Nun ist es offiziell: Die Löwen-Apotheke in Beyenburg ist Geschichte. Nach fast 30 Jahren hat das Inhaber-Paar Petra und Wolfgang Biehl, ihre Apotheke geschlossen. Was nun mit dem Lokal passiert – den beiden gehört das Haus – wissen sie noch nicht, Interessenten gibt es schon. Nun gibt es im Stadtteil keine Apotheke mehr – für die medikamentöse Versorgung, müssen die Beyenburger mitunter nun längere Wege zurücklegen.

Simone Paland ist Beyenburgerin und lebt gern in dem kleinen „Dorf“ umgeben von Natur. „Es ist traurig, weil mit der Apotheke nun fast alles an Infrastruktur weg ist“, sagt sie. „Noch heute habe ich mir gedacht, dass ich noch einmal zur Apotheke müsste. Früher konnte ich da zu Fuß hin.“ Die nächsten Apotheken sind in Schwelm und Lennep. Was die Nahversorgung angeht, fehlt der 45-Jährigen ein Supermarkt. „Aber wir haben den Lieferdienst Picnic, der kann vieles ersetzen.“ Picnic ist ein Online-Supermarkt, bei dem man Haushaltswaren und Einkäufe bestellen kann, die dann nach Hause geliefert werden. Wegzuziehen käme ihr aber nicht in den Sinn: „Man lebt hier sehr schön und es gibt viele nette Leute.“

Den Wegfall der Apotheke sieht Silke Sturmberg (57) ebenfalls kritisch. „Das war immer sehr praktisch, wenn man ein Rezept einlösen musste oder irgendwas gebraucht hat. Jetzt muss man eben immer nach Lennep, Schwelm oder Wuppertal fahren“, sagt sie. In ihren Augen ist Beyenburg aber nicht dabei, zu vereinsamen. Zwar, so räumt sie ein, stimme es im Hinblick auf die Geschäfte, die verschwunden sind. Aber: Viele junge Familien ziehen nach wie vor hierher, das war schon immer so.“ Auch für sie ist ein Umzug keine Option. „Alle sind hier, Familie, Bekannte, mein ganzer Freundeskreis ist in Beyenburg.“ Allerdings vermisst auch sie die frühere Infrastruktur. Ihr fehlen ein Bäcker, eine Apotheke oder ein Supermarkt.

Allerdings geht mit der Schließung der letzten Apotheke in Beyenburg mehr einher, findet Bezirksbürgermeister Andreas Bialas (SPD). „Etwas Geselliges geht dadurch verloren. Es gibt den Bäcker nicht mehr, die Apotheke nicht mehr, oder das Landhaus Bilstein.“ Alles Orte, an denen sich die Menschen früher getroffen haben. Hinsichtlich der Apotheke ist er überzeugt: „Die medizinische Versorgung wird man hinkriegen.“

Allerdings sei die Infrastruktur nun sehr überschaubar. Es gebe im Grunde nur noch die Eisdiele Cortina (Am Kriegermal 49), die Stadtbibliothek (Am Kriegermal 22) und das Reisebüro von Inhaber Sven Bruchhagen (Am Kriegermal 49), das gleichzeitig auch Deutsche Post-Filiale und DHL-Paketshop ist, darüber hinaus gibt es dort auch Brötchen und Drogerieartikel.

Vereine, Kirchen und Ehrenamt tragen das gesellschaftliche Leben

Es sei nicht einfach, der Entwicklung entgegenzuwirken. „Es ist ein Bereich, wo die Politik vor Ort erst einmal wenig tun kann“, erklärt Bialas. Man könne ein wenig steuern, etwa potenzielle Einzelhändler und Unternehmer beispielsweise beim Baurecht unterstützen.

Dennoch sieht er in der Gemeinschaft in Beyenburg auch eine große Resilienz. Wir leben von den Kirchen und den zivilgesellschaftlichen Einrichtungen“, sagt er. „Die Bürgervereine, Sportvereine, die Freiwillige Feuerwehr – es ist enorm wichtig, dass wir die haben, sie sind Träger des gesellschaftlichen Lebens.“

Das sieht auch Hans Muntz so. Einsamer fühlt er sich durch die Änderungen in der Infrastruktur in Beyenburg nicht. „Die Gemeinschaft ist immer stark gewesen“, berichtet der 81-Jährige. „Durch die Kirchen oder die Sportvereine. Es ist eine andere Welt hier. Das kann man mit der Stadt nicht vergleichen.“ Auch er bedauert den Wegfall der Löwen-Apotheke, aber er ist zuversichtlich: „Ich denke, damit kommen wir auch klar.“ Allerdings wünscht er sich mehr Gastronomie in Beyenburg. „Restaurants gibt es nicht, das ist eine tragische Entwicklung. Das Bootshaus, das Landhaus Bilstein, alles ist zu.“

Marion Putzke (71) empfindet Beyenburg ebenfalls nicht als vereinsamt. Die Gemeinschaft hier sei schon immer stark gewesen. „Das war schon immer so. Und ich kenne die Alteingesessenen alle.“ Darüber hinaus sei sie gut motorisiert, weshalb es für sie auch kein Problem sei, in andere Stadtteile oder Städte zu kommen. „Aber mir persönlich fehlt eine Apotheke.“