Tore: keine
Zuschauer: 71.157
Zum Spiel:
In einem spannenden Spiel war Hertha die spielbestimmende Mannschaft gegen den Tabellenführer aus Gelsenkirchen. In der Offensive aber verzweifelten unsere Spieler am starken Schlussmann Karius, der den Gästen den Punktgewinn festhielt.
Ostkurve Hertha BSC:
Der Start der Rückrunde sollte ganz im Zeichen des Gedenkens an Kay Bernstein stehen. Am Vortag des Spiels jährte sich unser Verlust zum zweiten Mal und viele Herthaner legten Kerzen und Schals am Apfelbaum vor der Geschäftsstelle nieder, den Kay Bernstein kurz nach dem Beginn seiner Amtszeit im Sommer 2022 als Symbol der Hoffnung und des Aufbruchs dort gepflanzt hatte. Die Fanszene hatte für dieses Spiel eine Choreographie vorbereitet, mit der wir einerseits an Kay erinnern wollten und andererseits die Werte, die dank Kays Wahl zum Präsidenten wieder Einzug in unseren Verein Hertha BSC gefunden haben, hervorheben. Denn die Bodenständigkeit unseres Vereins, die Förderung des Nachwuchses, die Abkehr vom Größenwahn, die Nähe zur eigenen Anhängerschaft, der Einsatz für den Volkssport Fußball und gegen Investorendeals auf DFL-Ebene oder die Abkehr von der 50+1-Regel und so viele Punkte mehr wollen wir nicht mehr missen. Es ist unsere Aufgabe, als Mitglieder und als Verein diesen Weg zu verteidigen, auf den die Wahl Kay Bernsteins zum Hertha-Präsidenten unseren Verein nach den schädlichen Investoren-Eskapaden zurückgeführt hat.
Die Choreographie griff hierbei ein bekanntes Zitat von Kay auf, das genau diese Werte beschreibt, für die unser Verein nach unserem Wunsch einstehen soll:
“Der Fußball gehört uns Fans, uns allen. Und wir alle sollten mit aller Kraft dafür kämpfen, dass das so bleibt!”
Der Fußball ist für uns Volkssport und in allererster Linie ein soziales Erlebnis, das die vielen tausend Menschen betrifft, die im Rahmen der Spiele ihrer Mannschaften Woche für Woche in den Stadien zusammenkommen. Fußball wird für die Fans gespielt. Die Zuschauerausschlüsse während der Pandemie haben gezeigt, wie uninteressant Fußball ohne Publikum ist. Die Vereine sind häufig der Lebensmittelpunkt der Mitglieder, die ein aktives Vereinsleben prägen. Die Vereine sind urdemokratische Institutionen. Auf sozialem Zusammenhalt der Fans und demokratischer Mitgestaltung durch die Mitglieder hat der Fokus des Fußballs zu liegen und nicht auf den Profitinteressen einiger weniger, die durch weitere Spieltagszerstückelungen, Liga-Spiele auf anderen Kontinenten oder Investoren-Deals die soziale Dimension des Volkssports zerstören wollen und die durch eine Abkehr von der 50+1-Regel jegliche Mitgestaltung durch Mitglieder unmöglich machen wollen.
“Der Fußball gehört uns Fans, uns allen” prangte ab 30 Minuten vor Spielbeginn über der Ostkurve, ehe nach der Aufstellung der Mannschaften das Muster der Präsidenten-Jacke mit blauen und weißen Zetteln über die Ostkurve gelegt wurde, die Zeit seines Lebens zu Kays Markenzeichen wurde. Im Oberring erschien nun der Spruchband-Teil “Und wir alle sollten mit aller Kraft” und über den zentralen Teil der Ostkurve Hertha BSC wurde eine Blockfahne mit dem Ostkurven-Logo hochgezogen. Als diese ausgebreitet war, wurde das Zitat um den finalen Teil “dafür kämpfen, dass das so bleibt!” vor dem Unterring der Kurve ergänzt. Diese Choreo verdeutlicht unseren Anspruch, dass wir als Ostkurve Hertha BSC über den Fortbestand des von Kay Bernstein geprägten Berliner Wegs wachen und unseren Verein gegen die Feinde des Volkssports Fußball verteidigen.
