Es war mit 97 Metern Höhe eines der größten Hotels der DDR.
Deshalb ist das Hotel so berühmt
Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg entstand mitten im Zentrum von Karl-Marx-Stadt ein neues Herz. An Theaterstraße und Brückenstraße wuchs ein großer Kulturkomplex aus Stadthalle, Gastronomie und dem Interhotel „Kongreß“. 1969 begannen die Bauarbeiten. 1974 zogen die ersten Hotelgäste ein. 1974 folgte die Eröffnung der Stadthalle. Schnell wurde das Ensemble zum kulturellen Mittelpunkt des Bezirks Karl-Marx-Stadt. Nach 1990 wurde die Anlage umfassend modernisiert und erhielt eine neue Fassade. Heute gilt das Areal als bedeutendes Zeugnis der DDR-Moderne.

1994 wurde die Fassade des unter Denkmalschutz stehenden Hochhauses modernisiert
Foto: Wolfgang Thieme/ZB/picture-alliance
Plötzliches Aus schockt Mitarbeiter und Stadt
Umso härter trifft es Stadt und Mitarbeiter, dass das Traditionshaus am letzten Januarwochenende den Betrieb eingestellt hat. Das Aus kam völlig überraschend und ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem der Glanz des Kulturhauptstadt-Jahres langsam verblasst. Der genaue Grund für die Schließung bleibt unklar. Beschäftigte berichten jedoch, mangelnde Investitionsbereitschaft sei entscheidend gewesen. Rund 40 Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze. Am Sonntagabend trafen sich einige von ihnen vor dem Hotel, um eine Lichterkette als Zeichen für den Erhalt zu bilden.

Zahlreiche Mitarbeiter haben Kerzen angezündet und eine Lichterkette vor dem Hotel gebildet
Foto: Jan Haertel
Bürgermeister kämpft um Weiterbetrieb
Auch Oberbürgermeister Sven Schulze (54, SPD) zeigt sich betroffen. Er traf sich persönlich mit den Angestellten, um ihnen seine Unterstützung zuzusichern. Zudem finden Gespräche mit dem Eigentümer statt, wie die „Freie Presse“ berichtet. Dabei soll es um die zukünftige Nutzung des Hochhauses gehen. Einen städtischen Kauf schließt Schulze jedoch aus.

Im Jahr 1974 wurde das Interhotel eröffnet. Das Foto zeigt Arbeiter wenige Monate vor der Fertigstellung
Foto: Wolfgang Schmidt/ Imago

Zu DDR-Zeiten bot das Hochhaus mehr als 700 Gästen Platz auf 28 Etagen und war damit eines der größten Hotels
Foto: IMAGO/Wolfgang Schmidt
Angst vor Leerstand im Herzen der Stadt
2025 strömten mehr als zwei Millionen Besucher nach Chemnitz. Gästezahlen und Übernachtungen erreichten Rekordhöhen. Umso größer die Sorge, dass ein zentraler Anlaufpunkt wegbricht und zum Lost Place verkommt.

Die Stadthalle und das Interhotel Kongress in den 1980er-Jahren
Foto: ZB/picture-alliance
In den sozialen Netzwerken zeigen viele ihre Betroffenheit. „Das Kongress-Hotel gehört zur Stadt wie der Nischel und der Rote Turm“, schreibt ein Nutzer auf Facebook. Ein anderer bringt seine Fassungslosigkeit so auf den Punkt: „Wenn das Hotel stirbt, stirbt Chemnitz.“
Die Gewerkschaft NGG will mit den Angestellten des Hotels Sonntagabend eine Lichterkette organisieren, auch für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Motto: „Gemeinsam mit Herz: Investieren statt ruinieren. Damit die Lichter weiter brennen.“ Doch dafür scheint es bereits zu spät zu sein.