„Warten auf Godot“ heißt ein absurdes Theaterstück von Samuel Becket, in dem natürlich vergeblich auf die Ankunft des geheimnisvollen „Godot“ gewartet wird. Ähnlich erging es am Freitagabend in Vohwinkel den Mitgliedern und Gästen der Karnevalsgesellschaft „Prinzengarde“, denen die Ankunft des Regierungspräsidenten Thomas Schürmann, den Chef der Bezirksregierung in Düsseldorf, beim traditionellen „Dämmerschoppen“ angekündigt worden war. Etwa um 19.30 sollte der hochrangige Politiker im Stammquartier der Prinzengarde in der Vohwinkeler Straße eintreffen. Doch Wilfried Michaelis, der Präsident des Carneval Comitee Wuppertal (CCW) hatte sich vergeblich am Eingang postiert: Der RP kam einfach nicht. Warum? Auch im Zeitalter des Handys hatte Michaelis keinen Grund für das Nichteintreffen erfahren.

Ein misslicher Umstand, der allerdings Nordhild Neumeyer, die Präsidenten der Prinzengarde, nicht entmutigte. Die auch als Tänzerin und Büttenrednerin begabte Vollblut-Karnevalistin schaffte es mühelos, aus dem Dilemma noch einen unterhaltsamen Abend zu zaubern.

Und dabei half ihr nicht nur das eigene, von Kommandantin Melissa Peters in Bestform trainierte 17-köpfige Tanz-Ensemble ihres Vereins, sondern auch das Wuppertaler Jugendprinzenpaar Celine I und Loogan I, das mit Gefolge in prächtigem Gepränge erschienen war. Tanzend und singend intonierten sie die diesjährige Wuppertaler Karnevals-Hymne „Endlich ist es nun soweit: Wuppertal, bis Du bereit?“ und steigerten die ohnehin gute Stimmung.

Orden für Schnapszahlen
und Guido Werner

Eine sichere Bank zur Verbreitung guter Laune ist natürlich, vor allem für die Betroffenen, die Verleihung blinkender Orden für verdiente Karnevalisten und Jubilare, wobei Schnapszahlen eine besondere Rolle spielen, wie die 44 Jahre, die Guido Werner einmal die Prinzengarde geleitet hatte. Einigen dieser Förderer des Karnevals wurde das goldglänzende Metall umgehängt, begleitet von liebevollen Bützchen und dem obligatorischen „dreifach donnernden Wuppdika“, das Quartier in der Vohwinkeler Straße 36 in seinen Grundfesten erzittern ließ.

Damit hat es leider eine eher traurige Bewandtnis, wie Nordhild Neumeyer den Gästen im gemütlichen Heim der Prinzengarde mitteilte, denn der „Dämmerschoppen“ war eine letzten Veranstaltungen in der Vohwinkeler Straße. „Am 16. Januar haben wir fristgerecht die Kündigung für den 30. April von den WSW erhalten“, so die Präsidentin. „Eingezogen sind wir im Lockdown 2020 und konnten erst am 24. Januar 2023 endlich unsere offizielle Eröffnung feiern. Nun heißt es wieder Abschied nehmen“.

Da bekanntlich kein Problem auf dieser Welt durch Jammern gelöst wird, haben sich Nordhild Neumeyer und ihre Mitstreiterinnen und -streiter auf den Weg gemacht und sind in Wuppertals Westen fündig geworden. „Nur rund 500 Meter weiter“ wurde verraten. „Genaueres geben wir aber erst bekannt, wenn der Vertrag unterschrieben ist“ war die vorsichtige Auskunft.

Währenddessen hielt sich Wilfried Michaelis ständig in Türnähe auf, doch der präsidiale Gast aus der Düsseldorfer Bezirksregierung (nicht zu verwechseln mit der Düsseldorfer Landesregierung) ließ sich nicht blicken. „Dabei hat die Bezirksregierung selbst diesen Besuch angeregt, und gute Kontakte nach Düsseldorf können ja nicht schaden“, so Michaelis im vollen Präsidenten-Ornat. „Der wird von mir etwas zu hören bekommen“, so ein im Publikum sitzendes Mitglied der Düsseldorfer „Ehrengrade“, in der der dem Karneval wohlgesinnte Regierungspräsident gleichfalls zuhause ist. Eine Entschädigung dann sicher der beschwingte Tanz der Prinzengarde, bei der die siebenjährige Helena das jüngst Mitglied war und auch die Jüngsten die anspruchsvollen Schrittfolgen mühelos beherrschten. Begeistert mitklatschend feierten die glänzend unterhaltenen Gäste die jungen Tänzerinnen und den Tänzer und das eindrucksvolle Schlussbild, das von Melissa und Jolie gebildete Schlussbild, bei dem sie die kleine Mila an die Spitze der Pyramide bugsierten.