Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsbetriebe in Frankfurt, Kassel, Wiesbaden, Gießen und Marburg aufgerufen, am kommenden Montag mit der Frühschicht die Arbeit niederzulegen. Damit soll den Forderungen zum Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) Nachdruck verliehen werden. Nutzer von Bussen und U- und Straßenbahnen in Hessen müssen sich deshalb schon wieder auf Ausfälle und Verspätungen einrichten. In den fünf genannten Betrieben sind rund 5200 Beschäftigte zu dem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.
In Frankfurt können Fahrgäste alternative Wege einschlagen, in den übrigen Städten kommen sie am Montag wohl nicht weit. Ein erster Überblick:
Frankfurt: S-Bahnen und Busse fahren
Die Verkehrsgesellschaft Traffiq geht davon aus, dass am Montag, 2. Februar, von Betriebsbeginn an alle neun U-Bahn-Linien und zehn Straßenbahnlinien in der Stadt den ganzen Tag über vom Streik betroffen sind.
Umsteigen können die Nutzer in S-Bahnen, Regionalzüge und auch die städtischen Buslinien sowie in Regionalbusse. Gerade im Busverkehr sei mit einer spürbar höheren Nachfrage zu rechnen, heißt es. Sprich, die Busse werden voll.
Wiesbaden: Nur vier Buslinien bleiben übrig
Der Wiesbadener Nahverkehr ist deutlich härter betroffen, da er nahezu komplett mit Bussen bedient wird. Eswe Verkehr geht von einer Streikdauer von Montag, 3 Uhr, bis zum Betriebsende in der Nacht zum Dienstag aus. In diesem Zeitraum entfielen die von der städtischen Verkehrsgesellschaft betriebenen Linien nahezu komplett.
Regulär zum Dienst antreten sollten demnach die Fahrer der von Partnerunternehmen betriebenen Buslinien 5, 28, 39 und 46 und der Regionalbusse. Es könne aber auch hier zu Einschränkungen kommen, warnt Eswe.
Fahrgäste sollten sich auf dem Laufenden halten, zum Beispiel über die Eswe-Ticket-App, die Anzeigen an den Haltestellen und auf einer eigens eingerichteten Internetseite zum Warnstreik.
Mainz: Notbetrieb auf einzelnen Linien
Auch die Landesgrenze schützt nicht vor einem bundesweiten Streikaufruf, in Mainz wird am Montag also auch kaum etwas fahren. Die Verkehrsgesellschaft der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt weist darauf hin, dass dort das Bus- und das Straßenbahnangebot betroffen sind.
Kassel: Nur Regiotrams zum Hauptbahnhof
In Kassel werden laut Verkehrsgesellschaft KVG voraussichtlich sämtliche Straßenbahn‑ und Buslinien (Linien 1 bis 29) ausfallen. Auch die Buslinien 11, 17 und 22 ins Umland sowie die Tram-Verbindungen nach Vellmar, Baunatal und durch das Lossetal fallen aus. Die Regiotrams werden nur bis zum Kasseler Hauptbahnhof fahren.
Gießen und Marburg: Alles rollt
In Gießen gehen die Stadtwerke davon aus, dass der Streikaufruf keine Auswirkungen auf den Busverkehr haben wird, da er in der Stadt von dem Tochterunternehmen Mit.Bus betrieben wird, deren Fahrer nicht unter den umstrittenen Tarifvertrag fallen.
Ähnlich ist die Lage in Marburg. Dort sollen die Stadtbusse regulär unterwegs sein, heißt es von der Marburger Verkehrsgesellschaft (MVG): „Im Betrieb der MVG ist mit keinen größeren streikbedingten Auswirkungen zu rechnen.“
Die ÖPNV-Verhandlungen werden von Verdi parallel in allen Bundesländern geführt. Es geht in Hessen diesmal nicht um die Gehälter der Beschäftigten, sondern um die Arbeitsbedingungen nach dem Manteltarifvertrag. In Brandenburg, Thüringen und dem Saarland streitet die Gewerkschaft darüber hinaus auch für höhere Löhne und Gehälter. Verhandlungspartner sind die jeweiligen Landesverbände des Kommunalen Arbeitgeberverbands (KAV).
Am Donnerstag hatte die zweite Verhandlungsrunde in Hessen zwar ein Angebot der Arbeitgeber, aber kein Ergebnis gebracht. Verdi hat ein Bündel von Forderungen aufgestellt, in dem es um Schichtzuschläge, Eingruppierungen, Ballungsraumzulage und einen zusätzlichen Urlaubstag geht. Die Arbeitgeber sollen sich zudem bereit erklären, über einen weiteren Urlaubstag exklusiv für Gewerkschaftsmitglieder zu sprechen.