Der Berliner Nahverkehr ist seit dem frühen Montagmorgen wegen eines Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi nahezu vollständig eingestellt. Der Arbeitskampf sei um 3 Uhr wie geplant angelaufen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt der Deutschen Presse-Agentur. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hatten zuvor angekündigt, Busse und Bahnen infolge des Warnstreiks bis Dienstagmorgen in den Depots zu lassen.
Bis 3 Uhr am Dienstagmorgen steht der Verkehr der BVG weitgehend still.
© REUTERS/AXEL SCHMIDT
Lediglich Straßenbahnen sind unterwegs, um zu verhindern, dass Oberleitungen aufgrund der Kälte erneut einfrieren. Schon in der vergangenen Woche war es aus diesem Grund tagelang zu erheblichen Einschränkungen gekommen. Der Fahrgastbetrieb ist davon aber weiterhin ausgeschlossen – die Straßenbahnen fahren ohne Passagiere. Einen entsprechenden Kompromiss hatten Verdi und die BVG geschlossen.
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Zu Stoßzeiten ist die Tramlinie 12 zwischen Prenzlauer Berg und S Nordbahnhof normalerweise proppenvoll, heute laufen die Menschen die Strecke bei Eiseskälte zu Fuß – streckenweise in einer langen Kolonne über die größtenteils wieder eisfreien Bürgersteige. Alle paar Minuten fährt eine leere Straßenbahn auf der Invalidenstraße vorbei. „Betriebsfahrt“ steht drauf, einsteigen darf niemand.
9 Uhr: Berufsverkehr fließt „relativ ruhig“
Obwohl wegen des Streiks viele Menschen aufs Auto umgestiegen sein dürften, meldet die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) derzeit keine längeren Staus auf Berlins Straßen. Der Berufsverkehr fließe „relativ ruhig“, teilte die VIZ auf der Plattform Bluesky mit. Staus von mehr als zehn Minuten sehe man aktuell nicht.
Die längsten Wartezeiten gibt es Angaben nach hier:
- A100 vor Baustelle Detmolder Str.
- Königin-Elisath-Straße vor Spandauer Damm
- Kreuzung Seestraße/Müllerstraße
- Bereich Mühlendammbrücke in Mitte
8.46 Uhr: Carsharing-Angebot in Neukölln stark genutzt
Viele Pendlerinnen und Pendler nutzen offenbar auch Carsharing-Angebote wie Miles, um trotz des BVG-Streiks an ihr Ziel zu kommen. Rund um den Neuköllner Reuterkiez sind am Morgen keine kleineren Fahrzeuggrößen verfügbar, nur große Transporter werden in der App als verfügbar angezeigt.

© Screenshot Tagesspiegel
8.37 Uhr: Diese Buslinien fahren trotz des Warnstreiks
Einige Buslinien werden im Auftrag der BVG von anderen Unternehmen gefahren. Diese sind nicht vom Warnstreik betroffen und fahren wie gewohnt, teilte die BVG mit. Das gelte für folgende Buslinien: 106, 114, 118, 124, 133, 175, 184, 204, 234, 275, 316, 318, 326, 161, 363, N12, N23, N35, N39, N53, N61, N69, N84, N91, N95, N97.
Auch auf den Linien X36, 112, 168, 334, 358, 744, N68, die teilweise von anderen Unternehmen bedient werden, finden laut BVG einige Fahrten statt.
8.32 Uhr: Einschränkungen bei der S-Bahn
Die Berliner S-Bahn ist vom Verdi-Streik am Montag zwar nicht betroffen, trotzdem kommt es am Morgen zu Einschränkungen, wie das Unternehmen auf seiner Webseite mitteilt.
Wegen der Reparatur an einer Strecke in Biesdorf besteht der Zehn-Minuten-Takt auf der Linie S5 nur zwischen Hoppegarten und Wuhletal sowie zwischen Ostbahnhof und Westkreuz. Weil in Kaulsdorf auf einen Gegenzug gewartet werden müsse, hätten die Züge in Fahrtrichtung Ostbahnhof/Westkreuz einen Aufenthalt von etwa zehn Minuten, heißt es von der S-Bahn.
Zudem gebe es Bahnsteigänderungen in Biesdorf und Wuhletal. Die Züge nach Strausberg/Strausberg Nord fahren in Biesdorf abweichend vom Gleis 1 (Bahnsteig stadteinwärts). In Wuhletal fahren die Züge nach Strausberg/Strausberg Nord (Abfahrt zu den Minuten: 09, 29, 49) abweichend vom Gleis 11 (Bahnsteig stadteinwärts). Die Züge nach Hoppegarten (Abfahrt zu den Minuten: 02, 22, 42) fahren vom Gleis 12 (Bahnsteig stadtauswärts).
Auf den Linien S46 und S47 kommt es nach einer technischen Störung an einem Zug zwischen den Bahnhöfen Neukölln und Baumschulenweg noch zu Verspätungen und Ausfällen.
