Es ist der größte Skandal, der das norwegische Königshaus je erschüttert hat: Marius Borg Hoiby, der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, muss sich ab Dienstag wegen Vergewaltigungsvorwürfen, mutmaßlicher Körperverletzung und Drogenvergehen vor Gericht in Oslo verantworten.

Insgesamt umfasst die Anklage gegen den aus einer früheren Beziehung der Kronprinzessin stammenden 29-Jährigen 38 Punkte, ihm drohen bis zu 16 Jahre Gefängnis.

Was wird Hoiby vorgeworfen?

Zu den schwersten Vorwürfen der Anklage gehören vier mutmaßliche Vergewaltigungen sowie die körperliche und psychische Misshandlung mehrerer früherer Partnerinnen. Hoiby war im August 2024 festgenommen worden, nachdem er gegen seine damalige Freundin gewalttätig geworden sein und in ihrer Wohnung randaliert haben soll.

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In einer öffentlichen Erklärung gab er damals zu, „nach einem Streit und unter dem Einfluss von Alkohol und Kokain“ gehandelt zu haben. Zudem räumte er „psychische Probleme“ und länger andauernden Drogenkonsum ein. Die nachfolgenden Ermittlungen der Polizei förderten zahlreiche weitere Vorwürfe gegen Hoiby zutage.

So soll er vier Frauen vergewaltigt haben, während diese schliefen oder betrunken waren. Die vierte Vergewaltigung soll er demnach noch nach Beginn der Ermittlungen verübt haben. In mindestens drei der Fälle soll er das mutmaßliche Opfer erst am selben Tag kennengelernt und zunächst einvernehmlichen Sex gehabt haben, bevor er die Frauen dann im Schlaf vergewaltigt haben soll, wie Staatsanwalt Sturla Henriksbo schilderte.

Den Ermittlern liegen nach eigenen Angaben Videos und Fotos vor, welche die Vorwürfe untermauern. Vorgeworfen wird Hoiby zudem Gewalt, Vandalismus sowie Verstöße gegen ein Kontaktverbot zu einer Ex-Partnerin. Sie soll er zwischen 2022 und 2023 körperlich und psychisch misshandelt haben.

Princess Ingrid Alexandra s day of authority is celebrated with a party at the main library Oslo 20220616. ARCHIVE PHOTO Marius Borg Hoiby during the government s celebration of Princess Ingrid Alexandra s day of authority. The party event is held at Deichman Bjorvika, Oslo s main library. Princess Ingrid Alexandra turned 18 on 21 January 2022. The celebrations of the authority day were postponed until June due to the infection situation and the corona restrictions. POOL. Photo: Haakon Mosvold Larsen / NTB Oslo Norway YMMIMBdM1Nw *** Princess Ingrid Alexandra s day of authority is celebrated with a party at the main library Oslo 20220616 ARCHIVE PHOTO Marius Borg Hoiby during the government s celebration of Princess Ingrid Alexandra s d PUBLICATIONxNOTxINxGERxNORxSWExDENxFINxFRAxISL Copyright: xHaakonxMosvoldxLarsenx/xNTBx HML-2022-06-16-001 HaakonxMosvoldxLarsenx Marius Borg Hoiby bei einer Geburtstagsfeier für Prinzessin Ingrid Alexandra am 21. Januar 2022 in Norwegen.

© IMAGO/NTB ROY/IMAGO/Haakon Mosvold Larsen

Die Staatsanwaltschaft wirft Hoiby vor, seiner damalige Partnerin unter anderem mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie gewürgt und getreten zu haben. „Dies sind sehr schwere Taten, die bleibende Narben hinterlassen und Leben zerstören können“, erklärte die Anklagebehörde.

Erst vor wenigen Tagen kamen weitere Anklagepunkte wegen Drogen- und Verkehrsdelikten hinzu, welche die Staatsanwaltschaft in dem Vergewaltigungsprozess ebenfalls zur Sprache bringen will.

Prozess gegen Hoiby: Der Ablauf

  • Prozessauftakt: Am Dienstag, den 3. Januar 2026.
  • Prozessdauer: Voraussichtlich 24 Verhandlungstage, bis zum 13. März 2026.
  • Ablauf:

    • Am ersten Tag werden die Anklageschrift und das Plädoyer verlesen.
    • Am zweiten Prozesstag soll Hoiby zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung nehmen.
    • Danach kommen mehrere mutmaßliche Opfer und Zeuginnen zu Wort, darunter Ex-Freundinnen des Angeklagten.

