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Die Einhausung der A661 soll Lärm eindämmen und neues Stadtgrün schaffen. Doch es gibt Zweifel, ob der Zeitplan nicht doch zu ambitioniert sein könnte.
Frankfurt – Eine lang geplante Infoveranstaltung ist das, versichert Ursula Busch, Fraktionschefin der SPD im Römer. „Kein Wahlkampf.“ Rund 50 Gäste haben sich eingefunden im Stadthaus zwischen Dom und Schirn. Die SPD informiert zum Stadtverodnetenbeschluss von Dezember, rund 1300 Meter der A661 zwischen Bornheim und Seckbach einzuhausen. Und tatsächlich bietet der Abend wenig Kampf: Eigentlich finden alle die Idee gut, einen Deckel auf die Autobahn zu setzen.
Planungsdezernent Marcus Gwechenberger nennt das Vorhaben „Stadtreparatur“. Was repariert wird? Die Schneise, die der Bau der A661 in die Stadt geschlagen hat. Zumal seit den 1980ern auch genehmigte Pläne existierten, die A661 zu erweitern, auf sechs Spuren. Das werde umgesetzt, sagt Gwechenberger, weil es Voraussetzung dafür sei, den neuen Riederwaldtunnel ans Netz nehmen zu können, also die Verbindung zwischen A66 und A661.
So könnte der Deckel aussehen. © DegesWeniger teure Gegend soll mit Grünfläche aufgewertet werden
Holger Tschierschke, SPD-Stadtverordneter und Einhausungsapologet, nennt das Vorhaben so: „Aus dem Mist das Beste machen“. Also einen Deckel auf die Straße setzen, Lärm und Abgase eindämmen und eine Grünfläche schaffen. 1,20 Meter Erde reichten für kleine Bäume und Büsche, sagt Gwechenberger. Wichtiger als die Gewächse ist ja ohnehin, was das Projekt ermöglicht. Eine „neue, zusammenhängende Grünverbindung“ nämlich, zwischen Huth- und Günthersburgpark, „Freiräume in einem dicht besiedelten Gebiet“.
„Ausgleichende Gerechtigkeit“ führt Busch an. Eine nicht so teure Gegend werde aufgewertet mit einem Park. Sogar Wohnungsbau wäre möglich, auf Randflächen, die ohnehin schon versiegelt seien, sagt Gwechenberger. Etwa auf dem Parkplatz neben dem Katharinen-Krankenhaus oder in Verlängerung der Siedlung New Atterberry, auch auf dem Parkplatz des Blumengroßmarkts.
2000 Wohnungen auch auf städtischen Flächen
Rund 2000 neue Wohnungen könnten entstehen, sagt Gwechenberger, auch auf städtischen Flächen. Das bedeutet, man könnte darauf achten, dass auch normalpreisige Wohnungen entstehen. Die Kleingärten links und rechts der Autobahn wolle man erhalten, sagt der Dezernent Auch wenn die Feinplanung noch nicht steht, wo nun genau welche Wege hin sollen. Zum Abschluss des Baus möchte Gwechenberger eine Bundesgartenschau dort abhalten, womöglich in Verbindung mit anderem Stadtgrün. Außerdem plant er ein Grillfest mit Bands zur Eröffnung.
Bevor er das Festbier kalt stelle, müsse er aber ein Auge auf die Verzahnung der großen Bauprojekte im Nordosten haben, mahnt das Auditorium. Das ist der einzige Punkt des Abends, an dem das Publikum skeptisch schaut und fragt, ob denn der Deckel wirklich rechtzeitig auf die ausgebaute Autobahn kommen könne, und wegen des neuen Tunnelanschlusses mit dem Mehr an Verkehr. Auch wird befürchtet, dass womöglich doch noch Lärm und Abgase ungehindert durch die Stadt wabern oder von riesigen Lärmschutzwänden in Schach gehalten werden müssten.
„Essenziell“ nennt es Gwechenberger, dass die Vorhaben synchron liefen. Das Autobahnbundesamt habe signalisiert, man sei auf gutem Weg. Nach erfolgter Planfeststellung könnte ab 2030 gebaut werden. 2035 bis 2037 wäre der Bau womöglich fertig. Hilfreich dabei wäre eine gewisse Kontinuität in Stadt und Dezernaten. „Unterstützung aus der ganzen Stadtgesellschaft“ wünscht sich auch Busch. Mut mache, dass schon jetzt eine „breite Mehrheit“ des Stadtparlaments das Vorhaben unterstütze. 90 Prozent hätten im Dezember zugestimmt. Günstig werde der Bau nicht sein. Gwechneberger rechnet mit 680 Millionen Euro. Wegen Zuschüssen aus Land, Bund oder der EU sei man „im Gespräch“.
Siehe Kommentar.