Mit einer Lichtinstallation protestierten Mitarbeiter am Sonntag gegen die Schließung des Congress-Hotels in Chemnitz

Mit einer Lichtinstallation protestierten Mitarbeiter am Sonntag gegen die Schließung des Congress-Hotels in Chemnitz

Foto: Picture Alliance/DPA/Hendrik Schmidt

Die Messen für das Chemnitzer Congress-Hotel sind vorerst gesungen. »Leider ist es gerade nicht möglich, diese Unterkunft auf unserer Seite zu buchen«, teilt ein großes Online-Übernachtungsportal mit. Am Wochenende hatten die letzten Reisenden aus dem Hotel ausgecheckt, das seit gut einem halben Jahrhundert zu den architektonischen Wahrzeichen der sächsischen Stadt gehörte und dessen Panoramarestaurant in der 26. Etage einen atemberaubenden Rundblick über deren Umgebung bot. Jetzt ist das Haus vorerst geschlossen.

Erst vor rund zwei Wochen hatte die Betreibergesellschaft über die Schließungspläne informiert, ohne Gründe anzugeben. Die Gewerkschaft NGG hatte umgehend Protest organisiert. Zuletzt hatte es am Sonntag unter dem Motto »Gemeinsam mit Herz. Investieren statt Ruinieren!« eine Menschenkette gegeben, an der sich neben Mitarbeitern und deren Angehörigen auch viele Bürger und Kommunalpolitiker der Stadt beteiligten. Es gehe »um ein Wahrzeichen der Stadt und eine langjährig gewachsene Belegschaft«, erklärte NGG-Sekretär Thomas Lißner. Für die 40 Mitarbeiter wird derzeit ein Sozialplan ausgehandelt; danach sind Kündigungen zu befürchten. Lißner kündigte aber an, man lasse »den Eigentümer und bisherigen Betreiber nicht aus der Pflicht, für eine zukunftsfähige, tragfähige Lösung zu sorgen«.

Das frühere DDR-Interhotel war nach 1989 zunächst von der französischen Hotelkette Accor übernommen worden und gehörte bis 2017 zur Gruppe ihrer Mercure-Hotels. Es folgte ein Intermezzo als Teil der Dorint-Gruppe. Ende 2023 wurde das Haus von der GCH Hotel Group übernommen, die wiederum ein Unternehmen namens Maya Hotel Operations mit dem laufenden Geschäft beauftragt. Eigentümer des Gebäudes ist das Finanz- und Immobilienunternehmen Aroundtown SA. Zwischen ihr und Oberbürgermeister Sven Schulze gab es zuletzt Gespräche, die aber ohne Ergebnis blieben. Die Betreibergesellschaft Maya dagegen ist nach Angaben der Gewerkschaft »auf Tauchstation« gegangen.

»Wir lassen den Eigentümer und bisherigen Betreiber nicht aus der Pflicht.«


Thomas Lißner Gewerkschaft NGG

Der 97 Meter hohe Hotelbau ist eine architektonische Dominante in der Stadt. Er wurde von einem Kollektiv um den Architekten Rudolf Weißer als Teil eines Komplexes entworfen, zu dem auch die Stadthalle gehört. Dieser fügt sich ein in ein Ensemble mit dem benachbarten früheren Sitz der SED-Bezirksleitung (heute Oberfinanzdirektion) und dem davor stehenden Karl-Marx-Monument. Damit wurde das im März 1945 bei alliierten Bombenangriffen zerstörte Stadtzentrum im Sinne des sozialistischen Städtebaus neu gestaltet.

In Gänze genutzt wurde das Hotel, das im Februar 1974 eröffnet wurde und ursprünglich 700 Gäste in 371 Zimmern beherbergen konnte, schon länger nicht mehr. Dorint etwa betrieb nur die obersten sieben Etagen mit 101 Zimmern. Das Panoramarestaurant war zeitweilig bereits geschlossen. 2025 dürfte die Nachfrage gut gewesen sein: Als Kulturhauptstadt Europas zog Chemnitz viele Gäste an. Die folgende Flaute könnte die Schließung befördert haben. Daneben ist von Defiziten beim Brandschutz und notwendigen Investitionen in siebenstelliger Höhe die Rede. Die Bauaufsicht bestätigte nach Angaben der »Freien Presse« Mängel. Ein Entzug der Betriebserlaubnis habe aber nicht im Raum gestanden.

Für die Stadt ist die Schließung ein schwerer Schlag, droht doch nun längerer Leerstand. Es ist nicht der erste derartige Fall. 2020 hatten die Probleme des Kaufhauskonzerns Galeria Kaufhof und das Aus für die Chemnitzer Filiale bereits ein 2001 errichtetes modernes Gebäude direkt neben dem Rathaus verwaisen lassen. Dort mietete sich schließlich die Stadtverwaltung mit mehreren Ämtern ein. Was mit dem Hotel geschieht, ist offen. Rathauschef Schulze stellt Unterstützung der Stadt in Aussicht, sagt aber: »Das wird kein einfacher Weg.« Susanne Schaper, Chefin der Linksfraktion im Stadtrat, bekräftigte die bereits früher debattierte Idee, Unterkünfte für Studierende der TU Chemnitz in dem Haus einzurichten.