Wie reagiert das norwegische Königshaus?

Die Königsfamilie ist durch den Skandal in Bedrängnis geraten, vor allem die an einer unheilbaren Lungenkrankheit leidende Prinzessin Mette-Marit ist im Zwiespalt zwischen ihren Rollen als Mutter und künftige Königin.

17-05-2014 Skaugum Princess Mette Marit and Prince Haakon and Princess Ingrid Alexandra and Prince Sverre Magnus and Marius Borg Hoiby and dog Milly celebrating the national day at the residence in Skaugum, Norway. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: PPEx

17 05 2014 Skaugum Princess Mette Marit and Prince Haakon and Princess Ingrid Alexandra and Prince Sverre Magnus and Marius Borg Hoiby and Dog Milly Celebrating The National Day AT The Residence in Skaugum Norway PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright PPEx  Die norwegische Königsfamilie am 17. Mai 2014 in Skaugum, Norwegen.

© imago/PPE/imago stock&people

„Wir denken viel an die Betroffenen in dieser Affäre“, erklärte Kronprinz Haakon am Mittwoch. Der Sohn von König Harald V. und Königin Sonja zeigte sich gleichzeitig überzeugt, dass die Justiz in dem Fall auf die „denkbar geordnetste, korrekteste und gerechteste Weise“ vorgehen werde.

Staatsanwalt Sturla Henriksbo versicherte vor dem Prozess, vor dem Gesetz seien alle Angeklagten gleich – „unabhängig von ihrem sozialen Status, ihrer Herkunft oder Familienverbindungen“. Das bedeute, dass Hoiby „weder sanfter noch strenger“ als andere Verdächtige behandelt werde.

Lebenslauf von Marius Borg Hoiby

  • Zur Welt kam Marius Borg Hoiby am 13. Januar 1997 nach einer kurzen Beziehung zwischen Mette-Marit und Morten Borg, der ebenfalls wegen Gewalttaten und Drogenvergehen vorbestraft ist.
  • Seine Mutter war damals in der norwegischen House-Musikszene unterwegs, in der Drogen wie Haschisch und Ecstasy weitverbreitet waren.
  • Im Alter von vier Jahren wurde Marius dann durch die Heirat seiner Mutter mit Kronprinz Haakon plötzlich ins Scheinwerferlicht katapultiert. Im Gegensatz zu seinen jüngeren Halbgeschwistern hat Marius Borg jedoch keine offizielle Funktion im norwegischen Königshaus.
  • 2017 begann er ein BWL-Studium in den USA, brach es aber gleich wieder ab.
  • Danach war er unter anderem Praktikant bei einem Modedesigner, arbeitete als Verkäufer in einem Unternehmen, das eine Party-App entwickelt hat, und als Motorradmechaniker.

(Quelle: AFP, dpa)

Belastungsprobe für Norwegens Königsfamilie

Eine ähnlich große Belastungsprobe habe die königliche Familie in den 120 Jahren ihrer Geschichte noch nie durchgemacht, sagt der Historiker Trond Noren Isaksen.

In der Vergangenheit habe das norwegische Königshaus Kontroversen über die Wahl von Ehepartnern, über Palastrenovierungen oder ähnliche vergleichsweise harmlose Fragen erlebt, „aber nie echte Skandale mit Straftaten, und dann auch noch so vielen“, schildert der Geschichtswissenschaftler.

Beliebtheit des Königshauses nur leicht zurückgegangen

Das Image der königlichen Familie hat unter dem Hoiby-Skandal gelitten. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage sprachen sich 70 Prozent der befragten Norwegerinnen und Norweger für die Beibehaltung der Monarchie aus, ein Rückgang um elf Prozentpunkte gegenüber den 81 Prozent Zustimmung im Jahr 2017.

Die Leute haben Mitleid mit dem alternden Königspaar, das mit dieser Affäre absolut nichts zu tun hat“, erklärt der Autor Carl-Erik Grimstad die immer noch große Beliebtheit des Königshauses.

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Zum Prozessauftakt am Dienstag werden zahlreiche Journalisten erwartet. Offenbar will Hoiby in dem Verfahren aussagen: Er „hebt sich seine Sicht der Dinge für das Gericht auf“, erklärten seine Anwälte. Der Prozess soll laut bisheriger Planung bis zum 19. März dauern, erst einige Wochen später wird das Urteil erwartet. (AFP)