Rohranlage in einer Gasspeicheranlage in Kiel (Archivbild)

Stand: 01.02.2026 17:48 Uhr

Andauernde Kältewelle in Deutschland – eine Folge: Es wird mehr geheizt. Der Gasverbrauch steigt. Im Gegenzug leeren sich die Gasspeicher. Ist das ein Problem?


Hans-Joachim Vieweger

Ende Dezember waren die rund 40 deutschen Gasspeicher noch zu knapp 57 Prozent gefüllt. Inzwischen liegt der Füllstand bei 32,9 Prozent – und damit deutlich niedriger als in den Vorjahren. Zum Vergleich: Am 1. Februar 2025 waren es noch 56,4 Prozent.

Grüne: „Schlecht vorgesorgt“

Die Grünen im Bundestag sehen darin ein Problem: Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte der energiepolitische Sprecher Michael Kellner: „Wir zittern uns durch diesen Winter.“ Die Bundesregierung habe schlecht vorgesorgt, so sein Vorwurf. Wirtschaftsministerin Reiche sollte jetzt zum Gas-Sparen aufrufen, „damit wir nicht in weitere Not kommen“, so Kellner, der in der Ampel-Regierung Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium war.

Reiche: „Sorgen sind nicht angebracht“

Ganz anders die Einschätzung der von Kellner angesprochenen Ministerin: Katherina Reiche sieht in den niedrigeren Füllständen keinen Grund zur Beunruhigung: „Wir monitoren die Lage täglich – Sorgen sind nicht angebracht“, so die Ministerin am Rand ihrer Saudi-Arabien-Reise. Die CDU-Politikerin verwies dabei insbesondere auf die Möglichkeiten zum Bezug von Flüssiggas aus dem Ausland. Sie sei daher überzeugt, dass Deutschland gut durch den Winter komme.

Ähnlich hatte sich zuvor der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, geäußert. Die Erdgasspeicher seien weiterhin wichtig, aber nicht mehr der allein entscheidende Indikator für die Gasversorgung. Die vorhandene LNG-Infrastruktur mit den entsprechenden Terminals an Nord- und Ostsee sei aktuell nicht ausgelastet: „Das heißt, hier gibt es Spielräume.“

Diskussion über strategische Gasreserve

Zugleich wirbt Müller für eine strategische Gasreserve. Zwar sollte die Verantwortung für die Gasversorgung grundsätzlich in privater Hand bleiben. „Aber es kann eben externe Schocks geben.“ Eine solche staatlich verordnete Reserve gibt es für Öl – das gelagerte Öl soll im Notfall für mindestens 90 Tage reichen. Solche Reserven sind aber mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Das Wirtschaftsministerium hat nach eigenen Angaben ein Gutachten zu diversen Fragen des Gasmarktes beauftragt. Möglich ist demnach eine Novellierung der aktuellen Gasspeicherstrategie. Diese sieht befristet bis Frühjahr 2027 vor, dass die deutschen Gasspeicher jeweils zum 1. November zu 80 Prozent und zum 1. Februar zu 30 Prozent befüllt sein müssen, wobei es für einzelnen Speicher Ausnahmen gibt.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die damalige Ampel-Regierung noch schärfere Vorgaben eingeführt. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hatte dies aber zu höheren Preisen geführt. In ihrem Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD darauf verständigt, geeignete Instrumente auf den Weg zu bringen, „um eine versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher sicherzustellen.“