Uwe Rösler ist kein Vermögensverwalter, auch wenn man das hätte denken können, als der 57-Jährige am Samstag behauptete: „In beiden Boxen liegen die Dollars.“ Tatsächlich geht es in dieser Aussage weder um amerikanisches Papiergeld noch um häusliche Rücklagenverwahrung – es geht vielmehr um Fußball. Die Boxen sind bekanntlich die Strafräume und damit jene Zonen, in denen die harte Währung dieses Sports gehandelt wird: Tore schießen und Tore verhindern.

Seit der eloquente Rösler im Herbst mitten in der Hinrunde den VfL Bochum übernommen hat, haben die Bochumer in fußballerischer Hinsicht ein paar Dollars gescheffelt. Mit 23 Punkten (sechs Siege, fünf Unentschieden, eine Niederlage) hat der Zweitligist in zwölf Spielen unter Rösler zwei Punkte mehr geholt als im selben Zeitraum der FC Schalke 04. Am Samstag besiegte Bochum im Revierderby Schalke mit 2:0, weil Koji Miyoshi nach 43 Sekunden und Philipp Hofmann in der 43. Minute in der Schalker Box eiskalt zuschlugen. Ka-Ching!

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Nach dem 1:1 gegen Gladbach trennt sich Werder Bremen von Trainer Horst Steffen. Dem unerschütterlichen Optimisten war es nicht gelungen, aus einem unrunden Kader ein schlagkräftiges Team zu formen – die Schuld aber tragen auch andere.

SZ PlusVon Thomas Hürner

Schalkes Rendite ließ zuletzt zu wünschen übrig. Mit bemerkenswerten acht Gegentoren in den ersten 16 Ligaspielen hatten sich die Gelsenkirchener an die Zweitligaspitze gemauert, ehe sie in den jüngsten vier Partien insgesamt gleich sechs Gegentore zuließen: zwei beim 1:2 in Braunschweig, keines beim 0:0 in Berlin und je zwei beim 2:2 gegen Kaiserslautern und nun beim 0:2 in Bochum. Das ergibt dann auch nur zwei Punkte aus vier Spielen. „Momentan ist der Trend gegen uns“, gesteht der Trainer Miron Muslic.

Die aktuelle defensive Anfälligkeit des Aufstiegskandidaten Schalke rührt auch von Unpässlichkeiten relevanter Abwehrspieler her. Der linke Schienenspieler Vitalie Becker als bedeutsamer Teil der Schalker Fünferabwehr laboriert an Knieproblemen und kann bis auf Weiteres nicht mitspielen. Der rechte Schienenspieler Adrian Gantenbein fällt wegen einer Wadenverletzung mehr oder weniger seit November aus. Und am Samstag in Bochum fehlte im gelbgesperrten Hasan Kurucay auch noch ein Innenverteidiger. Aus diesem Grund formierte Muslic seine Abwehr statt in der gewohnten Fünferkette als Viererkette, nannte dies eine „Notwendigkeit“ und begründete sie damit, dass „wir momentan nicht die erforderlichen Profile haben“.

Gefestigte Mannschaft, intakte Kabine – Schalkes Kapitän Karaman macht sich keine Sorgen

Bochums verschmitzter Coach Rösler behauptete nach dem Spiel grinsend, er habe diese Schalker Umstellung antizipiert und deswegen eigens den nach einer Knie-OP wochenlang ausgefallenen Flügelspieler Gerrit Holtmann in die Startelf berufen. Der wieselflinke Holtmann lief den Schalkern dann auch mehrmals davon und bereitete genau so beide Bochumer Treffer vor.

Im Gegenzug konnten die Schalker von den Einsätzen der beiden hochkarätigen Wintertransfers Edin Dzeko und Dejan Ljubicic in der Bochumer Box nicht profitieren. Der von Dinamo Zagreb verpflichtete Mittelfeldmann Ljubicic spielte in seinem ersten Einsatz für Schalke gleich durch, ließ es aber noch an Bindung vermissen, während der von der AC Florenz geholte Stürmer Dzeko zur zweiten Halbzeit hereinkam, anders als beim jüngsten 2:2 gegen Kaiserslautern diesmal aber keinen Treffer beisteuern konnte.

Nach der Niederlage standen die Schalker Arm in Arm vor dem Tribünenblock der mitgereisten Fans und ließen sich von der gesungenen Ermunterung „Auf geht’s Schalke, kämpfen und siegen!“ inspirieren. Am kommenden Samstag empfangen sie Dynamo Dresden und wollen dort den Schalter wieder umlegen. „Ich mache mir keine Sorgen“, behauptete Kapitän Kenan Karaman und nannte als Quelle seiner Sorglosigkeit eine „gefestigte Mannschaft“ sowie eine „intakte Kabine“. Gleichwohl räumte der Torwart Loris Karius ein, die Mannschaft müsse schon auch „wieder besser verteidigen“.

In dieser Hinsicht war sich die Schalker Belegschaft durchaus einig. „Die defensive Stabilität war das Fundament unserer guten Hinrunde“, sagte der Trainer Muslic und beabsichtigt, diese wiederzuerlangen – ob nun mit Vierer- oder mit Fünferkette. „Wir können den Turnaround schaffen!“, versicherte er und fügte kämpferisch an: „Wir schlagen zurück!“ Bochums Torwart Timo Horn hingegen bemerkte süffisant: „Schalke ist angeknockt!“ Die Bochumer selbst hängen derweil allerdings im Mittelfeld fest. Trotz ihres Aufwärtstrends ist die Aufstiegszone für sie noch weit weg.