Eine Schande für den heutigen Spieltag im Zeichen des Gedenkens stellte das Auftreten der Polizei Berlin dar, die keinen Respekt vor den Toten und den Stadiongängern hat. Bereits ab dem Olympischen Platz lag Ärger in der Luft. Die Polizei begleitete die Fanszene in ungewohnt engem Spalier, schien sich in die Einlasskontrolle des Olympiastadions einmischen zu wollen und drückte durch verbale Provokationen, Rempler, Schubser und erste gezückte Schlagstöcke bereits am Stadioneinlass aus, dass sie heute auf der Suche nach einer Eskalation ist. Von den polizeilichen Provokationen waren keineswegs nur die aktiven Fans betroffen. Viele weitere Stadiongänger teilten das Unbehagen und Unverständnis über das völlig überzogene Auftreten der Polizei. Diese drang in der Folge auf den in Absprache mit Hertha BSC festgelegten und eindeutig markierten Fanbereich auf dem Vorplatz der Ostkurve Hertha BSC ein, umringte dabei den Container der Fan- und Mitgliederbetreuung und suchte wiederum verbal und körperlich die Auseinandersetzung. Weder Mitarbeiter und Offizielle des Vereins, noch das Fanprojekt Berlin wurden mit ihren Versuchen nach einer Deeskalation der Situation ernstgenommen. Da das Gedenken an Kay Bernstein an diesem Tag über allem stehen sollte, unternahm die Fanszene selber einen letzten Versuch, die Situation zu beruhigen und räumte ihren angestammten Treffpunkt auf dem Vorplatz unserer Kurve und zog sich in den Eingangsbereich der Ostkurve zurück, wo das Kurvenecho verteilt wird und wo wir Herthaner unter weniger guten Gegebenheiten an diesem für uns alle so wichtigen Tag in den Austausch miteinander treten konnten. Die Polizei in ihrer Gewaltlust konnte aber auch das nicht von der gewollt herbeigeführten Eskalation abhalten und so drang die Polizei unter Schlägen, Tritten, Knüppel- und Reizgaseinsatz in unsere Heimat, die Ostkurve Hertha BSC ein. In der Folge kam es zu minutenlangen Auseinandersetzungen, in deren Folge die verhasste Staatsmacht den Eingangsbereich unserer Kurve wieder verlassen musste. Eine Vielzahl an Fans wurde im Zuge der bewussten Gewalteskalation durch die Polizei Berlin verletzt, über 30 mussten umgehend durch den Sanitätsdienst im Stadion behandelt werden. Doch der verantwortungslose, großflächige Einsatz von Reizgas im Zugangstunnel zur Kurve, in unmittelbarer Nähe zu den Rollstuhlfahrerplätzen am oberen Ende des Unterrings, zog noch viel mehr Verletzungen nach sich, immerhin zog das Pfefferspray weit über die Ränge des Unter- und Oberrings der Kurve. Zudem gab es durch Schläge, Tritte und Schlagstöcke viele Verletzungen, mehrere Herthaner mussten mit Knochenbrüchen in Krankenhäuser eingeliefert werden.
Angesichts dieser Situation war klar, dass wir diesen Spieltag nicht wie gewohnt angehen können. Da Kays Tod wichtiger ist als die fanfeindliche Gewalt der Polizei, zeigten wir die Choreographie in seinem Andenken, ehe wir die Kurve zeitnah verließen. Hierbei schloss
sich ungefähr die Hälfte des Unterrings der Ostkurve an und ebenso eine Vielzahl an Herthafans aus dem Oberring, die angesichts der ziellosen Gewalteskalation durch die Polizei Berlin keine gute Miene zum bösen Spiel machen wollten. Ebenso hängten alle Zaunfahnenbesitzer ihre Zaunfahnen im Heimbereich ab. Wir danken Euch für die Solidarität. Dass wir zusammenstehen, ist unser größtes Pfund als Ostkurve Hertha BSC!Dementsprechend gab es keine organisierte Unterstützung der Mannschaft. Auch hier sind wir allen Herthanern dankbar, die das wichtige Spiel zwar nicht verpassen wollten, aus Gründen des Zusammenstehens aber auf das Anstimmen von Gesängen verzichteten. Wir wohnten dem Spiel also nicht bei. Viele Herthaner erlebten im Nachgang noch den weiteren Wahnsinn des polizeilichen Auftretens. So blockierten Polizisten der Einsatzhundertschaft die Rettungsstelle des DRK Klinikum Westend. Sogar ein Notarztwagen musste umkehren, da die Polizeiautos die Einfahrt versperrten. Auf Herthaner wurde im Umfeld des DRK Klinikum Westend eine regelrechte Hetzjagd durch die Straßen unternommen.
Wir sind noch immer fassungslos ob des Auftretens der Berliner Polizei, die das Topspiel der zweiten Bundesliga und vor allem das Andenken an unseren Freund und Präsidenten Kay wortwörtlich mit Füßen getreten hat.
Gäste:
Dieselbe Eskalationsstrategie, die wir Herthaner im Bereich des Olympischen Platzes, des Osttors und der Ostkurve Hertha BSC erleiden mussten, traf auch die Gästefans aus Gelsenkirchen. Auch am Südtor kam es auf der Zuwegung und am Gästeeinlass zu verbalen Provokationen und körperlicher Gewalt durch die Einsatzhundertschaften der Berliner Polizei. Szenen, die sich im Stadioninneren am Eingang des Gästeblocks wiederholten. Aus Solidarität mit den verletzten und schwerverletzten Hertha-Fans verzichteten auch die Gästefans rund um die Ultras Gelsenkirchen auf die akustische und optische Unterstützung ihrer Mannschaft. Angesichts des Verhältnisses zwischen den Fanszenen von Hertha BSC und Schalke 04 haben wir höchsten Respekt vor der Reaktion der Nordkurve Gelsenkirchen! Es zeigt aber auch deutlich, was im Rahmen der Proteste gegen den DFL-Investorendeal oder die IMK offenkundig wurde: Fußballfans halten zusammen, wenn unsere gemeinsamen Feinde gegen uns vorgehen. Die Gewaltsuche der Berliner Polizei war indes noch nicht beendet. Den Höhepunkt auf Gästeseite erreichte die Eskalationsstrategie der Polizei nach dem Spiel, als im Bereich der Treppen des S-Bahnhofs Olympiastadion durch grundlose Gewalt schwerste Verletzungen für Fußballfans beabsichtigt waren. Die Polizei stürmte in die friedlich abreisende Masse der Gästefans, schubste massenhaft Fans die Treppen herunter, die übereinander stürzten und bearbeitete die Schalker hierbei mit Schlägen, Tritten und Knüppeln.
Wir wünschen allen verletzten Gästefans aus Gelsenkirchen gute Besserung!