8.08 Uhr: Stillstand am Hermannplatz – Berliner steigen aufs Rad und Taxi um
Normalerweise ist der Hermannplatz mit seinen zwei U-Bahn-Linien ein pulsierender Verkehrsknotenpunkt. Doch am Montagmorgen steht hier alles still, zumindest unter der Erde. Der sonst so wuselige Platz ist menschenleer. Die Eingänge zur U-Bahn sind versperrt, Schilder verkünden unmissverständlich: „STREIK!“.
Am Hermannplatz ist es am Montagmorgen ungewöhnlich ruhig.
© Franziska von Werder
Trotz eisiger Temperaturen und Glätte haben sich einige Menschen dick eingepackt auf ihre Fahrräder getraut. Auf den Straßen hingegen bahnen sich auffällig viele Taxis ihren Weg durch die Kälte.
Taxi, S-Bahn, Fahrrad, Fahrgemeinschaft: Pendler müssen sich wegen des Warnstreiks bei der BVG Alternativen überlegen.
© Franziska von Werder
8 Uhr: Pendlerinnen und Pendler haben es am Montag schwer
Für viele Berlinerinnen und Berliner bedeutet der Warnstreik bei rund minus acht Grad eine große Belastung – zumal er nicht als Ausrede dienen kann, einfach der Arbeit fernzubleiben. „Ich hatte ein bisschen Schwierigkeiten, heute zur Arbeit zu kommen“, sagte eine Frau am frühen Morgen am Alexanderplatz der Deutschen Presse-Agentur.
„Ich musste eine Stunde früher los, bin um 4.00 Uhr aufgestanden. Ich musste erst laufen, dann S-Bahn, dann eine andere S-Bahn“, schilderte sie. „Und jetzt muss ich noch mal 20 Minuten laufen.“ Sie ärgere sich ein bisschen, vor allem weil der Boden so glatt sei. Eine andere Frau sagte: „Es ist ok. Ich bin mit der S-Bahn gekommen. Das mache ich normalerweise nicht, aber ging nicht anders.“
Manche Berlinerinnen und Berliner, die nicht zum ersten Mal einen Warnstreik erlebten, bildeten Auto-Fahrgemeinschaften. Andere blieben im Homeoffice. Viele haben auch frei, weil sie in den Winterferien mit den Kindern verreist sind. Schüler müssen also auch nicht zur Schule.
7.28 Uhr: Straßenbahnen fahren ohne Fahrgäste
Um ein erneutes Vereisen der Oberleitungen zu verhindern, sind am Montag trotz Warnstreiks Straßenbahnen in der Stadt unterwegs – allerdings ohne Fahrgäste. So auch die M10 zwischen U Turmstraße und S+U Warschauer Straße.
Betriebsfahrten sollen verhindern, dass die Oberleitungen der Straßenbahn erneut zufrieren.
© Daniel Friedrich Sturm
7.20 Uhr: BVG verurteilt Streik als „unverhältnismäßige Eskalation“
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben den ganztägigen Warnstreik der Gewerkschaft Verdi kritisiert. „Die BVG verurteilt die unverhältnismäßige Eskalation in den gerade erst begonnenen Tarifverhandlungen“, erklärte das landeseigene Unternehmen am Morgen. „Die Arbeitgeberseite ruft die Gewerkschaft Verdi auf, gemeinsam am Verhandlungstisch nach realistischen Lösungen zu suchen, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden nachhaltig weiter zu verbessern.“
7.15 Uhr: Verdi verteidigt Streik bei der BVG
Die Gewerkschaft Verdi hat den am Morgen angelaufenen Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) als notwendigen Schritt verteidigt. „Unsere Priorität ist, am Verhandlungstisch voranzukommen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt am Morgen der Deutschen Presse-Agentur. „Die Kolleginnen und Kollegen können sich Besseres vorstellen, als bei diesem Wetter zu streiken.“
Aber bei den Tarifverhandlungen über bessere Arbeitsbedingungen bei der BVG habe sich der Arbeitgeber bisher geweigert, sich mit den seit zwei Monaten vorliegenden Forderungen der Gewerkschaft wirklich auseinanderzusetzen. „Da bleibt uns keine andere Wahl.“
Die Beteiligung am Warnstreik sei schon am Morgen gut, so Canyurt. An Betriebshöfen für Busse oder Trams, in U-Bahn-Depots, an Werkstätten oder der BVG-Hauptverwaltung seien Streikposten. Die Beschäftigten seien entschlossen, für ihre Forderungen einzutreten und den Druck auf den Arbeitgeber zu erhöhen.
7.10 Uhr: Berliner S-Bahn bietet wegen BVG-Streiks zusätzliche Fahrten an
Die S-Bahn, die von der Deutschen Bahn betrieben wird, ist vom Streik am Montag nicht betroffen. Die Bahnen fahren weitgehend planmäßig. Zudem hat die S-Bahn angekündigt, ihr Angebot wegen des Ausstands bei der BVG leicht auszubauen.
So werden am Montag zusätzliche Fahrten auf der Linie S1 angeboten. Zwischen den Bahnhöfen Zehlendorf und Potsdamer Platz besteht tagsüber durchgängig ein Fünf-Minuten-Takt.
(mit dpa)