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Die Kraftwerksstrategie kann kommen. Doch irgendjemand muss die Gaskraftwerke bezahlen. Auf Verbraucher könnten heftige Kosten zukommen.
Berlin – Deutschland setzt auf neue Gaskraftwerke. Nachdem bereits der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (die Grünen) Dunkelflauten mit neuen Kraftwerken überwinden wollte, setzte auch seine Nachfolgerin Katherina Reiche (CDU) auf die Technologie. Dazu hatte sie die Verhandlungen mit der EU neu aufgerollt. Das Ergebnis war die Erlaubnis, noch 2026 12 Gigawatt neuer Leistung durch Gaskraftwerke ausschreiben zu dürfen.
Neue Gaskraftwerke sollen für Energiesicherheit sorgen, erklärt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Doch das könnte den Menschen in Deutschland teuer zu stehen kommen. (Archivbild) © Sebastian Gollnow/dpa
Dass die EU ihr Ok für die Anlagen geben musste, liegt an der kurzen Dauer, die die Kraftwerke wahrscheinlich laufen sollen. Als Übergbrückungstechnologie sollen die nur in solchen Momenten angeschaltet werden, wenn durch erneuerbare Energien zu wenig Strom produziert wird. Damit für die Unternehmen kein wirtschaftlicher Schaden entsteht, bezuschusst der Staat den Bau der Anlagen. Doch wer zahlt am Ende die Rechnung?
Umlage auf Energiekunden? Regierung könnte für steigende Stromrechnungen sorgen
Wie hoch die Kosten für die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD sein werden, ist noch nicht bekannt. Auf der Internetseite des Bundeswirtschaftsministeriums heißt es, dass das „Beihilfeverfahren“ mit der Grundsatzeinigung mit der EU noch nicht abgeschlossen sei. Doch wie die Welt unter Berufung auf eine Antwort des Ministeriums auf die Frage eines Grünen-Politikers berichtete, könnte es für Stromkunden bald teuer werden.
„Die europarechtlichen Vorgaben sehen vor, dass Kapazitätsmechanismen wie die Kraftwerksstrategie über eine Umlage finanziert werden“, zitiert die Welt aus der Antwort des zuständigen Staatssekretärs Frank Wetzel. Der Grünen-Politiker Michael Kellner hatte eine entsprechende Anfrage an das Ministerium gestellt. Weiter heißt es, dass die Umlage 2027 „mit dem Gesetz zum Kapazitätsmarkt“ eingeführt und ab 2031 erhoben werden soll. Wie die Umlage am Ende aussieht, werde noch geklärt, weshalb die Höhe noch nicht abzuschätzen sei.
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Auf Anfrage von Merkur.de von Ippen.Media teilte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums allerdings mit, dass die Frage nach der Finanzierung noch nicht abschließend geklärt sei. Zu welchem Grad die Kraftwerke aus einem Umlageverfahren und Bundesmitteln bezuschusst werden, müsse im anstehenden Gesetzgebungsverfahren diskutiert werden.
Kraftwerrksstrategie: Was kommt auf Verbraucher zu?
Der in der Antwort an Kellner genannte Kapazitätsmarkt gilt als eine Art Marktplatz, auf dem Stromproduzenten Angebote abgeben können. Über eine Art Versteigerung wird dann über staatliche Subventionen für die Anbieter entschieden. Wer das günstigere Angebot macht, der erhält den Zuschlag.
Wie hoch der Preis für Verbraucher am Ende sein wird, lässt sich ohne genaue Angaben aus dem Ministerium und ohne einen endgültigen Gesetzestext nicht bestimmen. Eine Berechnung des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne) vom Oktober 2025 ging auf Grundlage von Daten des Bundeswirtschaftsministeriums von Umlagekosten in Höhe von 340 bis 435 Milliarden Euro aus. Damals plante die Bundesregierung aber noch mit einer Kapazität von 20 Gigawatt neuer Gaskraftwerke. „Während Befürworter mit harmlosen Cent-Beträgen argumentieren, zeigt unsere Berechnung die wahre Dimension – wir reden über mehrere hundert Milliarden Euro”, so bne-Geschäftsführer Robert Busch in einer Pressemitteilung. (Quellen: Welt, Bundeswirtschaftsministerium, bne) (nhi)