Nach der Veröffentlichung von Millionen neuer Akten sieht die US-Justiz im Fall Jeffrey Epstein offenbar keinen Anlass für weitere Anklagen. Eine Überprüfung der Staatsanwaltschaft habe ergeben, „dass es keine solchen Informationen“ für mögliche Anklagen gebe, wie der stellvertretende Justizminister Todd Blanche dem Sender CNN mitteilte. Er erklärte die Überprüfung für abgeschlossen. Lediglich eine kleine Anzahl von Dokumenten werde derzeit noch von einem Richter geprüft, fügte er hinzu.
Nach Angaben von Blanche am Freitag haben von den insgesamt sechs
Millionen Seiten, die vom Justizministerium gesammelt wurden, nur gut
die Hälfte mit Epstein zu tun. Damit sind laut einer Erklärung des
Justizministeriums nun insgesamt „fast 3,5 Millionen Seiten
veröffentlicht“. Der Prozess sei damit abgeschlossen.
Am Freitag hatte die US-Regierung neue Akten in dem Fall veröffentlicht. Zu den mehr als drei Millionen Dokumenten gehören E-Mails, Fotos und Videos. Erneut wurden darin die Namen zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten bekannt. Darunter tauchen unter anderem der ehemalige britische Prinz Andrew, Tech-Milliardär Elon Musk, Microsoft-Gründer Bill Gates sowie der US-Präsident Donald Trump auf.
Mette-Marit und Casey Wasserman entschuldigen sich für Kontakt
Neben diesen prominenten Namen hat sich zuletzt auch die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit wegen ihrer Kontakte zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein rechtfertigen müssen. In den neuen Akten taucht ihr Name laut der norwegischen Zeitung Verdens Gang mindestens eintausend Mal auf. Dabei lassen Inhalt und Tonfall des E-Mail-Wechsels aus den Jahren 2011 bis 2014 eine gewisse Vertrautheit zwischen Mette-Marit und Epstein vermuten.
© Lea Dohle
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In einer Stellungnahme zu den Enthüllungen teilte sie mit, dass sie Epstein falsch eingeschätzt habe und zutiefst bedauere, überhaupt Kontakt zu ihm gehabt zu haben. „Das ist ganz einfach peinlich“, fügte sie hinzu. Zudem findet sie, dass „nur Jeffrey Epstein für seine Taten einstehen“ müsse.
Auch Casey Wasserman, der Organisationschef der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles, taucht in den neuen Akten auf. Er soll E-Mail-Kontakt mit Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell gehabt haben. In einem Statement sagte er dazu: „Ich bedaure meine Korrespondenz mit Ghislaine Maxwell zutiefst.“ Diese habe „lange stattgefunden, bevor ihre schrecklichen Verbrechen bekannt wurden“. Aus den Akten geht hervor, dass es sich um E-Mails aus dem Jahr 2003 handelt.
Neben Epstein nur Ghislaine Maxwell angeklagt
Der US-Investor Epstein soll tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt haben. 2008 wurde er erstmals verurteilt, nachdem er die Dienste minderjähriger Prostituierter in Anspruch genommen hatte, und erhielt wegen eines umstrittenen Deals nur eine 18-monatige Haftstrafe. 2019 wurde er erneut wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen festgenommen. Rund einen Monat später wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden. Laut der Gerichtsmedizin beging Epstein Suizid.
Neben Epstein wurde nur seine Komplizin Ghislaine Maxwell im Zusammenhang mit seinen Verbrechen angeklagt. Die 63-Jährige wurde 2022 wegen Sexhandels mit Minderjährigen und weiterer Vergehen verurteilt und verbüßt eine 20-jährige Haftstrafe. Opfer Epsteins kritisieren, dass ihre mutmaßlichen Täter trotz der jüngsten Veröffentlichung von Dokumenten „weiterhin versteckt und geschützt bleiben“.
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